Verursacher von Unfall mit zwei Toten entbindet Ärzte nicht von Schweigepflicht
Aufklärung erschwert

Zwei Menschen, 81 und 83 Jahre alt, starben bei diesem Verkehrsunfall. Der Verursacher (65, Fahrer des weißen SUV an der Hausmauer) soll am Steuer bewusstlos geworden sein und die Herrschaft über sein Auto verloren haben. Bild: Steinbacher

Die routinemäßig aufgenommenen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nach dem Verkehrsunfall vom vergangenen Samstag mit zwei Toten am Beethovenplatz kommen nur schwer voran.

Auf Anfrage bestätigte Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier, dass der 65-jährige Verursacher aus Amberg seine Ärzte bisher nicht von deren Schweigepflicht entbunden hat. Damit wird es für die Strafverfolgungsbehörden schwer, das Maß der Schuld, das der Mann potenziell auf sich geladen hat, rechtlich eindeutig einzuordnen.

Bereits am Unglücksort waren unter Berufung auf Zeugen von der Polizei vermutlich gesundheitliche Probleme des Pkw-Fahrers als Unfallursache benannt worden. Demnach brach der 65-Jährige am Steuer seines SUV schon in der Katharinenfriedhof Straße zusammen. Führerlos rollte das schwere Auto rund 200 Meter weiter, walzte Verkehrszeichen nieder, rammte im OTV-Kreisel einen Kleinwagen, erfasste danach auf dem Fußgängerweg einen Mann (81) und eine Frau (83) und wurde erst von einer Hauswand gestoppt. Die beiden Senioren verstarben noch an der Unfallstelle. (Hintergrund)

HintergrundBeim tödlichen Ausgang eines Verkehrsunfalls sind strafrechtliche Ermittlungen gegen den Verursacher der Regelfall. Üblicherweise gehen sie in Richtung einer fahrlässigen Tötung im Straßenverkehr. Im Fall einer Verurteilung bewegt sich das Strafmaß zwischen einer Geld- und Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Kommen beim Verursacher gesundheitliche Gründe als auslösendes Moment in Betracht, so kann das laut Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier je nach Faktenlage durchaus strafbefreiende Wirkung haben, weil die Verantwortlichkeit des Beschuldigten entfällt.

Auf der anderen Seite tritt eine Strafverschärfung ein, wenn dem Unfallverursacher zweifelsfrei nachgewiesen wird, dass ihm bekannt und bewusst gewesen sein muss, dass seine Fahrtüchtigkeit gesundheitlich bis zum Totalausfall beeinträchtigt sein kann. Dann kommen Aspekte der Gefährdung des Straßenverkehrs (StGB § 315c) hinzu. Auch hier liegt das Höchstrafmaß bei fünf Jahren. (zm)
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Leser Onetz aus Weiden in der Oberpfalz | 03.12.2016 | 16:58  
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