24.05.2017 - 08:50 Uhr
Oberpfalz

Entscheidung bei Grammer-Hauptversammlung [Aktualisierung] Krachende Niederlage für Hastor

Mit überwältigender Mehrheit hat die Grammer-Hauptversammlung am Mittwochabend die Anträge der bosnischen Investorenfamilie Hastor und ihrer Gesellschaften abgelehnt. Die Abberufung des Vorstandsvorsitzenden Hartmut Müller sowie seiner Vorstandskollegen Gérard Cordonnier und Manfred Pretscher wurden gegen 20 Uhr mit etwa 63 Prozent der Stimmen abgelehnt.

von Uli Piehler Kontakt Profil

62,65 Prozent der Aktienanteile erteilten dann auch den vom Cascade-Anwalt Franz Enderle heftig unter Beschuss genommenen Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Dr. Klaus Probst, die mit Spannung erwartete Entlastung. Probst bleibt wie die restlichen Aufsichtsräte der Kapitalseite in seinem Amt.

Nahezu einstimmig fiel hingegen die Entscheidung, den Aktionären eine Dividende von 1,30 Euro pro Aktie zu bezahlen. Am Schluss der Hauptversammlung lehnte die Mehrheit der Aktionäre dann auch noch die Einsetzung eines Sonderprüfers ab, die Cascade beantragt hatte. Und auch die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen gegen den Vorstand und den Aufsichtsrat wollte die Mehrheit der Aktionäre nicht. Die Familie Hastor ist damit auf ganzer Linie mit ihrer Absicht gescheitert, die Macht bei Grammer zu übernehmen.

Nach der Abstimmung kündigte Cascade-Anwalt Franz Enderle an, Widerspruch gegen sämtliche Beschlüsse einzulegen. Höchst erfreut zeigte sich hingegen Dr. Klaus Probst, der Vorsitzende des Aufsichtsrats. Er sieht seine Position und die des gesamten Gremiums durch das eindeutige Votum gestärkt. Auch Vorstandsvorsitzender Hartmut Müller war überwältigt vom Ergebnis der Abstimmung. "Wir stehen natürlich für weitere Gespräche mit dem Großinvestor Hastor zur Verfügung", betonte er ausdrücklich.

Heftiges Tauziehen

67,3 Prozent des Stammkapitals waren am Tag der Entscheidungen im Saal vertreten, inklusive knapp fünf Prozent Briefwahlstimmrechte. Insgesamt waren zu Beginn 490 Aktionäre persönlich anwesend. Um 16 Uhr, nach etwa sechseinhalb Stunden Sitzung, waren es nur noch weniger als 200. Erst gegen 18.30 Uhr traten dann die letzten verbliebenen Aktionäre und ihre Vertreter zur Abstimmung an, die ersten Entscheidungen fielen kurz vor 20 Uhr. Mit Spannung war erwartet worden, ob sich Hastor mit seinen Anträgen durchsetzen kann, oder ob die Geschäftsführung für dieses Mal die Mehrheit behält.

Den ganzen Tag über hatte es im ACC ein heftiges Tauziehen um Formalien und einen Schlagabtausch zwischen den von Hastor kontrollierten Beteiligungsgesellschaften und dem Management gegeben. Noch kurz vor der Abstimmung hatte der Cascade-Anwalt Franz Enderle erfolglos die Einberufung einer weiteren Hauptversammlung beantragt. Trotzdem blieben die Vorwürfe, Grammer-Vorstandschef Hartmut Müller lasse sich vom Volkswagen-Konzern die Strategie diktieren. Aufsichtsratschef Dr. Klaus Probst sei nicht mehr tragbar, so Enderle, weil er den Cascade-Mann einer Straftat beschuldigt habe. Zudem habe jemand am 18. Mai gezielt einen Kurssturz der Aktie herbeigeführt.

Die Hauptversammlung war mehrfach unterbrochen worden. Schon gleich zu Beginn hatte Enderle die Ablösung von Aufsichtsratschef Probst als Versammlungsleiter gefordert. Vergebens. Vorstandsvorsitzender Müller hatte die Aktionäre aufgerufen, nicht den Anträgen von Cascade zu folgen. Die Versammlung sei möglicherweise die wichtigste in der Geschichte des Unternehmens. Müller hatte den sechsten Umsatzrekord in Folge verkündet und von großen Investitionen berichtet: Unter anderem habe Grammer 150 Millionen Euro in die Entwicklung gesteckt.

Vorwurf: Absprachen mit VW

Ein Vertreter der Schutzvereinigung für Kleinaktionäre hatte am Nachmittag angekündigt, dass seine Organisation gegen die Vorschläge der Cascade GmbH stimmen werde. Für den umstrittenen Investor war Rechtsanwalt Enderle ans Rednerpult getreten. Er warf dem Vorstandschef und dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates vor, den Anlegern Märchen zu erzählen. Die Konzernspitze habe sich mit Volkswagen abgesprochen und müsse sich deswegen von dem Autobauer künftig die Preise diktieren lassen.

Am Tagungsort hatten sich nach Angaben der IG-Metall am Vormittag rund 2500 Demonstranten versammelt. Sie verteilen Flugblätter und schwenken Fahnen. Auch Trillerpfeifen kamen zum Einsatz. Nicht nur Grammer-Beschäftigte waren vor Ort, auch viele Mitarbeiter der Siemens AG zeigten sich solidarisch. "Wir sind heute von verschiedenen Firmen da. Aber wir sind viele - wir sind Amberg", rief Stefanie Lengfelder, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei Siemens, den Demonstranten zu.

Solidaritätsbekundungen aus ganz Deutschland

"So ist das in der Oberpfalz. Wer sich mit einem von uns anlegt, legt sich mit allen an", sagte Horst Ott von der IG Metall unter lautem Beifall. Laut Ott kamen die Demonstranten aus ganz Deutschland. Darunter auch aus Zwickau, Bremen und Hardheim - sowie sogar aus Tschechien. Auch Politiker aus der Region zeigten ihre Verbundenheit, unter anderem der Bürgermeister der Nachbarstadt Sulzbach-Rosenberg, Michael Göth, und Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl. "Danke an alle aus der Politik, die uns unterstützt haben. Das tut gut", rief Ott.

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