Verleihung des Heimatpreises Oberpfalz
Gut, besser, Oberpfalz

Reden über die Heimat und angesichts der Porzellanlöwen, die an die Preisträger gingen. Im Bild von links: Michael Köllner (Trainer 1. FC Nürnberg), Marion Schieder (Moderatorin Antenne Bayern), Albert Füracker, geschäftsführender Staatssekretär, Michael Cerny (Oberbürgermeister von Amberg) und Franz Löffler (Bezirkstagspräsident Oberpfalz). Bilder: Hartl (4)
 
Trompeter Peter Gasser bläst nicht etwa den Gästen den Marsch. Er begleitet die Bayernhymne, die den offiziellen Teil der Veranstaltung beendet.
 
Die Freudenberger Bauernbühne garantiert gute Unterhaltung und trotzdem gehobenes Niveau. Das war einen Heimatpreis wert.

Wem es bisher nicht bewusst gewesen sein sollte: Wir sind nicht Hinter-, Unter- oder Niederpfalz, wir sind Oberpfalz. Daran lässt Albert Füracker gleich von Anfang an keinen Zweifel. Und diese Oberpfalz ist die beste Heimat, die man haben kann.

Nun war Albert Füracker am Donnerstagabend bei der Verleihung des Bayerischen Heimatpreises an sechs Oberpfälzer "Institutionen" aber selbst ein wenig heimatlos, was seinen derzeitigen Status anging. Denn an sich vertrat hier der geschäftsführende Nicht-Mehr-Staatssekretär Füracker, den geschäftsführenden Nicht-Mehr-Minister und designierten Ministerpräsidenten Markus Söder. Weil Füracker aber vor guter Laune geradezu barst, war anzunehmen, dass ihm sein bisheriger Chef Söder im künftigen Kabinett einen schönen Posten bereithalten wird.

"83 Prozent der Bayern sagen ja, das ist meine Heimat. 95 Prozent der Oberpfälzer tun das", stellte Füracker die Heimatliebe seiner oberpfälzischen Landsleute heraus. "Wobei ich beinahe gesagt hätte, 104 Prozent aller Befragten sagen das hier", scherzte er. Dabei sei es 77 Prozent aller Bayern wichtig, ihre Tradition zu pflegen - und 88 Prozent der Oberpfälzer. "Deshalb sollten wir Oberpfälzer auch selbstbewusst sein."

Aber was ist Heimat für den Einzelnen? Das wollte der Staatssekretär, der umgehend in die Rolle des Moderators schlüpfte, dann von seinen Talk-Gästen wissen. Marion Schieder zum Beispiel, die als Moderatorin von Antenne Bayern in München eine Heimat gefunden hat, ihre Herkunft aus Pleisdorf (Stadt Windischeschenbach, Kreis Neustadt/WN) aber hochhält. Sie sagt: "Heimat ist eher innerlich."

Den Braindrain aufhalten

s Oberbürgermeister Michael Cerny, der seiner Heimatstadt ein Leben lang treu geblieben ist, wies darauf hin, dass Siemens, der größte Arbeitgeber der Stadt, zwar ein Weltkonzern ist. Gleichzeitig sei die Fabrik, die gleichbedeutend mit Industrie 4.0 steht, im Kern von Oberpfälzern geformt worden. "Wir müssen nur darauf achten, den Braindrain nach München zu stoppen", merkte er an. Was sich bei Franz Löffler, dem Landrat von Cham und Bezirkstagspräsident ähnlich anhört. München, so Löffler, würde es in seiner heutigen Form ohne die Oberpfälzer nicht geben. Aber wo ist sie dann, diese Heimat, von der alle reden? Ein Stück weit auch in Nürnberg, so sagt Michael Köllner, der Trainer des 1. FC Nürnberg. Bei seiner Mannschaft. Aber auch in Regensburg, wo er sich immer wohl gefühlt hat und wohin er eines Tages auch wieder ziehen will. Und in Fuchsmühl, wo er geboren und aufgewachsen ist. Oder aber in Weiden, wo er zur Schule gegangen ist und zeitweise bei der Bundeswehr stationiert war.

Albert Füracker wollte gar nicht mehr aufhören mit dem Exkurs durch die Heimat Oberpfalz - und dem Publikum im Stadttheater gefiel es ausgesprochen gut. Zum Beispiel von Marion Schieder zu erfahren, dass man in einer Münchner Kita mit der Ankündigung, eine Oberpfälzer Schlachtschüssel verzehren zu wollen für erhebliche Unruhe sorgen kann. "Da hat die Klangschalen-Mutter auf Porenatmung umgestellt", sagte sie und erntete Brüller im Publikum.

