07.02.2018 - 20:00 Uhr

"Warum ich evangelisch bin - warum ich katholisch bin" Glaube eint und trennt zugleich

An der Basis werden die Grenzen kaum mehr wahrgenommen und beachtet, und dennoch bleiben die meisten Christen ganz bewusst ihrer Konfession treu. "Das Bekenntnis dazu macht das Nachdenken über den eigenen Glauben erforderlich", versichert Siegfried Kratzer, Vorsitzender des Evangelischen Bildungswerks. Und stellt sich selbst der Diskussion.

Johann Ott (links) und Siegfried Kratzer diskutieren im Paulaner-Gemeindehaus das Thema "Warum ich evangelisch bin - warum ich katholisch bin". Bild: exb
von Thomas Dobler Kontakt Profil

Amberg. (td) Es war nicht erst das Reformationsgedenkjahr, das die Konfessionen einander nähergebracht hat. Schon vorher gab es große Schritte aufeinander zu. Und doch wurden 2017 die Fragen besonders deutlich: Warum ist eine völlige Einigung zwischen beiden Kirchen (noch) nicht möglich - trotz der erheblichen Fortschritte in der Ökumene? Wird immer noch, trotz vieler wortreicher Beteuerungen, mehr auf die Unterschiede als auf die Gemeinsamkeiten geblickt?

Das zu erörtern, fanden sich im Paulaner-Gemeindehaus zu einer gemeinsamen Veranstaltung von Evangelischem Bildungswerk und Katholischer Erwachsenenbildung als Diskutanten Johann Ott (katholisch) und Siegfried Kratzer (evangelisch) ein. Sowohl der frühere Studiendirektor als auch der langjährige Seminarrektor bekannten sich dabei zur Ökumene, aber auch bewusst zu ihrer eigenen Konfession. Für beide war im Studium das Fach Theologie wichtig, beide beschäftigen sich noch heute intensiv mit Fragen der Ökumene, der evangelischen und katholischen Konfession. Unter der Moderation von Pfarrer Joachim von Kölichen legten sie im Kurzreferat und Gespräch ihre Positionen dar und beantworten Fragen des Moderators und der Zuschauer.

"Nicht nur eine Spur"

Ott zeigte sich überzeugt, "dass es in der Weltgeschichte nicht nur eine schmale Spur gibt, die von Gott stammt und in der Bibel ihren Ausdruck findet". Schon der Prozess der Religionswerdung und des Glaubens im Alten Testament und dann auch im Neuen Testament und in der fortgesetzten Tradition in der Kirche sei wesentlich eine Auseinandersetzung mit den religiösen und philosophischen Überzeugungen der Zeit.

Im Prozess der Wahrheitsfindung werde vieles integriert, manches verworfen. Ott dazu wörtlich: "Dass diese Wahrheitsfindung in der Gemeinschaft mit allen Gläubigen dem Bischof von Rom eine besondere sichtbare Rolle zuweist, trägt mich. Ich bin überzeugt, dass dieses unter dem Beistand des Heiligen Geistes geschieht." Die Kirche bleibe in der Wahrheit: "Das ist ihr zugesagt." Manchmal habe es freilich den Anschein, dass es eine Zeit dauert, "bis der Geist Gottes die Einflugschneise bei den Menschen findet".

Siegfried Kratzer betonte hingegen, "ich bin evangelisch, weil ich dankbar bin, dass Luther mit seinen Schriften von der Erlösung wieder hingeführt hat zum Kern des Evangeliums". Das habe ihn weggeführt von einem Glauben des "Für-wahr-Haltens" hin zu einem Glauben an die Liebe und an das Vertrauen.

Beispiel Hirblinger

Kratzer würde gerne manchen der Oberen in der katholischen Hierarchie fragen: "Wie kann man einen Eugen Drewermann, einen Stefan Hirblinger und andere, die als katholische Pfarrer zum evangelischen Abendmahl gegangen sind oder dazu aufgefordert haben, die einen Menschen lieben und ein Kind gezeugt haben, das sie auch lieben, aus ihrem Amt werfen?" Mit Luther in Worms möchte er entgegenhalten: Wo sei dafür die Grundlage im Evangelium?

In Israel kam Kratzer vor Jahren mit Ben Chorin zusammen. Der sagte: Der Glaube an Jesus trennt Juden und Christen; der Glaube so wie Jesus vereint. "Meine Erkenntnis daraus: Lieben, Glauben, Vertrauen, Leben, Denken, Handeln, Beten - so wie Jesus, das vereint nicht nur evangelisch und katholisch - das vereint alle Menschen." Und mit Bezug auf Papst Franziskus sagte Kratzer: "Wir haben so viele Probleme, deren Lösung wir nicht einfach anderen überlassen dürfen, sondern die wir gemeinsam anpacken müssen. Das vereint - auch Menschen mit unterschiedlichen Positionen - und das kann nur eine Bereicherung sein."

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