13.02.2018 - 16:16 Uhr

Zwei Ambergerinnen waren zu vertrauensvoll Geld weg, Liebe weg

Liebe macht blind, sagt ein altes Sprichwort. Da dürfte was Wahres dran sein. Zwei Ambergerinnen waren zu vertrauensvoll - die eine wurde erpresst, die andere ist jetzt 5000 Euro los.

Symbolbild: Stefan Sauer/dpa
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Zu vertrauensvoll war nach Angaben der Polizei eine 36-jährige Frau, die sich von einem noch Unbekannten über verschiedene soziale Netzwerke überzeugen ließ, ihm erotische Selfies zu schicken. Vollkommen überrascht stellte sie dann fest, dass die Person einige dieser Aufnahmen plötzlich im Internet veröffentlichte. Außerdem drohte er ihr, sie persönlich aufzusuchen und forderte weitergehende Bilder. Die Dame ging darauf nicht ein, sondern schnurstracks zur Polizeiinspektion.

Die Beamten leiteten strafrechtliche Ermittlungen wegen der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen und weiterer Delikte ein. Auch wenn der Verursacher - oder vielleicht auch die Verursacherin -, dessen Hostname in einer großen Stadt in Ostdeutschland festzustellen war, ermittelt werden wird, macht die Polizei dennoch darauf aufmerksam, "besondere Sensibilität beim Versenden von höchstpersönlichen Nachrichten oder Bildern walten zu lassen, insbesondere, wenn das Gegenüber nicht geklärt ist".

Genauso enttäuschend verlief der Kontakt einer 58-jährigen Ambergerin, die mit einem angeblichen US-Modedesigner ihre Zukunft aufbauen wollte. Über eine Freundschaftsanfrage in sozialen Netzwerken hatten der Mann und die Frau sich kennengelernt. Nach kurzer Dauer entschloss sich der solvente Londoner Geschäftsmann sein weiteres Leben bei seiner neuen Liebe in Deutschland zu verbringen. Die beiden schmiedeten gemeinsame Pläne. Der Flug nach Deutschland und die Sicherung des künftigen Lebensunterhalts erfordere eine gewinnbringende Aktion. Zunächst müsste er daher noch größere Einkäufe für sein Modeunternehmen in einer Textilmetropole in der Türkei tätigen.

Dort angekommen, teilte der Mann dann der Ambergerin mit, habe die Kreditkarte den Zugriff versagt. Der Zoll konnte nicht bezahlt werden. Recht vertrauensvoll überwies die 58-Jährige daraufhin 5000 Euro Vorkasse auf ein Konto in der Türkei und leitete damit gleichzeitig das Ende der "Beziehung" ein. Am Freitag erstattete die Frau Anzeige bei der Polizei. Die Beamten leiteten strafrechtliche Ermittlungen ein.

Albert Brück von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz rät eindringlich dazu, gerade im Internet besondere Vorsicht walten zu lassen. "Diese beiden Fälle zeigen deutlich, wohin das führen kann." Möglicherweise verbirgt sich hinter einem Account in sozialen Netzwerken nämlich jemand ganz anderes als man glaubt. Gerade wenn es um persönliche Daten, das eigene Vermögen oder erotische Bilder geht. "Leider ist es immer wieder so, dass mit erotischen Bildern Erpressungsversuche unternommen werden oder es zu Nötigungen kommt. Vielfach werden die Bilder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. "Für den Betroffenen ist das natürlich eine große Schädigung seines Ansehens."

Besondere Sorgfalt sollte man nicht nur in sozialen Netzwerken walten lassen, sondern auch wenn in Mails oder anderen Diensten um vertrauliche Daten gebeten wird. "Da können zum Beispiel Bilder sehr schnell in Hände gelangen, in die man sie sonst nicht geben würde." Wie häufig das geschieht, kann Brück nicht sagen. "Wir sprechen hier vom polizeilichen Hellfeld, wenn Anzeigen erstattet werden." Wie groß die Dunkelziffer sei, bleibe unbekannt. "Sicher ist es so, dass Leute eben nicht bei der Polizei Anzeige erstatten, weil sie sich schämen, dass sie einem Betrüger aufgesesen sind oder sich nicht trauen zu sagen, um welche Bilder es sich handelt."

Häufig Sehnsucht

Sebastian Sonntag ist Psychologe und kennt Fälle, in denen Menschen aus vermeintlicher Liebe teuer bezahlt haben - emotional, aber auch materiell. "Dass von Frauen Nacktfotos gefordert wurden, die dann ins Internet gestellt wurden, ist leider immer wieder der Fall, vor allem bei jungen Leuten", berichtet er. Dass Liebe blind mache, da sei sicher etwas dran. Doch meistens habe dies mit Liebe nichts zu tun. "Da geht es vielmehr um Sehnsüchte, um Anerkennung, um Wertschätzung, um die eigenen Bedürfnisse." All dies werde oft verwechselt mit Liebe, die für Sebastian Sonntag überhaupt "das Wertvollste ist, was es gibt". Er verweist auf Menschen, die nach einer Trennung gewalttätig gegenüber dem Ex-Partner werden. "Da geht es nicht um Liebe, sondern um Narzissmus."

Vielfach hat Sonntag bei seiner Arbeit als Psychologe Frauen erlebt, denen die Männer jegliches Selbstbewusstsein geraubt haben: "Die waren so klein mit Hut." (san)

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