Erste Bilanz von der IT-Beratungsstelle der bayerischen Justiz in Amberg
Amberg hilft, wenn der Computer streikt

Eine weitere Einrichtung dieser Art gibt es nur noch ein einziges Mal im Bundesgebiet. Auch insofern ist sie für die Stadt von nicht unerheblicher Bedeutung. Die Rede ist von der IT-Beratungsstelle der bayerischen Justiz. Nicht umsonst nannte sie der damalige bayerische Justizminister Dr. Manfred Weiß bei der Eröffnung im November 2002 einen "Beitrag zur Stärkung des Standortes Amberg". Als Projektleiter fungierte ein Amberger: Dr. Manfred Postler, Richter am Oberlandesgericht Nürnberg. Er zieht jetzt eine erste Bilanz.

Dass die Informationstechnologie-Beratungsstelle, zu finden in der email-Fabrik an der Marienstraße, nicht in München oder Nürnberg, sondern im kleinen Amberg angesiedelt wurde, hatte Postler schon mit Stolz erfüllt. Sie ist Ansprechpartner sämtlicher Beschäftigten der Justiz im Freistaat bei Fragen und Problemen rund um den Computer am Arbeitsplatz.

Vernetzung der Arbeitsplätze

"Stand am Anfang die Aufgabe, 500 Mitarbeiter zu betreuen, sind es heute bereits 4000", beschreibt Postler die zügige Entwicklung des Service-Unternehmens. 2007, wenn alle Arbeitsplätze bayernweit vernetzt sind, werden es nach seinen Angaben dann etwa 12 000 sein, die in Amberg anrufen können, sollten Computer oder Drucker streiken oder unklar sein, wie die spezielle Justiz-Software bedient werden will. Derzeit arbeiten Postler zufolge zehn Mitarbeiter der Justiz und sechs von der Firma T-Systems in der IBS, so die Kurzbezeichnung der Beratungsstelle. Im Endausbau werden es mindestens 40 Leute sein.

Verzicht auf örtliche Computerbetreuung

"Die anfangs verbreitete Skepsis, der Verzicht auf die gewohnte örtliche Computerbetreuung bei jedem Gericht werde zu Problemen führen, ist dem Lob und der Anerkennung gewichen", berichtet Postler. Das IBS-Team habe sich den Ruf von freundlichen, schnellen und kompetenten Helfern erworben. Weil sie sich auf den Computer des Anrufers aus der Ferne aufschalten können, sei es möglich, über 60 Prozent aller Fragen und Probleme noch während des Telefongesprächs zu erledigen. Nur schwierigere Fälle und besondere technische Schwierigkeiten müssten an Spezialisten weitergegeben werden.

Einmalig in der bayerischen Staatsverwaltung

"Auch die Erreichbarkeit, oft der Flaschenhals bei vergleichbaren Einrichtungen, ist anerkannt gut", lobt Richter Postler. Denn "85 Prozent aller Anrufer sprechen innerhalb von 20 Sekunden persönlich mit einem Berater oder einer Beraterin". Die Mitarbeiter haben sich mittlerweile auch daran gewöhnt, dass ihnen oft Besucher über die Schulter schauen. Ihre Arbeit und die Dienststelle, so Postler, seien schließlich in der bayerischen Staatsverwaltung einmalig und hätten bereits das Interesse anderer Ressorts geweckt hat, die ihre Computerbetreuung ebenfalls straffen und professionalisieren wollen. Aber auch Besucher von Justizverwaltungen anderer Bundesländer waren schon in Amberg, um sich über das Erfolgsrezept zu informieren.