Wenige Tage vor dem Gründungsjubiläum
Das letzte Schaschlik ist verkauft

Auf einen Ratsch, ein Schaschlik oder eine Currywurst. Meier's Imbiss war eine Institution und stolz auf die über Jahrzehnte treue Stammkundschaft. Nun muss es mit einem Imbisswagen weiter gehen. Anderorts, womöglich in der näheren Umgebung. Der ursprüngliche Kiosk-Bau wird abgerissen, zum 1. Juli ist der Pachtvertrag gekündigt worden. Bilder: Steinbacher (3)
 
"Und drei zum Mitnehmen", für die Kollegen oder für Zuhause. Kornelia Leithäuser trauert jetzt schon ihrer Zeit auf nur 15 Quadratmetern nach.

Das mit Apostroph hochgestellte "s" war damals revolutionär. Meier's Imbiss eröffnete am 12. Juli 1972 und wurde zur regionalen Berühmtheit. Wegen eines Fleischspießes in seiner urdeutschen Version. Ein Zufall, der das Zeug zur Legende hat.

Die letzte, an den Rundungen muschelförmig geriffelte Pappschale mit dem legendären Schaschlik, einer Curry- oder Bratwurst samt Soße reichte Kornelia Leithäuser am frühen Freitagabend durch das zur Regensburger Straße hin gewandte Verkaufsfenster. Bald danach schloss sie den Kiosk wie so viele, viele Male schon kurz nach 18 Uhr ab. Öffnen wird sie nicht mehr. Nur zwölf Kalendertage trennen den Imbiss in diesem Augenblick von seinem 45-jährigen Bestehen. Dieses Betriebsjubiläum war dem weithin bekannten Stopp auf eine schnelle, schmack- und herzhafte Mahlzeit nicht mehr vergönnt.

Zum 1. Juli wurde der Pachtvertrag gekündigt. Ursprünglich hätte schon zum 1. April Schluss sein sollen. Doch dann gab es vom Eigentümer Gewerbebau noch einen dreimonatigen Aufschub. Das kleine Gebäude muss Ambergs großer Parkdeck-Zukunft an der Marienstraße weichen. "Das fällt schon schwer", schnaufte Leithäuser wehmütig tief durch. Standesgemäß bei einem kurzen, aromatischen Morgenkaffee im Stehen. "Aus der guten, alten Kaffeemaschine." Die jetzige Betreiberin ist die Nichte und Nachfolgerin von Georg Meier (79), dem Namensgeber dieser weithin bekannten kulinarischen Haltestelle für einen würzigen Happen zwischendurch.

34 Jahre war der Mann - übrigens ein gelernter Frisör - alt, als er seinem Leben eine tiefgreifende Wende gab. Von der beruflichen Selbstständigkeit träumte er damals schon länger. "Weil ich nicht ständig einen Kapo um mich 'rum haben wollte." Der Meier Schorsch, so kennen ihn alle in seiner Heimatstadt Schwandorf, arbeitete damals als Lkw-Fahrer und kam oft an der Stelle vorbei, die ab 12. Juli 1972 fast 45 Jahre lang sein Leben bestimmen sollte. Und es immer noch tut. "Wahrscheinlich würde ich heute noch ein paar Stunden drin stehen", schwingt hörbar Melancholie mit, wenn der 79-jährige Ruheständler aus seinem Leben als Imbiss-Betreiber erzählt.

Nur 15 Quadratmeter

Doch am 30. September 2015 war für ihn endgültig Schluss. Aus Rücksicht auf die angeknackste Gesundheit der Ehefrau Anna. Auch sie verbrachte Jahrzehnte ihres Arbeitslebens zusammen mit ihrem Mann auf den gerade einmal 15 Quadratmetern in der Regensburger Straße 11. Obwohl sie am Anfang gar nicht wissen durfte, dass der Schorsch schon einen Pachtvertrag unterschrieben hatte. Für einen klassischen, in den 30er- Jahren entstandenen Kiosk der damals bekannten Amberger Einzelhandels-Familie Hirsch.

