Wohltätigkeitsessen für fast 400 Menschen
Fest für die Seele

Michael Cerny serviert, Franz Kummert schenkt Getränke nach: Auch der Oberbürgermeister und der Brauerei-Chef bewirteten am Donnerstag im Wirtshaus die Gäste mit. Bilder: Hartl (3)
 
Ein Blick durchs Fenster offenbart die heimelige Atmosphäre beim Wohltätigkeitsessen, zu der auch eine Bläsergruppe beiträgt.

Die fleißigen Helfer räumen das Kaffeegeschirr ab, die Liedertafel singt, im Sudhaus spielt das Bläser-Ensemble Brassissimo. Und in der Küche braten die Gänsekeulen und köchelt das Blaukraut. Nicht mehr lange, dann wird serviert - knapp 400 Portionen für das Wohltätigkeitsessen.

Manuela Pilz, die mit Anton Dietrich den Kummert-Bräu in der Raigeringer Straße gepachtet hat, schnauft tief durch. "Läuft alles", sagt sie. "Wichtig ist, dass unsere Gäste zufrieden sind." Am Donnerstagnachmittag werden in dem Brauerei-Gasthof knapp 400 Menschen bewirtet, für die das fast wie Weihnachten ist - denn Essengehen können sie sich gar nicht oder nur schwer leisten. Es sind arme Rentner, Hartz-IV-Empfänger, Familien mit mehreren Kindern, Flüchtlinge, aber auch Ehrenamtliche, die sich das ganze Jahr über für andere engagieren.

Erst Kaffee, dann Gans

Sie alle waren von den Pächtern eingeladen worden - zu einer Tasse Kaffee, einem Stück Kuchen, zwei alkoholfreien Getränken (Mineralwasser und Apfelschorle), Gänsekeule mit Knödel, Soße und Blaukraut. Zum Abschluss schenkte der Nikolaus, der mit seinem Krampus ebenfalls vorbeischaute, noch jedem eine Orange. Bereits im März hatte Dietrich angefangen, seine Benefiz-Aktion zu planen und Sponsoren zu suchen. "Das ist schon ein riesiger Aufwand", gesteht er. Manuela Pilz und Anton Dietrich freuen sich besonders, dass das komplette Personal sofort bereit war, mitanzupacken - an diesem Tag unentgeltlich. "Zusätzlich zu unseren 17 Leuten haben wir noch 12 Helfer."

Und selbst der Nachwuchs ist fleißig bei der Sache. Vier der Mini-Köche, die auch schon beim Kochen im Kummert-Bräu waren, engagieren sich ebenfalls. Sie räumen das Kaffeegeschirr ab, flitzen zwischen Küche und Gasträumen hin und her, gehen Küchenchef Joachim Carl zur Hand. Im Sudhaus sitzen Menschen, die über die Amberger Tafel eine Einladung bekommen hatten. "Für uns ist das ein schönes Fest", sagt eine Spätaussiedlerin glücklich. Drei Frauen und ein Mann, die mit ihr an einem runden Tisch sitzen, pflichten ihr bei. "Wir freuen uns, dass wir eingeladen wurden." Wunderbar habe der Kuchen geschmeckt, jetzt lauschen alle der Musik, nur die Kinder werden ein bisschen ungeduldig.

"Wichtig für arme Leute"

"So etwas ist sehr wichtig für arme Leute in Deutschland", sagt der Mann. Die Spätaussiedlerin erfreut sich daran, wie liebevoll alles hergerichtet wurde. "Das ist ein Fest für die Seele." Und dann wird auch schon die Gänsekeule serviert. (Angemerkt)

Stammgäste helfenWolfgang Ott und Erich Reinhardt sind zwei der Helfer, die beim Wohltätigkeitsessen im Kummert-Bräu am Donnerstagnachmittag kräftig mit anpacken. Die beiden Männer gehören zum Stammtisch - und sagten sofort zu, als der Wirt sie fragte, ob sie seine Benefizaktion unterstützen würden. "Logisch, dass wir da helfen", sagt Ott. Er und sein Freund sind momentan die Herren am Empfang, sie zeigen den Gästen, in welchem der Räume sie sitzen, ob Sudhaus, Gaststube oder Nebenzimmer. "Wir finden die Idee fantastisch", sagt Ott. Auch Erich Reinhardt lobt das Engagement der Wirtshaus-Pächter Manuela Pilz und Anton Dietrich. "Sie opfern extra einen Arbeitstag dafür", sagt er.

Die beiden Männer freuen sich, dass sie helfen und einen kleinen Beitrag leisten können, dass das Wohltätigkeitsessen zu einem Erfolg wird. "Da machen wir freilich gerne mit", erklärt Reinhardt. Wolfgang Ott war früher selbst ehrenamtlich für die Amberger Tafel tätig, er weiß dadurch, was Armut für Menschen bedeutet. "Es ist eine Schande, dass in Deutschland überhaupt Einrichtungen wie die Tafel notwendig sind", meint er. Schlimm findet es auch Manuela Pilz, dass Menschen in Armut leben müssen. Sie bringt als Beispiel Rentner, die zwar im Ruhestand sind, aber dennoch arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen. "Sie müssen jeden Cent umdrehen, das ist schlimm." (san)
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