Richtig gut, wir Oberpfälzer

Letztendlich wurde an diesem Abend, den die Musiker der Freudenberger Bauernbühne eingeläutet hatten, deutlich, dass der Menschenschlag der Oberpfälzer der allerbeste in Bayern ist. Oder wie es Albert Füracker auf den exakten Punkt brachte: "Ich find uns richtig gut, uns Oberpfälzer." Der Dank für diese Aussage war heftiger Beifall des Publikums, das nach dieser kurzweiligen Talkrunde gleich weiterlachen durfte. Toni Laurer, einer der Preisträger, erzählte nämlich sehr anschaulich, wie er einmal sportlich Rad gefahren ist.

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Weitere Fotos im Internet:

www.onetz.de/bildergalerie

Die Preisträger und die BegründungenBurgfestspiele Parsberg

Die Parsberger Burgspieltradition ist eine große Gemeinschaftsleistung mit großartigem ehrenamtlichen Engagement.

D'Altbairischen Weiden

Seit der Gründung im Jahr 1920 setzen sich die Vereinsmitglieder leidenschaftlich und mit viel Idealismus für die Oberpfälzer Bauerntracht ein.

Freudenberger Bauernbühne

Die Bauernbühne ist Spiegel der Heimatverbundenheit der Freudenberger und Oberpfälzer.

Toni Lauerer

Toni Lauerer ist ein herausragender Vertreter des Oberpfälzer Humors, ein feinsinniger Beobachter der Menschen und ihres Alltags.

Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald

Spitzenklöppeln ist alte Kunstform im Oberpfälzer Wald, ein Kleinod bayerischer Handarbeitskunst.

Wild-/Freizeitpark Höllohe

Der Wild- und Freizeitpark Höllohe bei Teublitz im Landkreis Schwandorf zieht mit wilden Tieren und sanfter Natur seine großen und kleinen Besucher in den Bann.

"Der Ort, in dem ich aufgewachsen bin, das ist eher so ein Daheim sein." Radiomoderatorin Marion Schieder zur Frage von Albert Füracker, ob Pleisdorf für sie Heimat ist.

"Auch die A 93 kann irgendwie Heimat sein." Marion Schieder, die trotzdem gerne nach Pleisdorf fährt.

"Ich achte ganz stark darauf, ob und welchen Dialekt jemand hat." Marion Schieder vertritt die These, der Dialekt mache den Menschen.

"Den Comedy-Bus gibt es schon lange nicht mehr. Keiner hat mehr gelacht und verstanden haben sie mich wahrscheinlich auch nicht." Marion Schieder zum Grund, warum sie diese fahrbare Art des Oberpfälzer Humors eingestellt hat.

"Die Amberger wollen, dass sich alles ändert und dabei alles gleich bleibt." OB Michael Cerny über einen ganz speziellen Wesenszug.

"Sonst machen wir die Führung 'Mit dem Henker durch die Stadt', dann gibt es 'Mit Marion Schieder durch die Stadt'." Michael Cerny scherzhaft zum Vorschlag, Marion Schieder könnte doch einmal eine lustige Stadtführung durch Amberg machen.

"Die Gesellschaft würde ohne das Ehrenamt nicht funktionieren. Aber leider wird das Ehrenamt immer komplexer." Cerny zu diesem Themenkomplex.

"Wir haben Europa vor 1989 ganz anders gefühlt, obwohl wir doch geografisch in seinem Herzen liegen." Bezirkstagspräsident Franz Löffler über die Zeiten des Eisernen Vorhangs.

"Natürlich ist Oberpfälzisch mittlerweile Amtssprache beim Club." FCN-Trainer Michael Köllner schafft sich seine Heimat einfach selbst.

"Seine Herkunft trägt man immer im Herzen." Der gebürtige Fuchsmühler Michael Köllner.

"Ich bin in einem Wirtshaus aufgewachsen, ich konnte schon mit vier Jahren Schafkopfen." Köllner zu einer ganz speziellen Art von Heimatprägung.

"Weng brauchts niad sa, hauptsach', es schmeckt." Heimat-Staatssekretär Albert Füracker zu seinen Essensvorlieben.

"Ich hoffe, dass mein Chef nächste Woche ein Einsehen hat." Albert Füracker auf die Frage, ob er im Kabinett von Markus Söder wieder einen Posten erhalten wird.
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