Wegen Forum-Abriss: Kündigung für Hutgeschäft
Zaremba muss den Hut nehmen

Trotz ihrer 71 Jahre hätte Maria Zaremba (links) ihr Hutgeschäft in der Ladenpassage im Storg-Innenhof gerne weitergeführt. Doch wegen des bevorstehenden Abrisses der Forum-Immobilie wurde ihr gekündigt. Dies bedauert auch Theresia Rupp, die ihre Schwester täglich unterstützte. Bild: Huber

Maria Zaremba sitzt in ihrer kleinen, schnuckeligen Werkstatt. Ihre Schwester Theresia Rupp trennt gerade die Krempe eines Hutes auf - einige Änderungswünsche von Kunden sind noch abzuarbeiten. Die Modistin tut dies voller Wehmut.

Modistin Maria Zaremba, die seit 1. Juli 1967 ihr Hutgeschäft in der kleinen Laden-Passage im Storg-Innenhof hatte, muss zum 30. Juni aufhören. Ihr wurde gekündigt, da ja bekanntlich das Forum-Areal komplett neu überplant wird. Maria Zaremba sitzt am Tisch und lächelt sanft, aber auch wehmütig. Die Kündigung kam nicht aus heiterem Himmel, trotzdem hat es sie sehr getroffen.

Denn eigentlich hätte sie gerne weitergemacht, trotz ihrer inzwischen 71 Jahre. "Ich muss schon sagen, Herr Brandelik ist ein feiner Mensch", sagt sie über den Geschäftsführer der Gewerbebau Amberg, die jetzt Eigentümerin des Areals ist. Er habe versucht, ihr einen anderen Laden zu suchen. Maria Zaremba schüttelt den Kopf: "Da war überall die Miete zu teuer." Der Laden, den sie bislang betrieb, gehörte früher Marianne Blaschka. Bei ihr hatte sie einst ihre Lehre begonnen.

Eigentlich, so erzählt die Inhaberin, wollte sie Krankenschwester werden. Mit einer Schulfreundin ging sie damals ins Josefshaus, wo verschiedene Betriebe ihre Berufe vorstellten. Eine Hutmacherin führte vor, wie Kopfbedeckungen angefertigt werden. Fasziniert blieb Maria Zaremba stehen. Und fasste in diesem Moment den Entschluss: "Ich werde Hutmacherin." Das sei damals ein beliebter Beruf gewesen, Marianne Blaschka hatte 1961 drei Lehrlinge, erinnert sich Maria Zaremba, die inzwischen selbst 21 junge Menschen ausgebildet hat, darunter drei Meisterinnen.

"Bleibt's mir gesund"

Nach der Lehre war sie drei Jahre Gehilfin und machte mit 21 Jahren ihre Meisterprüfung. Da sie noch keine 24 war, brauchte sie dafür eine Ausnahmegenehmigung. Eine Stammkundin schaut im Geschäft vorbei, will sich verabschieden. Maria Zaremba geht von der Werkstatt in den Laden. "Bleibt's mir gesund", sagt die Frau zur Inhaberin und ihrer Schwester. "Vielleicht könnt's ja daheim ein bisschen nadeln", wünscht die Kundin den Damen. Am 1. Juli 1967 übernahm Maria Zaremba das Geschäft ihrer früheren Lehrherrin. Unendlich viele Hüte hat sie seitdem in unzähligen Stunden Handarbeit angefertigt. Ebenso zahllose neue Modelle selbst entworfen. Sie freute sich, als ein früherer Hutmacher, der sein Geschäft aufgegeben hatte, ihr seine alten Holzformen schenkte. "Damals gab es zehn Hutgeschäfte und zwei Hutfabriken in Amberg", erinnert sie sich an frühere Zeiten.

In der Werkstatt stapeln sich auf dem Schrank Pappkartons. "Helle Futter" steht auf einem. "Dunkle Futter" auf einem anderen. Theresia Rupp trennt die Krempe eines Hutes auf. Sie hilft seit vielen Jahren, ein bisschen ist es auch ihr Geschäft. "Wir hätten weitergemacht", sagt auch sie. Am 1. April hatten die Damen erfahren, dass sie zum 30. Juni raus müssen. Abgezeichnet habe es sich aber schon viel früher, die Kündigung kam nicht aus heiterem Himmel. Viele Kunden kommen zum Abschiedsbesuch. Oder um noch was abzuholen, was sie umändern ließen. Der Auftrag für die Stoapfälzer ist noch abzuarbeiten. Der Heimat- und Volkstrachtenverein ließ Hüte auffrischen, aufbügeln und reinigen.

Hut immer in Mode

Hut zu tragen, sei nach wie vor in Mode, erklären die beiden Frauen. "Vor allem ältere Herrschaften tragen gerne Hut", weiß Maria Zaremba. "Aber auch wieder Jüngere", wirft ihre Schwester ein. Bei denen seien die Glocken beliebt, also die Topfhütchen, die auch Audrey Hepburn häufig aufhatte. Seit 1. Juni läuft im Storg-Innenhof der Räumungsverkauf. "Wir hätten weitergemacht", betont Theresia Rupp ein ums andere Mal. Sie kann der Situation trotzdem etwas Positives abgewinnen. "Du hast dir deinen Ruhestand aber verdient", sagt sie zu ihrer Schwester.

Maria Zaremba lächelt sanft und nickt. Einerseits ist sie traurig, andererseits freut sie sich auf die Zeit, die sie jetzt für sich hat. "Ich kann mal was anderes machen", sagt sie. Auf jeden Fall möchte sie heuer den Christkindlmarkt in Nürnberg besuchen. "Da war ich erst einmal in meinem Leben", gesteht sie. "Es war eine schöne Zeit", bilanziert sie zufrieden ihr Lebenswerk.
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