04.02.2018 - 20:00 Uhr

Zwei Rentner vor Gericht Pfefferspray gegen Vermieter

Aufregung im Treppenhaus. Zwei Männer im Rentenalter liefern sich eine tätliche Auseinandersetzung, Pfefferspray wird eingesetzt. Wer aber brach den Streit vom Zaun? Eher unklar. Zum Schluss steht fest: Eine angebliche Notwehrhandlung des Sprayers lag nicht vor.

Bild: dpa
von Autor HWOProfil

Die Versionen, dargelegt vor Amtsrichter Christian Frey, waren so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Friedlich wie immer, so schilderte der bisher nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommene 70-jährige Angeklagte das unheilvolle Geschehen, sei er an einem Aprilmorgen vergangenen Jahres zu einem Mehrfamilienhaus zurückgekehrt, in dem sich seine Wohnung befand.

Im Treppenhaus sei der Vermieter gestanden und habe ihn barsch angeherrscht: "Sie sind ein Schwein. Putzen Sie sich die Schuhe ab!"

Dieser Aufforderung kam der allein lebende Mann nicht nach. "Warum auch? Sie waren sauber." Augenblicke später habe ihn der Hausherr auf der Stiege attackiert. "Ich hatte Angst", hörte der Richter und vernahm ferner, dass der angegriffene Mieter ("Ich habe ihm mehrfach gesagt, dass ich mich wehren werde") in Momenten angeblich höchster Not ein sogenanntes Tierabwehrspray aus seiner Jackentasche zog und damit dem außer sich geratenen Angreifer eine Ladung Pfefferflüssigkeit verpasste. "Nicht in die Augen. Vielmehr auf die Wange." Eine Notwehrhandlung gewissermaßen. Geschehen in absoluter Bedrängnis.

Die folgende halbe Stunde blieb der Vernehmung des Vermieters vorbehalten. Dabei hörte der Vorsitzende zunächst eher Nebensächliches. "Der hat weder die Mülltonne rausgestellt noch Schnee geräumt. Auch die Treppe hat er nie gesäubert." All das habe er, der 74-Jährige, erledigen müssen. Sehr zu seinem Missfallen.

Jawohl, entfuhr es dem aufgebrachten Mann, er habe den Mieter aufgefordert, die Schuhe abzuputzen. Nicht grundlos: Denn bedauerlicherweise habe der Mann öfter einmal Schuhe getragen, bei denen sich der Eindruck vermittelte, "dass er acht Tage lang draußen in Wald und Feld unterwegs war".

Der Richter empfahl dem erzürnten Hausbesitzer, zur eigentlichen Sache zu kommen. Ihm wurde berichtet, dass der 70-Jährige zunächst den Ausdruck "Schweinehund" gebraucht und dann auf der Treppe sein Pfefferspray gezogen habe. "Der hat gesprüht wie ein Verrückter. Am helllichten Tag. Das ist doch nicht normal." Noch längere Zeit danach hätten die Augen gebrannt. Zwei Versionen, in Einzelheiten wohl nie mehr in ein exaktes Geschehen zusammenzufügen. Eines aber machte Richter Frey dem Beschuldigten klar: "Zum Gebrauch von Tierabwehrspray bestand kein Anlass." Von daher riet er dem 70-Jährigen, einen vorab gegen ihn ergangenen Strafbefehl zu akzeptieren. Er beinhaltete sieben Monate Haft mit Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung und 250 Euro Schmerzensgeld für die brennenden Augen.

Zusammen mit Anwalt Jörg Jendricke nahm der auf die Anklagebank zitierte Amberger zähneknirschend seinen Einspruch zurück. Zuvor aber waren noch Zeugen gehört worden, deren Erzählungen sich entnehmen ließ: Mit dem Hausherrn ist offenbar nicht gut Kirschen essen. "Mag sein", ließ der Richter vernehmen. Doch das habe eigentlich nichts mit dem zur Debatte stehenden Vorfall zu tun.

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