14.09.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

18 Jahre alter Syrer spielt Fußball im Verein und arbeitet für Baufirma Integriert am Ball und am Bau

Thomas Herbrich, Geschäftsleiter der Baufirma Bernklau, lebt nach einer klaren Devise: "Nicht nur reden, sondern handeln." Daran hält er sich auch: Beim Siedlerfest, auf dem Fußballplatz und bei seinen Mitarbeitern. Denn der neue Azubi ist Syrer.

Ibrahim Al Hussein (Mitte) aus Syrien hat im September eine Ausbildung bei der Baufirma Bernklau begonnen. Thomas Herbrich (rechts), Geschäftsführer bei Bernklau, und Peter Hilburger (links), Trainer beim FSV Gärbershof, kamen am Biertisch zu einem Gespräch, dem schnell Taten folgten. Bild: Carolin Maul
von Redaktion OnetzProfil

Gailoh. (pcma) Die Idee entstand beim Siedlerfest: Am Biertisch unterhielten sich Herbrich und Peter Hilburger, Trainer beim FSV Gärbershof, zwanglos. Dabei kamen sie auf den fehlenden Nachwuchs in den Handwerksberufen und auf Integration zu sprechen. Sofort dachte Hilburger an einen seiner Schützlinge in seiner Fußballmannschaft. Schon ein paar Tage später konnte der Syrer Ibrahim Al Hussein (18) ein Schnupperpraktikum bei der Baufirma beginnen.

Erst hätte Ibrahim Bedenken gehabt, dass die Arbeit zu schwer für ihn sein könnte, doch nach den Testtagen, bei dem ihm alles gezeigt und erklärt wurde, entschied er sich für eine dreijährige Ausbildung zum Hochbaufacharbeiter bei Bernklau.

Bayerisch nur "a bissl"

Seit zwei Jahren lebt der junge Mann in Deutschland. Nach einem einjährigen Sprachkurs und durch die Spiele für den FSV Gärbershof spricht er schon sehr gut deutsch. "Wenn er etwas nicht versteht, haben wir ausgemacht, dass er gleich nachfragen soll. Wir sprechen langsam, auch ein wenig Bayerisch versteht er", erklärt Herbrich und Ibrahim entgegnet lachend: "A bissl." Vor zwei Jahren kam er nach einer langen, nervenaufreibenden und anstrengenden Reise mit seinem Bruder von Deir ez-Zor in Syrien nach Deutschland. Auf dem langen Weg mussten die beiden unter anderem Bekanntschaft mit einem betrügerischen Taxifahrer machen, der sie für viel Geld von Budapest nach München fahren sollte.

Abgesetzt hatte er die Brüder in Österreich, wo sie dann von Polizisten aufgeklärt wurden, wo sie eigentlich sind. In Deutschland angekommen, besuchte er erst eine Integrationsklasse und beendete die Schule. Gerne hätte er weiterstudiert, doch er wollte Geld verdienen, um seine Eltern und Geschwister, die momentan in der Türkei sind, nach Deutschland holen zu können. Sein Hobby fand er im FSV Gärbershof wieder. Dort knüpfte er soziale Kontakte und kam zu seiner jetzigen Ausbildung. "Das Arbeiten im Team macht einfach Spaß", erzählt Ibrahim. Nach der Ausbildung wolle er seinen Meister machen oder wieder zur Schule gehen. "Ich mache das alles Schritt für Schritt", sagt er. "Das Wichtigste ist, dass unsere Familie wieder zusammenkommt. Wenn in Syrien kein Krieg mehr ist, würden wir gerne wieder zurück."

"Herzensangelegenheit"

Auch Thomas Herbrich findet klare Worte: "Es ist mir eine Herzensangelegenheit, sozusagen mein soziales Projekt." Er möchte mit der Anstellung des jungen Flüchtlings "ein Zeichen setzen und Chancen geben". Seit 25 Jahren gibt es den Familienbetrieb nun in Amberg, und es wurde immer ausgebildet, bis sich die Situation veränderte: "Der Nachwuchs fehlt. Nach drei Jahren ohne Auszubildende ist Ibrahim nun der erste Berufseinsteiger seit langem."

Es sei eine wichtige Aufgabe, Integration zu betreiben und gesellschaftliche Werte zu vermitteln. "Es fängt im Sportverein an. Anfangs sind die Sprachbarrieren schwierig, doch durch den Teamsport entstehen viele soziale Kontakte und es bessert sich. Wir müssen das Netzwerk Fußball nutzen und beispielsweise solche Chancen vermitteln", sagt Hilburger und Herbrich fügt hinzu: "Auch die Betriebe und unsere Mitarbeiter haben ihren Teil beizutragen. Gerade wenn der Nachwuchs fehlt, wieso nicht einem Menschen eine Chance ermöglichen?" Wenn alles weiter so positiv läuft, werde Herbrich den Weg weiterhin so gehen.

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