07.02.2018 - 17:02 Uhr

Wer schlägt wen? Gericht stellt Verfahren ein Viel Whisky und zwei Knüppel

In einer Kiste verpackt lagen zwei armstarke Äste. Sie waren von der Amberger Polizei sichergestellt worden, als es zu einer Auseinandersetzung zwischen Männern aus Afrika kam. Wer aber schlug wen mit den Knüppeln? Schwierig bis gar nicht zu klären.

Symbolbild: Daniel Reinhardt/dpa
von Autor HWOProfil

Die beiden 20-Jährigen auf der Anklagebank, aus Asylbwerberunterkünften in Nittenau und Auerbach nach Amberg angereist, mochten sich an nichts erinnern. Die Afrikaner führten eineinhalb Flaschen getrunkenen Whisky ins Feld und ließen durch Dolmetscher übersetzen, dass diese größere Menge Schnaps ihre Sinne vernebelt habe. Kein Erinnerungsvermögen also.

Zwei Landsleute der Asylsuchenden erschienen als Zeugen. Offenbar waren sie die Geschädigten, als es im Stadtgebiet zur tätlichen Auseinandersetzung kam. Als man sie belehrte, wahrheitsgemäß auszusagen, folgte eine Überraschung: Die Männer verstanden plötzlich ihre Landessprache nicht mehr und beriefen sich auf einen Dialekt, der in ihrer Heimat üblich sei. Ein offenbar sehr seltener Dialekt, der den Jugendrichter Peter Jung dazu zwang, bei einem Dolmetscherbüro anzurufen und nachzufragen, ob es denn Leute gäbe, die diese Sprache beherrschen. Noch bevor aber die Entscheidung fiel, einen solchen Sprachkundigen von irgendwo her aus anzufordern, wurde das Verfahren eingestellt. "Wir werden die Umstände wegen der Alkoholisierung wohl nicht klären können", befand der Richter.

Interessant ist in diesem Zusammenhang: Zunehmend berufen sich bei den Gerichten in Amberg und Schwandorf sowohl asylsuchende Angeklagte als auch Zeugen auf Dialekte. Dazu müssen Dolmetscher gefunden werden, von denen es oft im Bundesgebiet nur sehr wenige gibt.

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