Vor 60 Jahren verunglückte Motorsportlegende Friedrich Hillebrand tödlich
Der Weltmeister aus Amberg

Wenige Tage nach dem triumphalen Empfang in Amberg geschah der tödliche Unfall auf einer Rennstrecke im spanischen Bilbao. Die ganze Region stand heute vor 60 Jahren unter Schock. Bilder: Archiv Stadler (2)
 
Jubel am 11. Juli 1957 vor dem Amberger Rathaus: Fritz Hillebrand (rechts auf der Bühne) und sein Beifahrer Manfred Grunwald (links daneben), waren Weltmeister in der 500ccm-Beiwagenklasse geworden. Am Mikrofon stand beim Empfang der AZ-Redakteur Joachim Kubeng, zu dem sich (links daneben) der damalige ADAC-Ortsclubvorsitzende Peter Rösl und Oberbürgermeister Dr. Wolf Steininger gesellten.

Der Mann war schon zu Lebzeiten eine Motorsportlegende. Er hieß Friedrich "Fritz" Hillebrand und starb heute vor 60 Jahren. Bei einem Trainingslauf im spanischen Bilbao verunglückte Hillebrand mit seiner Beiwagenmaschine tödlich. Er stand damals bereits als Weltmeister der 500-ccm-Klasse fest.

Von Wolfgang Houschka

Fritz Hillebrand hätte nach dem offiziellen Wettbewerb in Bilbao samt seinem Beifahrer Manfred Grunwald den Weltmeisterkranz bekommen. Doch die Siegerehrung erlebte der damals 39-jährige Champion nicht mehr. Am Samstag vor dem eigentlich unbedeutsamen Rennen startete der Amberger zum Trainingslauf. Die Tour endete tragisch: Das Gespann, in der 500ccm-Klasse als unschlagbar geltend, krachte mit voller Wucht an eine Betonsäule. Hillebrand starb, sein Beifahrer überlebte mit ein paar Schrammen.

Zuvor hatte Hilllebrand drei Mal nacheinander die Wertungsrennen für sich entschieden: In Hockenheim, auf der britischen Isle of Man und im niederländischen Assen ließ der die Konkurrenten klar hinter sich. In Amberg verbreitete sich an diesem Augustwochenende im Jahr 1957 die Nachricht vom Tod die Rennfahrers innerhalb kurzer Zeit. Hilllebrand, für den ADAC-Ortsclub startend, galt als herausragender Mitbürger, der die Stadtfarben weltweit glänzend vertrat. Später rückte sein Name immer mehr aus dem Gedächtnis. Er wurde, wie die AZ vor Jahren titelte, zum "vergessenen Weltmeister". Dabei war Fritz Hilllebrand neben Heiner Fleischmann der bekannteste Motorsportler, den Amberg jemals hervorbrachte. Vergleichbar mit dem Blick auf andere Sportarten wohl nur mit dem ebenfalls bereits verstorbenen Fußballer Rudolf Meßmann.

Fritz Hillebrand war kein gebürtiger Amberger. Er kam in Weißbach bei Lofer in der Nähe von Salzburg zur Welt, gelangte in jungen Jahren in die Oberpfalz, arbeitete als Kfz-Mechaniker bei Hans Lindner, der damals sein Autohaus am Kreisverkehr hatte. Dort, wo heute das Cineplex-Kino steht. Der im November 1917 geborene Hilllebrand fuhr zunächst Sandbahnrennen. 1936 zog man ihn zur Luftwaffe ein. Neun Jahre später kehrte der motorradbegeisterte Handwerker aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück.

Danach feilte der Wahl-Amberger an seiner Karriere. Er wurde "Ausweisfahrer", bekam 1949 die sogenannte Lizenz und arbeitete sich an die Spitze der bundesdeutschen Gespannfahrer vor. 1952 eroberte Hillebrand mit seinem Beifahrer Georg Barth den deutschen Meistertitel.

1953 stieg Fritz Grunwald, ein Berliner Gymnasiast, in den Beiwagen. Ab dann hatten beide den Erfolg regelrecht gepachtet. 1956 wurde das Duo Vizelweltmeister mit dem BMW-Gespann, ein Jahr darauf ließen Hillebrand/Grunwald die Mitbewerber endgültig hinter sich. Bis zu jenem verhängnisvollen 24. August 1957 in Bilbao. Der Weltmeistertitel war zuvor schon in Amberg gefeiert worden. "Wir haben die beiden unweit der Luitpoldhütte abgeholt", erinnerte sich vor einigen Jahren in einem AZ-Artikel der lokale ADAC-Funktionär Robert Birner. Rund 10 000 Menschen warteten am Marktplatz und bereiteten den Weltmeistern einen jubelnden Empfang. Die überschäumende Freude dieses 11. Juli 1957 schlug wenige Wochen später in lähmendes Entsetzen um.

Fritz Hilllebrand wäre heuer am 22. November 100 Jahre alt geworden. Er war knapp vier Jahre jünger als Heiner Fleischmann, der es in jener Zeit als Motorradrennfahrer zum Deutschen Meister brachte. Nach beiden sind heute Straßen in Amberg benannt.
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