Irgendwann fiel Meier bei einer seiner Lkw-Touren auf, dass der Kiosk geschlossen worden war. Da habe er die Chance gewittert, sein Erwerbsleben endlich auf selbstständige Beine zu stellen. Ein Imbiss sei ihm dabei anfangs gar nicht durch den Kopf gegangen. Eher ein Kiosk mit einem etwas erweiterten Sortiment, darunter auch Wurstsemmeln. Die ersten wirklich verkauften und später ruhmreichen Schaschlik seien ein kompletter Zufall gewesen.

Glücklicher Zufall

"Die hab' ich nämlich für mich selbst als warme Brotzeit gemacht." Vorbeikommende Bauarbeiter hätten aber nachgefragt, was da denn so gut rieche. "Und denen hab' dann schnell meine Schaschlik verkauft." So klingen Wirtschaftswunder-Geschichten, wenn auch diese Zeit damals schon lange vorbei war. Für den Meier Schorsch fing sie aber erst richtig an. Damit sei die Geschäftsidee, die fast 45 Jahre lang erfolgreich gehalten habe, geboren gewesen. Die Schaschlik und besonders die Soße hätten natürlich noch verbessert werden müssen. Das passierte dann nach und nach, "obwohl ich ja kein Koch war".

Die Stammkundschaft

Daraus wurden dann die legendären Schaschlik, für die Stammkundschaft, die sogar kilometerlange Anfahrtswege in Kauf nahm. Kaum ein Schwandorfer kam an Meier's Imbiss vorbei, ohne beim Schorsch vorbeigeschaut zu haben. Vielen und immer mehr Ambergern ging es mit den Jahren ebenso und noch heute ist Georg Meier stolz auf seinen Kundenstamm, den er seiner Nichte als Nachfolgerin mit auf den Weg in deren Zukunft geben konnte.

So ganz nebenbei wurde der 79-jährige Schwandorfer - der übrigens mit allen nötigen nationalen und internationalen Lizenzen als Box-Ring- und -Kampfrichter weltweit unterwegs war - zu einem unfreiwilligen Stadtchronisten. Viel, sehr viel hat sich um seinen Kiosk und die vier dazugehörigen Parkplätze herum verändert. Doch als er ihn einmal kaufen wollte, "hat mir die Stadt schon vor 25 Jahren gesagt, dass er wegen dem geplanten Ausbau der Regensburger Straße bald abgerissen wird". Dieses "Bald" ist jetzt gekommen.

BerufsgeheimnisAus Georg Meiers Berufs- ist ein Familiengeheimnis geworden. Auch seine Nachfolgerin und Nichte Kornelia Leithäuser weiß, weshalb die legendären Schaschlik dieses Imbiss' so zart, butterweich und saftig sind, und die unverzichtbare Soße gut pikant, aber nicht zu scharf ist. Verraten tun sie es natürlich nicht.

Nur so viel: Tipptopp sauber muss alles sein. Ausschließlich frische, keine Tiefkühlware. Das gilt besonders für das Fleisch und die Würste. Zubereitung nicht in der Friteuse - deshalb gab es auch keine Pommes, nur Semmeln -, sondern Bratpfanne mit täglich neuem Pflanzenöl. Das Fleisch nicht salzen, keine Prise. Nicht zu viel vorproduzieren, damit die Ware nicht zu lange warm oder heiß gehalten werden muss.

Zu der Zusammenstellung der Soße geht Meier kein Wort über die Lippen, dafür aber eine Anekdote. Selbst Kraft-Ketchup habe sich für sein Rezept und die Gewürzmischung interessiert. Doch er sei eisern geblieben. (zm)
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Jürgen Eichenseer aus Amberg in der Oberpfalz | 02.07.2017 | 11:34  
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