11.05.2018 - 19:26 Uhr
Oberpfalz

Wind am Südhang wird rauer [Aktualisierung] Notfalls auch gegen die Stadt

Wird hier der Fernblick über die Stadt nachhaltig zerstört - oder macht lediglich eine renitente Nachbarin Ärger? Am Südhang ist die Welt nicht mehr heil.

Um dieses Gebäude, das sich hinter Büschen versteckt, dreht sich alles am Südhang. Eine Nachbarin will verhindern, dass das Haus aufgestockt werden darf. Einer der Eigentümer versichert, es werde nicht einmal so hoch wie der Kamin in der Bildmitte. Bild: Andreas Ascherl
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Es ist ein großes Haus dort oben am Südhang. Gebaut hat es in den 60er Jahren der Vater von Karl Lindner, die drei Wohneinheiten gingen nach dessen Tod an die Kinder. Nun will einer der Lindner-Brüder, der außerhalb wohnt, nach Amberg zurückziehen. Der Plan: Renovierung des Anwesens plus Ausbau des Dachgeschosses. "Wir hätten das Dach ohnehin sanieren müssen", sagt Karl Lindner.

Dieser Plan stößt auf die vehemente Ablehnung einer Nachbarin. Sie argumentiert, durch die Maßnahme werde der etwa 30 Meter lange Bau um rund zwei Meter höher, der herrliche Fernblick über die Stadt hinweg in Richtung Bayerischer Wald nachhaltig zerstört. Unermüdlich sammelt sie Unterschriften gegen das Vorhaben und hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Am vergangenen Mittwoch beschäftigte sich auch der Bauausschuss - im nichtöffentlichen Teil - mit der Angelegenheit.

Karl Lindner steht oberhalb des Südhangs am dortigen Aussichtspunkt und versteht die ganze Aufregung nicht. Und er sieht seine Familie im Recht: Der geänderte Bebauungsplan von 1981 lasse eine Anhebung des Daches um 1,60 Meter zu, so argumentiert er. "Aber wir sind sogar bereit, durch eine aufwendige, bauliche Umgestaltung des Dachstuhls auf nur 1,20 Meter zu gehen." Die Nachbarin hält dagegen, werde am Lindner-Gebäude erst einmal das Exempel statuiert, wachse nach und nach die Dachlandschaft am Südhang in die Höhe.

"Die Bäume, die ich vor einiger Zeit weggeschnitten habe, haben mehr von der Sicht genommen, als es das Gebäude je tun wird", sagt Karl Lindner. Eine Tanne und zwei Birken seien das gewesen. "An sich müsste ich noch ein paar von den Bäumen absägen", sagt Lindner. Trotzdem wurmt ihn der Streit mit der Nachbarin, wie er immer wieder sagt. Rund ein Dreivierteljahr habe die beauftragte Architektin geplant, bis endlich alles dem geltenden Bebauungsplan entsprochen habe - und jetzt das.

Das genügt der Anwohnerin allerdings nicht. Sie verweist auf den Grünordnungsplan, der dem Bebauungsplan angehängt worden sei. Darin stehe unmissverständlich, der Fernblick über die Stadt dürfe nicht beeinträchtigt werden. Und das gelte nicht nur für Bäume und Sträucher sondern auch für die Häuser in der Siedlung. "Welcher Fernblick wird hier beeinträchtigt", fragt Karl Lindner und rechnet vor, dass der Kamin des elterlichen Anwesens da unterhalb schon rund 1,40 Meter über das Dach rage. Die Aufstockung des Gebäudes falle ja noch nicht einmal so hoch aus.

Notfalls vor Gericht

Während die Nachbarin weiter Unterschriften sammelt, scheint die Politik ratlos. Aus der CSU-Fraktion sei ihm schon bedeutet worden, man werde den Bauantrag dann eben ablehnen - obwohl er den Vorschriften entspreche, sagt Lindner. "Die Stadt kann das tun, dann legen wir bei der Regierung der Oberpfalz Widerspruch dagegen ein", schildert Karl Lindner das weitere Vorgehen der Familie. Und notfalls werde das Recht eben vor einem Gericht erklagt.

Nachträglich auf öffentliche Tagesordnung

Das Thema der Dachaufstockung wird jetzt am Montag doch öffentlich im Stadtrat beraten. Das teilte die städtische Pressestelle am Freitagnachmittag mit. Demnach legt das Baureferat einen Aufstellungsbeschluss über den Bebauungsplan "Am Südhang Hausnummer 6, 8, 10" vor. Laut OB Michael Cerny stellten die Mitglieder des Bauausschusses fest, "dass die nichtöffentliche Vorberatung im Ausschuss richtig und inhaltlich hilfreich war". Gleichzeitig hätten sie der Verwaltung empfohlen, zu prüfen, "ob der Blick auf die Stadt und in die freie Landschaft durch die Aufstellung eines Bebauungsplanes dauerhaft gesichert werden kann". Das Ergebnis wird am Montag vorgestellt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.