Wissenschaft ist fasziniert von Kunstfigur Willy Nachdenklich
Vong Amberg her

Kunstfigur Willy Nachdenklich, selbst ernannter Erfinder der "Vong"-Sprache. Die Facebook-Seite des 33-Jährigen Ambergers gefällt fast 350 000 Personen. Archivbild: dpa

Achtung: Dieser Text könnte Ihr Verhältnis zu Rechtschreibung und Grammatik belasten. Im Internet hat die "Vong"-Sprache einen Hype ausgelöst. Was als Gag startete, hat es inzwischen auf Werbeplakate und in den Bayerischen Rundfunk geschafft. Die Facebook-Seite eines Ambergers trifft anscheinend den Nerv der Zeit.

(ahl/dpa) Es ist eine dieser Kuriositäten aus dem Netz: Begeistert verbreiten Nutzer ein Sprachphänomen, das auf den ersten Blick keinen Sinn ergibt. "Vong ... her" hat einen Hype im Internet ausgelöst. Nun befassen sich Wissenschaftler höchst professionell mit dem Stilmittel. Sogar der Duden ist angefixt, und mittlerweile hat die Neuschöpfung es auf XXL-Plakatwände geschafft.

Fehler als Satire

Sebastian Zawrel aus Amberg hätte sich das nicht träumen lassen: Wegen seiner Facebook-Seite spricht er in Universitäten. Unter dem Pseudonym "Willy Nachdenklich" postet der 33-Jährige jeden Tag "Nachdenkliche Sprüche mit Bilder". Hier werden Fotos veröffentlicht mit Phrasen, die voller Grammatik- und Rechtschreibfehler sind. Immer wieder dabei: die Konstruktion "vong ... her". Fachleute sprechen von einer Zirkumposition. Ein Bezugswort wird dabei um eine an sich überflüssige Information ergänzt. In Reinform etwa: "Das Wetter ist schön vong Sonne her".

Zawrel habe eines Tages krank im Bett gelegen und im Internet gesurft, erzählt er, als er auf die - ganz ernsthaft - geteilten und gelikten Fotos mit sentimentalen Sprüchen stieß, die oft vor Fehlern nur so strotzen. "Das wollte ich verballhornen." Also bastelte er Bild-Text-Kombos und tippte absichtlich Fehler rein. "I bims" als falsch geschriebene Form von "Ich bin's" ist eine weitere grammatisch-falsche Variation.

Wissenschaft fasziniert

Wie so oft bei Internetphänomenen eher unerklärlich, wurde aus dem Spaß ein Trend. "Zuerst haben viele Leute gemeint, dass ich ein bisserl deppert bin. Die haben gedacht, das ist ernst gemeint", erzählt Zawrel. Die Satire fand jedoch immer mehr Fans: Nach recht kurzer Zeit seien die Like-Zahlen für seine Seite in die Höhe geschossen. Mehr als 350 000 Menschen haben seine Seite mittlerweile abonniert.

Sein Erfolg erregt jetzt auch die Aufmerksamkeit der Wissenschaft. Das Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Bamberg hatte den Amberger eingeladen, und der Hörsaal war voll. "Willy Nachdenklich ist Teil eines Netz-Phänomens", erklärt der aus Sulzbach-Rosenberg stammende Wissenschaftler André Haller. "Normale Menschen erreichen mit witzigen, informativen oder künstlerischen Inhalten Kultstatus. Ihre Kanäle werden von ihren Fans wie regelmäßige Fernsehsendungen genutzt."

Linguisten wie Konstanze Marx vom Institut für Deutsche Sprache sind begeistert: "Es ist toll, wenn Laien Sprachkritik üben", sagt die Professorin. "Die regelmäßigen Fehler sind im Netz erkannt worden und werden auf die Schippe genommen."

LesungWilly Nachdenklich tritt am Samstag, 17. Juni (16 Uhr), auf dem Amberger Altstadtfest auf. Seine Lesung "I bims" hält er im "Blauen Haus" (Vormals Engelchen) , Untere Nabburger Str. 25. Im Herbst erscheint ein Buch und der Amberger geht auf eine deutschlandweite Lesetour, die in Berlin, München, Hamburg und Düsseldorf Halt macht. (ahl)
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