Waffenamnestie: Illegale Waffen straffrei abgeben
Landratsämter erhalten Waffen

Büchsen, Flinten, Revolver und Pistolen: Das Landratsamt Tirschenreuth verwahrt abgegebene Waffen und Munition. Bild: Norbert Grüner

Seit Juli 2017 können Menschen illegale Waffen abgeben, ohne eine Strafe befürchten zu müssen. Auch die Landratsämter und Stadtverwaltungen in der Region dokumentieren die Waffen, die die Bürger zu ihnen bringen.

Amberg/Weiden. Rund 3500 eingesammelte Waffen zählte das Bayerische Innenministerium bis 31. Dezember. In der nördlichen Oberpfalz waren es 210. Am meisten Waffen kamen im Landratsamt Tirschenreuth zusammen. Dort gaben die Besitzer bisher 24 Kurz- und 38 Langwaffen bei den Mitarbeitern ab. "Der Anteil der abgegebenen legalen zu den illegalen Waffen ist in etwa gleich", teilt Pressesprecher Walter Brucker mit.

Das Landratsamt Schwandorf zählte bisher 26 Kurz- und 13 Langwaffen. "Die angenommenen Waffen stellen keinen besonderen Wert mehr dar, zumal sie überwiegend in einem schlechten Pflegezustand sind", berichtet Pressesprecher Hans Prechtl. Er zählt auf: Bei den Kurzwaffen handele es sich um sechs erlaubnispflichtige Waffen, drei Luftdruckpistolen, 14 SRS-Waffen (Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen) und drei Anscheinwaffen-Softair. Unter den Langwaffen waren zwölf erlaubnispflichtige Waffen und ein Luftgewehr.

Die meisten sind froh

Die meisten Leute seien froh, eine Annahmestelle für die Waffen gefunden zu haben. "Überwiegend handelt es sich um selbst gekaufte Waffen ... Wenige Waffen befanden sich im Nachlass von Angehörigen", schreibt Prechtl. "Meist sind sie froh, die Waffen los zu werden. In seltenen Fällen kommt es auch vor, dass die Waffen sehr ungern abgegeben werden", ergänzt sein Tirschenreuther Kollege Walter Brucker.

Seit Juli vergangenen Jahres können Bürger Waffen und Munition, für die sie keine Erlaubnis haben, abgeben. Sie müssen keine Strafe wegen Verstoß gegen das Waffenrecht befürchten. Diese "befristete Amnestie" gilt noch bis 1. Juli 2018. Ziel der vom Bundestag beschlossenen Strafverzichtsregelung ist es, die Zahl der illegalen Waffen in Deutschland zu verringern.

16 Waffen im Landratsamt Amberg-Sulzbach

Im Landratsamt Amberg-Sulzbach haben die Bürger bisher 16 Waffen abgegeben, 8 Kurz- und 8 Langwaffen. Dabei handelt es sich meistens um Fundwaffen, berichtet Pressesprecherin Christine Hollederer. "Über die persönlichen Umstände, woher die Menschen die Waffe haben und/oder warum sie diese bei uns abgeben, können wir jedoch keine Aussage treffen", teilt Hollederer mit.

In Neustadt/WN sind es noch weniger: 7 Kurz- und 4 Langwaffen. Wie in den anderen Landratsämtern handelt es sich dabei nach Auskunft von Pressesprecherin Claudia Prößl meist um Fundwaffen. "Besondere emotionale Reaktionen waren bei den Abgebenden nicht erkennbar", berichtet die Sprecherin.

Fundwaffen immer straffrei abzugeben

Auch bei den kreisfreien Städten können Waffenbesitzer Pistolen, Gewehre und Munition loswerden. Der Stadtverwaltung Weiden wurden 12 Lang- und 18 Kurzwaffen sowie weitere nach Waffenrecht erlaubnisfreie, erlaubnispflichtige oder verbotene Waffen überlassen, teilt Wolfgang Prem vom Amt für öffentliche Ordnung mit. Insgesamt verwahrte die Stadt seit 1. Juli 2017 64 Waffen. In Amberg waren es in dem Zeitraum 3 Lang- und 15 Kurzwaffen.

Die Amnestie für illegalen Waffenbesitz gilt allerdings nicht für Fundwaffen. "Wir möchten darauf hinweisen, dass Fundwaffen immer (also auch schon vor der Amnestie) straffrei beim Landratsamt abgegeben werden können, wenn das Auffinden der Waffe unverzüglich beim Landratsamt angezeigt wird", betont Prößl. Strafbar mache sich nur derjenige, der eine erlaubnispflichtige Schusswaffe oder Munition ohne die erforderliche Erlaubnis über einen gewissen Zeitraum behält. Die Landratsämter reichen Pistolen, Gewehre und Munition an die Waffenverwertungsstelle des Bayerischen Landeskriminalamts in München weiter. Diese vernichtet die Waffen.
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