15.09.2017 - 11:00 Uhr
Oberpfalz

Wird jetzt alles gut mit der Anzeigetafel des FC Amberg? Keine Sissi und auch kein 1:0

"Erst kommt Sissi, dann das 1:0" titelte die Amberger Zeitung im August 2015. Damals hatte der FC Amberg gerade die gerade einmal drei Jahre alte Anzeigetafel des SSV Jahn Regensburg ersteigert, FC-Geschäftsführer Wolfgang Gräf träumte von Public-Viewings und Kino-Events im Stadion. Das wurde zwar nichts, der Verein aber zur Lachnummer der Region.

Beinahe von Anfang an war die mittlerweile gar nicht mehr so neue Anzeigetafel des FC Amberg schwarz. Jetzt soll sie gegen das Wetter geschützt und endlich in Betrieb genommen werden. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Kübel von Häme ergossen sich in den vergangenen Monaten über den FC Amberg. Nicht, weil die Mannschaft schlecht spielt und eigentlich dauernd verliert. Das tun andere auch. Doch die haben keine Anzeigetafel, die nichts anzeigt. Groß angekündigt und mit einem mächtigen Betonfundament versehen, tut die vollelektronische Tafel nämlich nichts, als nur dazustehen. Weil die alte Hängetafel längst abgebaut wurde, führt das bei Spielen des FC öfters zu Nachfragen über den aktuellen Spielstand.

Jetzt soll alles gut werden - sagt Matthias Gromes, der unter dem Titel "Leitung Orga & Spielbetrieb" beim FC firmiert. Die Tafel, so sagt er, brauche eine Einhausung, die sie unempfindlich macht gegen das manchmal etwas stürmisch-nasse Oberpfälzer Wetter. Jetzt, noch im September, gar in den kommenden Tagen soll seiner Aussage nach das Aufmaß genommen werden, dann das beauftragte Metallbauunternehmen den Wetterschutz bauen.

Wie stand im AZ-Artikel vom August 2015 zu lesen? "Der Hersteller versprach damals, dass die LED-Wand widrigsten Wetterbedingungen standhält." Ganz so ist es aber offenbar nicht. Im Gegenteil: Der Regen hat der LED-Wand ziemlich stark zugesetzt. "Als wir hinten aufgemacht haben, stand da zentimeterhoch das Wasser drin", schildert Gromes die Realität. Deshalb müsse die Tafel jetzt erst einmal gegen die Witterungseinflüsse geschützt werden, bevor sie wieder eingeschaltet werden könne.

Nicht die Originaltafel

Denn durchgehend schwarz war die Anzeigentafel ja tatsächlich nicht. Einige Spiele des FC Amberg begleitete sie, bevor sie ihren Dienst versagte. Da waren die Schäden aber noch nicht repariert, die ihr durch die mutwillige Zerstörung einiger Unbekannter zugefügt worden sind. "Das hat sich aber auch so lange hingezogen, weil das Verfahren erst im Dezember oder Januar eingestellt worden ist, und wir vorher aus versicherungstechnischen Gründen nichts reparieren konnten."

Matthias Gromes kennt natürlich all die Geschichten und Gerüchte, die sich um die inzwischen schon berühmte Anzeigentafel ranken. Gerücht Nummer eins: Es ist gar nicht die Originaltafel des Jahn Regensburg. Das ist durchaus richtig, so sagt er. Das Original tut inzwischen störungsfrei seinen Dienst in Bad Abbach. "Tatsächlich hat die Geschäftsführung des FC Amberg aber die Jahn-Tafel ersteigert", bringt Gromes zunächst noch mehr Verwirrung in die Diskussion.

Allerdings habe der Hersteller den Vorschlag gemacht, identische Module, die er in seinem Lager hatte, in Amberg aufstellen, weil sich der Abbau in Regensburg schwieriger gestaltet habe, als erwartet. Vorteil für den FC: Die Module seien bereits gereinigt, gewartet und neu kalibriert gewesen. Daher stehe nicht die Originalanzeigetafel des Jahn in Amberg, sondern eine identische und etwas erweiterte, um beispielsweise Public Viewing im Schanzlstadion überhaupt sinnvoll möglich zu machen. "Warum das nicht von Anfang an so kommuniziert worden ist, verstehe ich auch nicht", gibt Matthias Gromes unumwunden zu.

Gerücht Nummer zwei: Die Anzeigetafel würde eigentlich funktionieren, die FCler seien aber schlicht nicht in der Lage, sie zu bedienen. Außerdem weigere sich Stadionsprecher Fred Seppi, das "moderne Teufelszeug" überhaupt anzufassen. Auch das sei nicht korrekt, informiert Gromes. Richtig sei, dass Fred Seppi nicht gleichzeitig das Spiel verfolgen und die Tafel bedienen könne. "Dann verliert er zwangsläufig irgendwann einmal den Faden."

Richtig sei auch, dass die mitgelieferte Software schlecht und sehr eingeschränkt arbeite. "Aber die Amberger Agentur Stadtrausch hat uns eine sehr, sehr gute Software dafür zur Verfügung gestellt, die ganz einfach aufgebaut ist", so Gromes. Es hätten sich auch schon ein oder zwei Leute beim Verein gemeldet, die bereit wären, die Tafel bei Spielen zu bedienen. "Aber mit denen nehmen wir erst Kontakt auf, wenn wir mit den Arbeiten fertig sind."

Ein großer Fernseher

Zunächst müsse die Tafel eben verblecht und so gegen die Witterung geschützt werden. Dann könnten die defekten Module ausgetauscht werden, die bereits geliefert worden seien. "Dann müssen wir Step by Step anfangen." Beispielsweise mit der Kombination der "Videowall" - denn eigentlich sei ja die Anzeigetafel nichts anderes als ein großer Fernsehen - mit der Lautsprecheranlage im Stadion. Das alles soll in den nächsten Wochen passieren, wobei Gromes kein konkretes Datum nennt, an dem die Anlage in Betrieb gehen wird.

Er jedenfalls hätte sich gewünscht, dass das ganze leidige Thema schon viel früher offen kommuniziert und angegangen worden wäre. "Ich wünsche es mir einfach, dass jetzt alles wunschgemäß klappt", fügt er hinzu. Sonst heißt der erste Film, der auf der Anzeigetafel des FC Amberg läuft nicht "Sissi", wie es sich Vorsitzender Wolfgang Gräf immer gewünscht hat, sondern: "Ein Dorf sieht schwarz". Übrigens ein sehenswerter Streifen - wenn der Fernseher funktioniert.

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