Wie ein Amberger seine Schüchternheit überwunden hat
Ein Niemand wird Youtube-Star

Manuel Staudte alias "Darkey" im violetten Drachen-Kostüm beim Stagediving auf dem "Rock im Park" 2017. (Foto: Manuel Staudte)
 
Staudte traut sich 2016 im Pikachu-Kostüm auf "Rock im Park". (Foto: Manuel Staudte)

Manuel Staudte ist einer der erfolgreichsten Bayerischen Youtuber. Der 25-jährige Amberger schafft es in die Bild-Zeitung, bekommt an einem Tag 10 000 neue Abonnenten und überwindet in Ganzkörper-Kostümen seine Schüchternheit.

 „Ich heiße Manuel, bin 11 Jahre alt und möchte später mal Tierärztin werden.“ So stellt sich der Werkzeugmechaniker auf seinem Youtube-Kanal vor. Das kindische Gehabe ist Programm. Seit zehn Jahren macht Manuel Staudte Videos und erreicht damit inzwischen Millionen von Zuschauern.

Dabei hat sich der gebürtige Sulzbach-Rosenberger früher fast nichts zugetraut: „Vor Youtube war ich vor allem in der Schule in Ursensollen sehr schüchtern“, erinnert er sich. Als Staudte im Jahr 2008 anfängt, ist er ein Niemand. Und so lautet auch sein Spitzname: „Nobody“. Er hat keine Erfahrung, keine Fans und keine Abonnenten. Er dreht nicht einmal eigene Videos. Seine ersten Clips sind Zusammenschnitte von Pannen-Filmen. Darin macht er sich über die Tollpatschigkeit anderer lustig, zeigt weder sein Gesicht, noch ist seine Stimme zu hören.

Doch er hat bereits Erfolg: Eines von Staudtes Pannen-Videos, die „Fail-Compilation 2009“, wird über eine Million Mal aufgerufen. Dann nimmt die frühe Karriere von „Nobody“ ein schnelles Ende: Youtube löscht die Videos und sperrt seinen Kanal wegen wiederholter Urheberrechtsverstöße. Für Staudte ist Youtube erst mal gestorben.

Beim Spielen gefilmt

Zwei Jahre später wagt er sich zurück und beginnt, seine Computerspiel-Abenteuer mitzufilmen. Bei seinem neuen Projekt traut er sich, seine Stimme aufzunehmen. Langsam findet Staudte den Mut, auch sein Gesicht auf Youtube zu zeigen: „Beim ersten Mal hatte ich ein mulmiges Gefühl, aber das ging eigentlich und war ok. Gerade wenn man Kommentare liest von Leuten, die das cool finden, was man macht. Das muntert einen natürlich auch auf und motiviert.“

Dann kommt der Durchbruch. 50 international bekannte Youtuber verabreden sich 2014 zu einem Gaming-Event: Gemeinsam betreten sie die Welt des Spiels „Minecraft“ zum wochenlangen virtuellen Kampf auf Leben und Tod. Staudte beobachtet das Event und erkennt schnell ein Problem: Es gibt zwar 50 einzelne Videos der Spieler, aber keinen, der zusammenfasst, was an den Spieltagen passiert. Staudte, der auf Youtube jetzt „Darkey“ heißt, spannt seine Freunde ein. Jeder schaut sich einen Teil der Videos an. „Darkey“ sammelt die Infos und fasst die Ereignisse in der virtuellen Todesarena in seinen täglichen News zusammen.



„Der erste Tag war total unprofessionell. Ich hab gedacht, ich mach das für meine 5000 Abonnenten, aber am vierten Tag haben das Leute promoted.“ Plötzlich bekommt er an einem Tag 10.000 neue Abonnenten. „Am Ende war der News-Kanal bei 100.000 Abonnenten.“ „Darkey“ begleitet das Gaming-Event fortan jedes Jahr, nutzt seine Erfahrung, seine Kontakte und zeigt natürlich sein Gesicht. „In dieser Zeit hätte ich von Youtube leben können“, sagt der Amberger. Doch die Events dauern nur einige Wochen. Staudte verdient in dieser Zeit zu wenig, um sich bis zum nächsten Jahr über Wasser zu halten.

Pikachu auf "Rock im Park"

Schließlich treibt er die Überwindung seiner Schüchternheit auf die Spitze: „Ich wollte dagegen angehen. Das hat mich auch an meiner Persönlichkeit genervt“, sagt der 25-Jährige. Er kauft sich für das Musikfestival „Rock im Park“ 2016 ein Ganzkörper-Pikachu-Kostüm: „Mit so einem Kostüm hat man auf einem Festival schon mehr Spaß. Du hast einfach viel mehr Kontakt mit den Leuten.“



Doch das ist noch nicht alles: Gemeinsam mit seinem Freund Tim Heldt alias „KuchenTV“ (640.000 Abonnenten) aus Braunschweig besucht „Darkey“ wahlweise im Einhorn- oder Pikachu-Kostüm den Ikea oder das Amberger Kaufland.



Einmal schaffen es „KuchenTV“ und „Darkey“ sogar in die Bild-Zeitung. Als sie sich nämlich auf die Videodays in Köln schleichen und den Auftritt des bekannten Youtubers „KSFreak“ (1,7 Millionen Abonnenten) stören. Als Einhörner verkleidet tanzen sie auf der Bühne um den Rapper herum. Der beschimpft sie über sein Micro und entlarvt so seine Playback-Show vor Tausenden von Zuschauern. „Skandal-Auftritt bei den Videodays“ titelt Bild. Für die darauf folgende Schlammschlacht, die die drei mithilfe diffamierender Youtube-Videos austragen, interessieren sich Millionen junger Fans.



Mehrmals schleicht sich "Darkey" mit seinem Freund "KuchenTV" auf Veranstaltungen, zu denen er nicht eingeladen ist. Einmal wird er auch wegen Hausfriedensbruch angezeigt. „Wir haben nicht vor, noch viel weiter zu gehen“, sagt der Youtuber. Inzwischen nennt er sich im Netz "einfach Manuel". Staudte hat es nicht nötig, sich noch mehr Selbstvertrauen zu holen. Seit den Kostüm-Auftritten in der Öffentlichkeit sei es für ihn nicht mehr so schwierig, mit dem Schüchternsein: "Das hat mir, glaub ich, ziemlich geholfen, weniger Angst vor Menschen zu haben."

Der Weg zum Youtube-StarManuel Staudte hat es bei Youtube auf über 100.000 Abonnenten gebracht. Doch bis man von seinen Videos auf der Plattform leben kann, ist es ein weiter Weg.
  • Wer kann auf Youtube Videos hochladen? Um auf der Seite ein Video hochzuladen, genügt ein Youtube-Konto. Das kann jeder mit Computer und Internetzugang anlegen.
  • Wie verdient man damit Geld? Erreichen die Videos eine bestimmte Klickzahl, können die Nutzer dort Werbung schalten, um Geld zu verdienen. Eine weitere Möglichkeit ist, gegen Geld Produkte wie Cremes, Make-up oder auch technisches Zubehör vorzustellen.
  • Kann man von Youtube leben? Bis auf wenige Ausnahmen ist das bisher in Deutschland keinem gelungen. Mit die erfolgreichsten Youtuber sind „Gronkh“, alias Erik Range (rund 4,7 Millionen Abonnenten), der sich, wie viele andere, beim Computerspielen filmt und der Kanal „Bibis Beauty Palace“ (4,8 Millionen Abonnenten). Dort gibt Bianca Heinicke Schönheitstipps und vermarktet nebenbei Kosmetikartikel. (dko)

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