02.03.2018 - 20:00 Uhr

80 Grammer-Mitarbeiter ziehen nicht von Amberg nach Ursensollen Stück vom Kuchen bleibt hier

Amberg bleibt als Standort auf der Landkarte der Grammer AG. Zwar bricht die Unternehmensführung mit dem Umzug der Konzernzentrale im vierten Quartal 2019 hier ihre Zelte ab. Aber 80 Mitarbeiter werden darüber hinaus in der Stadt ihre Stellen behalten. Entsprechende Vereinbarungen sind zwischen Firma und Kommune getroffen.

Eitel Sonnenschein, nicht nur draußen oberhalb des "neutralen Bodens" des Gewerkschaftshauses, sondern auch drinnen am Tisch für die Pressekonferenz (von links), auch wenn die Gesichtszüge dies nicht unbedingt vermitteln: Grammer-Betriebsratsvorsitzender Lars Roder, Oberbürgermeister Michael Cerny sowie Vorstandsvorsitzender Hartmut Müller und Unternehmenssprecher Ralf Hoppe. Horst Ott von der IG Metall spricht als Moderator die einleitenden Begrüßungs- und am Ende auch die Schlussworte (stehend, rechts).
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Der Weg dorthin sei zu großen Teilen vom Grammer-Betriebsrat, an der Spitze dessen Vorsitzender Lars Roder, geebnet worden. Darauf verwies am Freitagmittag Horst Ott, Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Amberg. Der Funktionär hatte die an diesem Entwicklungsprozess Beteiligten auf den "neutralen Boden des Gewerkschaftshauses" an einen Tisch gebeten. Zunächst unterstrich er, dass die Entscheidung mit dem Wechsel hinaus aufs Land nicht gegen Amberg gerichtet gewesen war, sondern ein Zuschlag für Ursensollen und die Region sei.

Das bekräftigte Grammer-Chef Hartmut Müller einen Tag nach dem Spatenstich in Ursensollen (www.onetz.de/1820761 und www.onetz.de/1820786). Er schob noch hinterher: "Ganz werden wir uns aus Amberg nicht zurückziehen." Dass es zu dieser Entscheidung gekommen sei, führte er auf das sehr starke Engagement des Betriebsratsvorsitzenden Lars Roder zurück. Ganz gut im Rennen um die rund 80 Arbeitsplätze im Servicebereich - Buchhaltung, Innendienst, IT - sei Hirschau gewesen. Letzten Endes aber sei es bei Amberg geblieben. "Auch wenn es teuerer kommt." Die genannten Stellen blieben in dem Grammer-Gebäude in unmittelbarer Nähe zur Ostbayerischen Technischen Hochschule erhalten. Die Firmenspitze halte diese Entscheidung im Verbund mit dem Neubau in Ursensollen "für eine Superlösung".

Dass der benötigte Platz für das neue Grammer-Konzept in Amberg nicht ausreichen würde, das sah Betriebsratsvorsitzender Lars Roder ein, selbst wenn die Arbeitnehmervertretung vom Grundsatz ein Plädoyer für Amberg abgelegt hatte, denn: "Wir halten die Tradition und das Erbe von Firmengründer Georg Grammer hier hoch." Heute sei er von den eingeschlagenen Wegen überzeugt. Mit dem Verbleib der 80 Kräfte in Amberg kehre wieder Ruhe und große Zuversicht bei der Belegschaft ein. Es gelte nun, allen Mitwirkenden zu danken, dass die lange anhaltende Ungewissheit jetzt ein Ende gefunden habe. In das Loblied stimmte schließlich Oberbürgermeister Michael Cerny mit ein. Er freue sich, dass Grammer den Standort Amberg aufrecht erhalte, aber auch dass sich der Konzern mit Ursensollen in der Region verankere: "Die Vorstellungen des Unternehmens sind dort leichter umzusetzen als es dies in Amberg gewesen wäre. Allein vom Platzangebot her."

Den Schlusspunkt setzte Horst Ott, als er mit der Erkenntnis aufwartete, dass sich die Rolle der Gewerkschaften gewandelt habe. Heute gehe es nicht mehr nur um Tarifverträge, sondern - wie bei Grammer mit der weiteren (Teil-)Nutzung des bisherigen Firmensitzes - unter anderem um Mietverhandlungen (hier mit der Gewerbebau) sowie um Flächen für Unternehmensniederlassungen."Wer dabei nicht mitgeht, sondern nur nach der reinen Lehre trachtet, der wird bald ziemlich einsam sein."

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