Wirbel um Hygiene-Studie
Klinikum bessert nach

"Das veröffentlichte Datenmaterial aus dem Jahr 2014 gibt nicht den aktuellsten Stand unserer internen Strukturen für die Krankenhaushygiene wieder." Zitat: Klinikumsvorstand Manfred Wendl

Eine Erhebung zur Hygiene an deutschen Kliniken beschäftigt seit Mittwoch die Medien. Vorbildlich agierende Krankenhäuser sind in der Übersicht grün markiert, nachlässige rot. Amberg kommt dabei nicht gut weg - allerdings nicht mehr lange.

Das Recherchenetzwerk Correctiv und das ARD-Magazin Plusminus haben die Qualitätsberichte von 2059 Krankenhäusern in Deutschland ausgewertet. Fazit: Mehr als jede vierte Klink habe 2014 die Hygieneempfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) nicht erfüllt - darunter auch das Klinikum St. Marien. "Schlampige Hygiene im Krankenhaus führt zu mehr Toten als im Straßenverkehr" hat Correctiv seinen Bericht betitelt. Das Netzwerk spricht von 5000 bis 15 000 Menschen, deren Leben jährlich durch bessere Hygiene gerettet werden könnte. Das Amberger Klinikum fällt bei dem Vergleich durch, weil es 2014 keinen hauseigenen Krankenhaushygieniker vorweisen konnte. Diese Aufgabe war damals an einen externen Fachmann übergeben. Die Empfehlungen des RKI sehen aber für jede Klinik ab 400 Betten (2014 hatte St. Marien 574) einen eigenen Krankenhaushygieniker vor - einen Arzt, der eine Extra-Ausbildung durchlaufen hat und verantwortlich für die Hygiene in der Einrichtung ist.

Das Klinikum hat zwischenzeitlich nachgebessert. "Das veröffentlichte Datenmaterial aus dem Jahr 2014 gibt nicht den aktuellsten Stand unserer internen Strukturen für die Krankenhaushygiene wieder", erklärte Vorstand Manfred Wendl am Donnerstag. Seit rund zweieinhalb Jahren sei Stephan Röckelein als Leiter der Abteilung Krankenhaushygiene in Vollzeit im Haus. Röckelein ist Facharzt, absolviere derzeit die curriculare Ausbildung zum Krankenhaushygieniker und stehe kurz vor dem Abschluss. Vor und während der internen ärztlichen Besetzung der Krankenhaushygiene sei St. Marien durch externe Krankenhaushygieniker kontinuierlich beraten und unterstützt worden. "Dies war auch 2014, also zu dem Zeitpunkt auf den sich die veröffentlichten Daten beziehen, so", sagt Wendl. Mit Professor Dr. Hossain als neuen Chefarzt der Mikrobiologie habe das Klinikum "einen weiteren hochkompetenten Experten in Sachen Krankenhaushygiene" gewinnen können. Hossain ist Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie.

Für die Kliniken, die weniger als 400 Betten aufweisen, hat das RKI nicht ganz so strenge Vorgaben formuliert. So sieht die Erhebung die Hygienestandards an den beiden Landkreis-Krankenhäusern St. Johannes in Auerbach (40 Betten) und St. Anna in Sulzbach-Rosenberg (164 Betten) erfüllt.

Das veröffentlichte Datenmaterial aus dem Jahr 2014 gibt nicht den aktuellsten Stand unserer internen Strukturen für die Krankenhaushygiene wieder.Klinikumsvorstand Manfred Wendl

Die komplette Analyse samt Einschätzungen von Fachleuten gibt es beim Recherchenetzwerk Correctiv.

Stellungnahme des Klinikums im Wortlaut

"Wir sehen ein hoch modernes und umfassendes Hygienemanagement als eine unserer wichtigsten Aufgaben an – zum Schutz unserer Patienten. Daher haben wir bereits seit vielen Jahren effiziente Strukturen für die Krankenhaushygiene auf- und ausgebaut. Das veröffentlichte Datenmaterial aus dem Jahr 2014 gibt nicht den aktuellsten Stand unserer internen Strukturen für die Krankenhaushygiene wieder.

Seit rund 2 ½ Jahren ist Herr Stephan Röckelein als Leiter der Abteilung Krankenhaushygiene in Vollzeit im Haus. Herr Röckelein ist Facharzt und absolviert derzeit die curriculare Ausbildung zum Krankenhaushygieniker und steht kurz vor dem Abschluss. Zusätzlich ist Herr Röckelein ABS Experte (Antibiotic Stewardship).
Vor und während der internen ärztlichen Besetzung der Krankenhaushygiene wurde das Klinikum St. Marien immer auch durch externe Krankenhaushygieniker kontinuierlich beraten und unterstützt. Dies war auch 2014, also zu dem Zeitpunkt auf den sich die veröffentlichten Daten beziehen, so.

Mit Prof. Dr. Hossain (siehe Pressemitteilung „Vorstellung Prof. Dr. med. Hossain“) als neuen Chefarzt der Mikrobiologie konnten wir einen weiteren hochkompetenten Experten in Sachen Krankenhaushygiene gewinnen. Herr Prof. Hossain ist Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie. Auch er ist ein ausgewiesener ABS Experte. Er wird unsere Ärzte künftig beratend mit infektiologischen Visiten direkt beim Patienten unterstützen, um so einen ideal abgestimmten Antibiotika-Einsatz zu gewährleisten.

Zusätzlich zu Herrn Röckelein haben wir vier ausgebildete Hygienefachkräfte, die unser Personal immer wieder in Hygienefragen schulen und beraten und z. B. regelmäßig Hygienebegehungen auf den Stationen durchführen. Auf den Stationen selbst gibt es außerdem noch 45 sog. Link Nurses (= Hygienebeauftragte in der Pflege) und 14 hygieneverantwortliche Ärzte. Das Klinikum beteiligt sich seit Jahren an der Aktion Saubere Hände und wurde 2015/2016 mit dem Zertifikat in Silber ausgezeichnet."
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