20.04.2018 - 09:02 Uhr
Oberpfalz

Wenn statt Pflanzen nur noch Steine "blühen" Schotter vor der Hütte

Der Frühling kommt und die Bienen gehen wieder auf Honigsuche. In einigen Gärten werden sie nicht mehr fündig. Statt bunter Blüten finden die Insekten nur noch Schotter vor. 

Eines der Bilder, die auf der Facebook-Seite "Gärten des Grauens" für Furore sorgen: Ein Beispiel eines Schottergartens aus Sachsen-Anhalt. Bild: Schneider/Facebook
von Uli Piehler Kontakt Profil

 "In unseren einst bunten und blühenden Gärten macht sich Kies und Schotter breit", hat die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege, Michaela Basler, festgestellt. Damit verstärke sich eine ökologische Gefahr, "denn in vielen Bereichen ist bereits ein Schwund der Artenvielfalt zu verzeichnen".

Von weißem Marmorkies über extra-schwarzen Basaltbrocken bis zum Dolomiten-Kalk: Diverse Baumärkte werben Kies und Schotter im Garten, weil dieser "optische Akzente" setze und dem Grundstücksbesitzer aufwändige Gartenarbeit erspare. "Dabei sind diese monotonen Steinflächen nur scheinbar pflegeleicht, denn die Natur erobert sich die Fläche nach und nach zurück", betont Basler. Organisches Material sammle sich zwischen den Steinen, verrotte und bilde eine Humusschicht - anfliegende Samen von Wildkräutern fänden hier schnell durchaus gute Keimbedingungen. "Und im Boden vorhandene Wurzelunkräuter suchen sich ohnehin ihren Weg durch den Schotter."

Spritzen streng verboten

Natürlich kommt es vor, dass Gartenbesitzer dann reagieren und Spritzmittel ausbringen. "Ein Einsatz von Herbiziden ist auf diesen Flächen aber verboten", betont die Fachberaterin. Wer beim Spritzen erwischt wird, müsse mit einem hohen Bußgeld rechnen. "Und die thermische Bekämpfung der Wildkräuter funktioniert meist nicht - regelmäßiges Jäten ist also notwendig. Wo bleibt also die versprochene Pflegeleichtigkeit"?

Daneben zählt Basler noch eine Reihe weiterer negativer Aspekte der Schotterbeete auf. Die Steinflächen reflektieren Wärme, das wirke sich mitunter negativ auf das Kleinklima rund ums Haus aus. Wofür der Garten in der Regel gut ist, werde durch die Verschotterung ins Gegenteil verkehrt: Der Garten binde weniger Staub und dämme weniger Lärm. Die Artenvielfalt in Flora und Fauna nehme ab und das Bodenleben verarme. Außerdem sei der oft sehr hohe Energieaufwand durch den Abbau und den Transport der Steine zu berücksichtigen.

Natürlich sind die Geschmäcker verschieden. Das wird mitunter auch in den Diskussionsforen im Internet deutlich. "Gärten des Grauens" nennt sich eine Facebook-Seite, die besonders augenfällige Beispiele von Schottergärten anprangert und mittlerweile mehr als 10 000 Fans hat. In den Kommentarspalten melden sich mitunter auch Verfechter des Steine-Trends zu Wort. Sie haben hier aber einen schlechten Stand.

Mehr als Geschmacksfrage

"Dass sich viele Gärten in regelrechte Steinwüsten verwandeln, ist uns auch aufgefallen", sagt die Pressereferentin des Bund Naturschutz (BN), Luise Frank. Sie verweist auf eine pfiffige Idee der Kreisgruppe Landshut, bei der sich Heinrich Inkoferer und Lisa Voit engagieren. Die beiden hat dieses Thema so umgetrieben, dass sie in ganz Bayern Positiv- und Negativbeispiele fotografiert und mit den Bildern eine Ausstellung gestaltet haben. Die Schau trägt den Namen "Tatort Garten - Ödnis oder Oase" und tourt mittlerweile durch den ganzen Freistaat. Im Sommer vergangenen Jahres war sie bereits in Amberg zu sehen. "Das Leben hat es schwer in Steinwüsten, in denen vielleicht sogar die chemische Keule regiert. Welcher Igel möchte da einen Käfer suchen, welches Glühwürmchen nachts als Leuchtpunkt umherschweben?", heißt es im bebilderten Faltblatt dazu.

"Für mich ist das mehr als nur eine Geschmacksfrage", sagt Lisa Voit. Schließlich gehe es um konkrete Auswirkungen auf die Natur. Sie kritisiert vor allem die Gartengestaltung nach rein technischen Gesichtspunkten. "Dieser Trend wurde auch durch die Architektur geprägt." Derzeit gelte beim Bauen eine extrem reduzierte Formensprache als modern. "Das Design wird dann durchgezogen, auch im Garten. Und dabei lassen die Architekten oder Gartengestalter außer Acht, dass ein Garten eben in erster Linie ein Ort des Lebens ist." Derzeit ist die Foto-Schau in Oberbayern unterwegs. In Dachau gastiert sie im Mai. Bis Juli 2019 ist die Ausstellung ausgebucht.

Tipps für den Garten

Wie können die Schlagworte Pflegeleichtigkeit und Artenvielfalt zusammen funktionieren? "Das ist möglich", zeigt sich Garten-Fachberaterin Michaela Basler vom Landratsamt Amberg-Sulzbach überzeugt. Bei einer Pflanzung, die dauerhaft funktionieren soll, müssen ihrer Ansicht nach wichtige Grundlagen beachtet werden:

Sorgfältig planen

Bunte Beete und Gärten sind kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer sorgfältigen Planung. "Wir neigen dazu, gerade schön blühende Pflanzen zu kaufen und an einen zufällig freien Platz im Garten zu pflanzen. Häufig entwickeln sich die Pflanzen aber leider dann nicht so wie sie sollten."

Standort beachten

Die verwendeten Pflanzen müssen in ihren Ansprüchen mit dem vorhandenen Standort und Boden übereinstimmen. Stimmen die Gegebenheiten nicht mit den Standortansprüchen der Pflanzen überein, kümmern sie vor sich hin und verschwinden im schlimmsten Fall komplett.

Robust ist pflegeleicht

"Bei der Pflanzenauswahl auf dauerhafte und robuste Pflanzen zurückgreifen - umso pflegeleichter wird der Garten", betont Basler. Dabei sollte unbedingt auf Vielfalt hinsichtlich Blütezeiten und -farben sowie Wuchshöhen oder Laubformen geachtet werden.

Unkraut entfernen

Weiterer Tipp: Vor der Bepflanzung unbedingt vorhandene Unkräuter komplett entfernen und auch weiterhin regelmäßig Jäten.

Natur als Selbstläufer

Für wichtig erachtet die Expertin auch folgenden Grundsatz: Je naturnäher die Gestaltung der Gartenfläche ausfällt und umso mehr sich die Natur den Garten selbst erobern kann, umso weniger Unterstützung verlangt er von seinen Besitzern.

Michaela Basler und Arthur Wiesmet von der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege haben ihr Büro im Landratsamt (Schlossgraben 3, Amberg). Telefon: 09621/39-239 oder 39-240, E-Mail: gartenbau[at]amberg-sulzbach[dot]de

Die thermische Bekämpfung der Wildkräuter funktioniert meist nicht - regelmäßiges Jäten ist also notwendig. Wo bleibt also die versprochene Pflegeleichtigkeit?Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege, Michaela Basler
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