18.03.2018 - 11:54 Uhr

Wirtshaus mit Work-Life-Balance Neues Modell für Kummert

Acht Monate sucht Franz Kummert einen Wirt für das Brauereiwirtshaus in der Raigeringer Straße, das seit 1907 in Familien-hand ist. Vergeblich. Jetzt geht der 38-Jährige einen neuen Weg. Mit einem eher arbeitnehmerfreundlichen Modell.

Nach einer erfolglosen Wirt-Suche für die Traditionsgasstätte geht Franz Kummert (Mitte) mit der Kummert Gastro GmbH neue Wege. Mit Hans-Jürgen Blank (links) als Küchenchef und Bastian Prechtl (rechts) als Serviceleiter schafft künftig ein Trio an. Bild: Hartl
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

"Es ist eine Notlösung. Aber mit dem besten Ergebnis", sagte Franz Kummert. Er gründete die Kummert Gastro GmbH und holte sich mit Hans-Jürgen Blank einen Küchenchef und mit Bastian Prechtl einen Serviceleiter an die Seite. Der Clou: Das Wirtshaus wird künftig mit arbeitnehmerfreundlichen Öffnungszeiten betrieben. "Es gibt zwei feste freie Tage in der Woche und wir sperren Sonntagnachmittag zu", sagte Kummert. Das Trio ist überzeugt: "Wenn die Work-Life-Balance stimmt, finden wir auch Leute, die Bock drauf haben, in der Gastronomie zu arbeiten." Deshalb sehen die neuen Öffnungszeiten auch Montag und Dienstag als Ruhetage vor. Für den Rest der Woche ist Mittwoch und Donnerstag von 17 bis 23 Uhr sowie Freitag und Samstag von 11 bis 14 und von 17 bis 23 Uhr geöffnet. Sonn- und Feiertags würde zwischen 10 und 14.30 Uhr aufgesperrt. "Natürlich öffnen wir nach Rücksprache auch für besondere Anlässe", so Prechtl.

Verwurzelt in der Region

Früher hätte die Gaststätte jeden Tag offen gehabt. Externe Bewerber um die Pächternachfolge hätten reihenweise dankend abgelehnt, als sie gemerkt haben, wie viel Personal bei der Größe des Wirtshauses nötig sei und was der Arbeitsmarkt in Amberg bezüglich Servicekräften hergebe, so Kummert. "Als Externer hat man es in Amberg noch schwerer." Das neue Modell habe laut dem Brauerei-Chef viele Vorteile: Küchen- und Serviceleiter sind in der Region verwurzelt und - dank der Fünf-Tage-Woche - immer da. "Wir können einen reibungslosen Ablauf garantieren". Das kommt Küchenchef Hans-Jürgen Blank als Vater von drei kleinen Kindern sehr gelegen. Als ehemaliger Betreiber des Gasthofes Zur Post in Haselmühl weiß der 52-Jährige, was es heißt, einen Betrieb 365 Tage im Jahr zu leiten. Auch Bastian Prechtl (30) ist kein Unbekannter in der Branche: In Amberg war er unter anderem Geschäftsführer im Café Zentral. Aktuell arbeitet er als Hotelleiter in Neunburg vorm Wald.

Das Trio möchte neuen Schwung in die Traditionsgaststätte bringen. Die Getränkekarte soll um ausgewählte Cocktails erweitert werden. Das Essen wird sich neben sonntäglichem Braten an Saison und Region orientieren: Spargel, Pilze, Wild, Fisch oder Geflügel. "Meine Küche ist ehrlich und bodenständig", sagt Hans-Jürgen Blank. Die Kummert Gastro GmbH übernimmt Anfang Mai den Betrieb des Wirtshauses. Der erste Termin steht schon fest: Am Donnerstag, 10. Mai, wird ein Vatertag-Fest im Biergarten gefeiert.

"Mir liegt schon am Herzen, dass der Betrieb weitergeht", betonte Franz Kummert. Immerhin sei es sein Urgroßvater gewesen, der 1907 das Wirtshaus gekauft habe. Die Brauerei entstand 20 Jahre später. Der Betrieb der Gaststätte florierte auch dank der Mitarbeiter der Stanz- & Emaillierwerke Baumann. "Das Dreifaltigkeitsviertel war damals stark im Kommen", so Kummert - und das Wirtshaus das erste Haus auf dem Weg in die Stadt hinein.

Es ist eine Notlösung. Aber mit dem besten Ergebnis.Franz Kummert

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