24.05.2017 - 16:52 Uhr
Oberpfalz

2500 Menschen demonstrieren am Rand der Grammer-Hauptversammlung Die Schlacht um Grammer

Sie kommen von überall her. Von Siemens aus Amberg, von ATU aus Weiden, von Hueck Constantia aus Pirk - und natürlich von Grammer. Aus Amberg, Haselmühl, aus Bremen und sogar aus der Tschechischen Republik. 2500 Menschen demonstrieren gegen eine Bedrohung: Hastor

Es waren rund 2500 Menschen, die am Vormittag gegen die Übernahme der Grammer AG durch die Investoren-Familie Hastor demonstriertn. Bild: Hartl
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Vor dem ACC stehen an diesem Morgen mit grimmigen Gesichtern die Männer der angeheuerten Security-Firma und bewachen den Eingang. Draußen auf der Bleichwiese läuft in der Zwischenzeit eine regelrechte Party. Gute Stimmung allerorten, wäre da nicht der sehr ernste Hintergrund für diese Veranstaltung.

Für die Grammer-Mitarbeiter ist es der Tag der Tage, der Tag der Entscheidung.

Aktionärsversammlung. In "normalen" Jahren eine ziemlich dröge Veranstaltung, bei der sich wenige Aktionäre im Saal verlieren und sehr vereinzelt gestreute Pressevertreter das schreiben, was erwartungsgemäß passieren wird. Doch heute ist alles anders. Die Hastoren haben zum Angriff geblasen und die Grammer-Leute nehmen den Kampf an. "Das ist so bei uns in der Oberpfalz", ruft IG-Metall-Chef Horst Ott in die Menge. "Wer sich mit einem von uns anlegt, legt sich mit uns allen an."

2500 Demonstranten

Ott zeigt sich angesichts der 2500 Demonstranten sehr zuversichtlich: "90 Prozent der Miete sind schon passiert", sagt er grammatikalisch nicht ganz astrein. Besonders freut er sich als Gewerkschafter darüber, dass die Kollegen vom Grammer-Aufsichtsrat nahezu vollständig zur Festwiese kommen, um einen Eindruck davon zu gewinnen, wie sehr die Mitarbeiter gewillt sind, um ihre Arbeitsplätze zu kämpfen.

Denn darum geht es ihnen. Um ihre Jobs, ihr Eigenheim, ihre Heimat. Einige äußern durchaus Verständnis für den Kampf, den die Familie Hastor gegen den VW-Konzern führt. Grundsätzlich sei es ja richtig, die totale Abhängigkeit von den Autoherstellern zu reduzieren sagt einer, der damit natürlich nicht namentlich genannt werden will. Aber Hastor sei es eben vollkommen egal, ob die 14 000 Arbeitplätze bei Grammer weltweit dabei auf der Strecke bleiben. Auch die Politik streut sich unter die Menge. Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl steht neben Michael Göth, dem Bürgermeister von Sulzbach-Rosenberg und der stellvertretenden Landrätin Brigitte Bachmann, während Ambergs Bürgermeisterin Brigitte Netta ein Interview gibt. Alles SPD-Mitglieder übrigens, die Kollegen von der CSU lassen sich hingegen eher spärlich blicken.

Nichts gegen Investoren

Auf der Bühne spricht jetzt Jürgen Wechsler, der Bezirksleiter der IG Metall in Bayern. "Wir wenden uns nicht gegen Hastor, weil wir etwas gegen Investoren haben", macht er deutlich. "Wir haben auch nichts gegen ausländische Investoren. Aber wir kämpfen gegen einen Investor, der dafür steht, dass Grammer keine Zukunft hat." Ein Grundtenor, der sich durch die gesamte Hauptversammlung ziehen wird.

Rechtsanwalt Franz Enderle, der die Cascade GmbH vertritt, eine Hastor-Gesellschaft, tut im Saal aber auch alles, um Sympathie zu verspielen. Dabei steht es juristisch doch 4:0 für Grammer, wie Michael Doering sagt, ein Aktionär, der sich in eigener Sache zu Wort meldet. Stunde um Stunde zieht sich die Hauptversammlung hin und steuert unweigerlich auf den finalen Höhepunkt am Abend zu.

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