Bei Siemens Amberg wird der Betriebsrat gewählt
Wahl unter 66 Kandidaten

Bilanz nach vier Jahren Betriebsratsarbeit bei Siemens im Zeichen des Umbruchs mit (von links) dem Ersten Bevollmächtigten der IG-Metall Verwaltungsstelle Amberg, Horst Ott, sowie Stefanie Lengfelder und Volker Jung vom Betriebsrat des Amberger Standorts. Bild: Wolfgang Steinbacher

Zum ersten Mal seit vielen Jahren werden bei Siemens Personen und nicht Listen gewählt. Wenn heute die Betriebsratswahlen zu Ende gehen, dann werden die kommenden vier Jahre 31 engagierte Frauen und Männer mitentscheiden, was am Standort Amberg mit seinen Außenstellen passiert.

"Hätten wir diesen Betriebsrat in den vergangenen vier Jahren nicht gehabt, der Standort Amberg hätte an Belegschaft und Bedeutung verloren", sagte Horst Ott, Ambergs IG Metall-Chef. Konkret meint Ott das drohende Gespenst des Stellenabbaus und der Auftragsverlagerung, das eine Zeitlang die Arbeit des Betriebsratsgremiums bestimmt hat. Das Team um den Vorsitzenden Volker Jung und seine Vize Stefanie Lengfelder verhandelte so lange, bis ein Eckpunktepapier stand, das den Standort Amberg sogar noch gestärkt hat.

Viel Engagement

"Das ist ein irres und vor allem ehrenamtliches Engagement", rief Ott das am Montag in einem Pressegespräch noch einmal in Erinnerung. Stefanie Lengfelder und Volker Jung sind da bescheiden und freuen sich an der Tatsache, dass es dem BR gelungen ist, den drohenden Personalabbau und den ersatzlosen Abzug von Aufträgen aus Amberg und Cham erst einmal verhindert zu haben. Und auch beim Lieferzentrum zeichnet sich ja eine zufriedenstellende Lösung ab.

"Es lohnt sich immer, sich für Menschen einzusetzen", sagt Volker Jung. Obwohl der Betriebsrat inzwischen deutlich mehr an individueller Beratung leisten muss als früher. Obwohl der demografische Wandel auch beim technologischen Vorzeigekonzern neue Lösungen verlangt - und viele Gespräche über eine vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses. "Man darf auch die Digitalisierung und den damit verbundenen Datenschutz nicht vergessen", verweist Stefanie Lengfelder auf einen Bereich, der ebenfalls immer mehr Einsatz vom BR fordert.

Das aber in einer Situation, in der die Kompetenzen der Standortleitung schwinden, merkt IG-Metaller Horst Ott an. "Die Entscheidungen werden immer seltener auf unserer Ebene getroffen", erläutert Volker Jung den damit steigenden Einfluss des Gesamtbetriebsrats, in den der Standort wieder zwei Vertreter mit dem Mandat von 5000 Stimmen entsenden wird. "Amberg ist das größte Siemens-Werk in Deutschland", ordnet Horst Ott den Einfluss der hiesigen Betriebsräte ein. "Für die Standortleiter wird es immer schwieriger, auf die Entscheider zuzugreifen", so Horst Ott. "Da hat der Gesamtbetriebsrat den direkteren Draht."

Ausbildung wichtig

Ein Thema, das Stefanie Lengfelder noch am Herzen liegt, ist die Ausbildung, ein zentrales Thema auch im Eckpunktepapier vom Sommer des vergangenen Jahres. "Wir haben darin nicht nur die Übernahme aller Azubis durchgesetzt", so sagt sie. "Unsere Ausbildung wird endlich auch barrierefrei." Deshalb werden 2018 wieder zwei junge Menschen mit Behinderung eine Lehre bei Siemens in Amberg anfangen.

Die Beschäftigten des Weltunternehmens in Amberg haben die Wahl: Auf der Liste stehen 66 Kandidaten - darunter auch Vertreter der Christlichen Gewerkschaft Metall, die nicht wie bisher auf einer eigenen Liste kandidieren werden. Gewählt werden am Ende 31 statt bisher 29 Betriebsräte, da sich die Belegschaftszahlen im Vergleich zu vor vier Jahren noch einmal erhöht haben. Acht dieser Betriebsräte werden frei gestellt für die Arbeit im Sinne der Beschäftigten von Siemens Amberg.
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