Virenschutzprogramm der Telekom warnt vor offizieller Stadt-Software
Böser Nepp mit Amberg-App?

Wer zum Beispiel den Telekom-Magenta-Zuhause-Tarif hat, kann auch für sein Smartphone und Tablet ein Virenschutzprogramm von Norton dazubuchen, das für die mobilen Geräte diese Warnung vor der Amberg-App anzeigt. Unter den Pfeilen auf der Weltkarten-Grafik steht: "Diese App sendet App-Liste an die USA." Bild: hfz

Es gibt so manchen Nepp mit Apps im Internet. Aber doch bitte nicht mit der offiziellen Amberg-App, oder? Vielleicht doch: Der Virenschutz der Telekom warnt zumindest vor diesem Programm der Stadt für Smartphones und Tablets. Es wird als Datenschutzrisiko eingestuft, weil Infos aus den Geräten der Nutzer angeblich in die USA gesandt werden.

Thomas Graml von der Pressestelle im Rathaus war über diesen Hinweis der AZ einigermaßen entsetzt. Er bestätigte, dass die Stadt davon bislang nichts wusste, und dass ein solches Vorgehen keinesfalls in ihrem Sinne sei. "Wenn das stimmt, dann ist das für uns ein No-Go", sagte er wörtlich. "Es wäre für uns auf jeden Fall Anlass, uns von diesem Betreiber zu trennen. Und wir müssten versuchen, diese App schnellstmöglich zurückzuziehen."

Warnung vor Data-Mining

Laut Graml wird die Stadt diesem Thema nun umgehend nachgehen - bei der Firma in Nürnberg, die die Amberg-App im Auftrag entwickelt hat. Telefonisch konnte sie bislang nicht erreicht werden, habe auch auf eine Mailanfrage noch nicht geantwortet. "Sollte der Vorwurf des Data-Minings zutreffen, dann werden wir handeln", kündigte Graml an, nachdem genau darauf in der Meldung des Virenschutzprogramms abgehoben wird. Norton Mobile Security - eine Software, die man beispielsweise beim Abschluss eines Telekom-Magenta-Vertrages dazubuchen kann, auch für mobile Geräte - warnt konkret vor Folgendem: "Diese App gibt die Liste der auf Ihrem Gerät installierten Apps weiter. Der App-Entwickler nutzt diese meistens für Data-Mining." Über diesem Text unter der Überschrift "Datenschutzrisiko" ist eine Grafik mit Weltkarte, die von Amberg und seinem App-Logo ausgehend drei Pfeile in Richtung Amerika zeigt (zwei münden auf Ziele an der West-, einer auf den Raum New York an der Ostküste). Darunter heißt es im Telegramm-Stil: "Diese App sendet App-Liste an USA."

Graml ging davon aus, dass auch im Vertrag, den die Stadt mit dem Entwickler geschlossen hat, kein entsprechender Passus vorhanden ist, der so etwas erlauben würde. Schließlich laufen solche Datenflüsse in der Regel im Hintergrund, ohne dass der Nutzer darauf explizit hingewiesen wird oder überhaupt etwa davon merkt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir dem zugestimmt hätten", betonte Graml vorbehaltlich einer weiteren Prüfung, zu der wahrscheinlich der Leiter der städtischen IT-Abteilung, Werner Weiß, benötigt wird. Er befindet sich derzeit im Urlaub. Nichtsdestotrotz ließ Graml anklingen, dass der Experte bereits den Auftrag erhalten hat, "nach einer anderen Lösung zu suchen".

"Nicht mehr zufrieden"

Zuletzt sei man nämlich mit der Nürnberger Firma ohnehin "nicht mehr zufrieden" gewesen. Als Beispiel führte Graml den Müllabfuhr-Kalender der Stadt für 2017 an, der entgegen der Aktualisierungsvereinbarung immer noch nicht in der App enthalten sei. "Das ist ein Grund, warum wir uns umschauen", ließ der Vertreter der Pressestelle bereits vorhandenes Unbehagen durchblicken. Wie weit die Suche nach einem möglichen neuen Betreiber der App gediehen ist, wüsste Werner Weiß, der hier die Gespräche führt. Bestätigt sich der laut Virenschutz gemeldete App-Nepp, wird die Stadt laut Graml definitiv und sofort die angekündigte Initiative ergreifen. (Hintergrund)

HintergrundUrsprüngliche Firma existiert nicht mehr

Amberg. (ath) "Die offizielle Amberg-App informiert Bürger, Touristen und Geschäftsreisende umfassend rund um die Stadt Amberg." So preist die Stadtverwaltung selbst auf ihrer Homepage den seit Ende 2013 existierenden Service vor allem für Smartphone-Besitzer an.

"Durch Bewegen der Bilder im Menü erhalten Sie Infos über ...", heißt es weiter mit nachfolgender Liste: "Einkaufs- und Übernachtungsmöglichkeiten, Gaststätten, Sehenswürdigkeiten, Gesundheitsdienste, Vereine/Aktivitäten, ÖPNV-Fahrplanauskunft, Parkleitsystem, persönliche Müllabfuhrtermine, Nachrichten, Veranstaltungskalender, wichtige Adressen."

Außerdem teilt die städtische Internetseite mit, dass die Amberg-App als Gemeinschaftsprodukt mit der Firma AppCycle GmbH entstanden sei. Letzteres stimmt nur mehr eingeschränkt, weil aus dem genannten Unternehmen inzwischen eine Gesellschaft mit anderem Namen geworden ist: die dmQuadrat GmbH mit Sitz in Nürnberg, die auf ihrer Homepage unter der Überschrift "Die Evolution" ihre Entwicklung so beschreibt: "Die dmQuadrat GmbH geht aus der AppCycle GmbH hervor, die über Jahre hochwertige Projekte im Bereich App-Entwicklung und Vermarktung betreut hat. Mit der dmQuadrat gehen wir einen nächsten Schritt: Wir verbinden App, Web und Marketing."

Gerade letzter Satz gibt vor dem im obigen Artikel geschilderten Hintergrund zu denken. Auch Thomas Graml von der Pressestelle im Rathaus, wie er einräumte. Er hat nun eine Nachfrage bei der Stadt Erlangen veranlasst - sie arbeitet mit dem gleichen Anbieter -, welche Erfahrungen sie mit der Firma gesammelt hat beziehungsweise ob sie gegebenenfalls ein ähnliches Problem hat.
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