10.07.2017 - 20:46 Uhr
Oberpfalz

Bayerischer Wirtschaftstag 2017 in Amberg Auf Weg in "Gigabit-Gesellschaft"

Ein junges Unternehmen aus Niederbayern erhält tosenden Beifall. Und Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny gibt dem Bayerischen Wirtschaftstag eine Steilvorlage. Der CSU-nahe Wirtschaftsbeirat rüstet sich für "Deutschland vor der Wahl".

"Nichts ist beständiger als der Wandel", meint der Präsident des Wirtschaftsbeirats Bayern, Otto Wiesheu. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner erwartet durch die Digitalisierung neuen Schwung für die Globalisierung. Bild: cf
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Quasi zum politischen Aufwärmen mahnt der Präsident des Wirtschaftsbeirats, Otto Wiesheu, die Dringlichkeit einer Steuerreform an. Seine Kritik: Bund und Länder sollten "nicht zu großzügig beim Geldausgeben" sein. Vorweg lobt der ehemalige Wirtschaftsminister die Zukunftsfähigkeit der Region, die "den Wandel begriffen hat".

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hört am Montagnachmittag im Amberger Congresscentrum (ACC) dem "lieben Otto" ebenso aufmerksam zu wie OB Cerny. Der fordert beim Breitbandausbau mehr Tempo und höhere Kapazitäten sowie für den Hausbau steuerliche Anreize. Zudem führt Cerny den aus ganz Bayern angereisten Unternehmern die Auswirkungen der letzten Bundeswehrstrukturreform für Amberg plastisch vor Augen: Als würde München auf einen Schlag 15 000 Arbeitsplätze verlieren ... Cerny und Gastgeber Helmut Hör lassen keinen Zweifel daran, dass die höchste industrielle Dichte und die stärkste Konzentration von mittelständischen Familienunternehmen im Freistaat "selber hart erarbeitet" worden seien: Mit Hilfe von Bodenständigkeit und Loyalität der Mitarbeiter.

Nicht böse, sondern besser

Die bei den jüngsten Grammer-Turbulenzen eingebundene Ministerin Ilse Aigner betont, dass die Politik den Strukturwandel nicht aufhalten, aber begleiten könne. Aigner nennt die Oberpfalz eine "Boomregion"; sie weise mit Niederbayern die geringste Arbeitslosigkeit im Freistaat auf.

Gewisse Sorgen bereiten der CSU-Politikerin protektionistische Tendenzen, der Brexit und Russland. "Wir sind nicht böse, sondern besser", meint sie mit Blick auf die Kritik von Donald Trump an den hohen Exportüberschüssen. Allerdings müssten die Gewinne verstärkt in Deutschland investiert werden. Aigner beschwört die Bedeutung der Digitalisierung auf dem Weg in die "Gigabit-Gesellschaft". Sie verspricht 40 000 Wlan-Hotspots in Bayern und weitere Milliarden-Zuschüsse; an Glasfaser-Kabeln führe kein Weg vorbei. Sie hofft, dass durch die Digitalisierung so viele neue Arbeitsplätze entstehen wie wegfallen. Aigner ermuntert die versammelten Unternehmer zu mehr Flexibilität der Arbeitszeit in der modernen Arbeitswelt: "Mit Industrie 1.0 lässt sich 4.0 nicht gestalten." Sie erntet zustimmendes Kopfnicken, als sie die steuerliche Absetzbarkeit von Forschung und Entwicklung und eine degressive Afa beim Hausbau anregt.

Lebensverlängernde App

Auf pfiffigen Ideen gründen die präsentierten Start-ups: etwa eine App zur Vermeidung von Wildunfällen. Alfons Weinzierl von der Firma "Pitch Wuidi" aus Straubing entwickelte in Zusammenarbeit mit Polizei und Jagdverband eine in Bayern flächendeckende App, die dynamisch vor Wild-Gefahrengebieten warnt, dem Jagdrevier-Inhaber den exakten Unfallort mitteilt und sagt, was im Fall der Fälle konkret zu tun ist. Im Gründerzentrum Waldsassen sitzt seit 2013 die Firma BioVariance, die sich laut Geschäftsführer Dr. Josef Scheiber der Nutzung von komplexen biomedizinischen Daten widmet. So verlängert eine App für bestmögliche Medikations-Profile tatsächlich das Leben, beispielsweise bei Lungenkrebs. Mit der Firma Ppush bietet Alexander Hofmann für Vereine, Geschäfte oder Events die Infrastruktur für Push-Benachrichtigungen.

Je kränker der Patient ist, desto mehr ist ihm der Datenschutz egal.Dr. Josef Scheiber, Geschäftsführer des Start-ups BioVariance
Besser ich gehe auf Krücken, als die bayerische Wirtschaft.Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny, durch einen Riss der Achillessehne gehandicapt

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