21.12.2017 - 11:32 Uhr
Oberpfalz

Wer sich im VW-Abgasskandal gerichtlich wehren will, hat nur bis 31. Dezember Zeit: Diesel stinkt noch immer gewaltig

Der Dieselskandal von VW stinkt vielen Betroffenen immer noch gewaltig. Allein ärgern hilft nichts, zumal Ende des Jahres die von Volkswagen gesetzte Verjährungsfrist abläuft. Wer gerichtlich aktiv werden will, sollte es jetzt tun - begibt sich jedoch mit bisher unterschiedlichen Urteilen in Gottes Hand. Denn gegen weitreichendere Forderungen als die angebotene Umrüstung, größtenteils nur per Software-Update, wehrt sich der Konzern.

Wer das Dieselskandal-Kapitel nicht zumachen und sich gerichtlich wehren will, sollte das bis Ende des Jahres tun, weil VW danach Ansprüche für verjährt hält. Bild: Steinbacher
von Thomas Amann Kontakt Profil

Eine umfassende Garantie zu möglichen Folgen dieser Eingriffe, Schadenersatz oder gar die Rücknahme von Autos mit manipulierter Software schließt er praktisch aus und fährt deutschen Kunden gegenüber ein Schmalspurprogramm. So beurteilt das auch die Verbraucherzentrale, die vor dem Verlust der Gewährleistungsrechte nach 31. Dezember 2017 warnt: Nacherfüllung, Minderung, Schadenersatz und Rücktritt vom Vertrag gehen dann nicht mehr. "Was davon Betroffene aber verlangen können, ist noch gar nicht klar. Mehrere mit der Sache befasste Gerichte haben bisher unterschiedlich entschieden", informierte Tatjana Halm, Referatsleiterin Markt und Recht bei der Verbraucherzentrale Bayern, auf Anfrage der AZ. Ihr Bundesverband wirft dem Konzern darum ein "Spiel auf Zeit" vor und fordert eine Verlängerung der Gewährleistungsfrist durch VW für betroffene Fahrzeuge bis Ende 2021.

Knackpunkte sind aus seiner Sicht allerdings: VW hat keine Garantieerklärung zu Nachteilen bei Motorleistung und Kraftstoffverbrauch, bei Lebensdauer und zukünftigem Wartungsbedarf nach der Umrüstung abgegeben. Das Dilemma laut Halm für Betroffene: Wollen Sie vermeiden, dass das Kraftfahrt-Bundesamt in Zukunft möglicherweise den Betrieb des Autos untersagt, müssten sie ihr Fahrzeug umrüsten lassen. Um ihre Ansprüche auf Gewährleistung zu sichern, sollten sich Kunden vor dem Umrüsten vom Autohändler schriftlich bestätigen lassen, dass er sich die Umrüstungsarbeiten durch VW zurechnen lässt. Dazu bietet die Verbraucherzentrale Musterbriefe an. Außerdem rät sie, die Kfz-Händler aufzufordern, auf die sogenannte Einrede der Verjährung mindestens bis zum Ablauf des zweiten Monats nach Abschluss der Rückrufaktion durch VW, bestenfalls aber sogar bis Ende 2021 zu verzichten. Auch dafür gibt es bei den Verbaucherschützern Musterbriefe.

Treten nach dem Umrüsten neue Mängel am Auto auf, wie beispielsweise Nachteile bei Motorleistung und Kraftstoffverbrauch, kann sich auch darin ein Anspruch auf Gewährleistung oder Schadenersatz begründen, erläutert Tatjana Halm. Allerdings müssten Kunden dazu den technischen Stand des Kfz vor dem Umrüsten beweisen können, also im Zweifel im Vorfeld Beweise sichern.

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