26.04.2017 - 15:30 Uhr
Oberpfalz

Gerichtsentscheidung lässt Grammer-Mitarbeiter aufatmen Leise Hoffnung

Ob es ein entspannter Vatertag wird? Am Vorabend von Christi Himmelfahrt entscheidet sich bei der Aktionärsversammlung im ACC die Zukunft des Grammer-Konzerns. Ein neues Gerichtsurteil nährt die Hoffnung auf ein gutes Ende.

Am Montag protestierten an den Grammer-Standorten fast 2000 Mitarbeiter gegen die Übernahmepläne der Industriellenfamilie Hastor. Im Stammwerk Haselmühl (Bild) folgten 700 Beschäftigte dem Aufruf der Gewerkschaft. Bild: Hartl
von Uli Piehler Kontakt Profil

Doch von Entwarnung könne keine Rede sein, betont der Amberger IG-Metall-Chef Horst Ott. "Es wäre schön, wenn es so wäre. Aber es wird sich erst bei der Hauptversammlung zeigen, wie es mit Grammer weitergeht." Wie berichtet, hat das Landgericht Nürnberg-Fürth am Dienstag den Weg für die Beteiligung des chinesischen Unternehmens Ningbo Jifeng an der Grammer AG freigemacht. Damit könnte die Übernahme durch die umstrittene Industriellenfamilie Hastor verhindert werden.

Gerade noch rechtzeitig

Der Gerichtsbeschluss kam gerade noch rechtzeitig. Denn Grammer-Investoren müssen spätestens am Mittwoch, 3. Mai, im Besitz der Aktien sein, die für die Hauptversammlung drei Wochen später als stimmberechtigt registriert werden sollen. Hastor war mit rechtlichen Schritten gegen die Strategie der Grammer-Führung vorgegangen, sich den chinesischen Partner ins Boot zu holen. Ningbo Jifeng steigt mit rund 60 Millionen Euro bei Grammer ein, das entspricht etwa 9,2 Prozent der Unternehmensanteile. Hastor hält zwischen 20 und 30 Prozent der Aktien.

Welle der Solidarität

In der Belegschaft sei die Entscheidung des Landgerichts Nürnberg-Fürth mit "sehr großer Erleichterung" aufgenommen worden, heißt es aus Kreisen des Betriebsrats. "Wir haben jetzt eine viel günstigere Ausgangsposition." Betriebsrat und IG Metall rufen jetzt die Kleinanleger auf, an der Hauptversammlung teilzunehmen oder ihr Stimmrecht zu übertragen. Horst Ott berichtet auch von einer Welle der Solidarität. Nach dem Aktionstag am Montag hätten sich Aktionäre aus ganz Deutschland gemeldet und angekündigt, zur Hauptversammlung nach Amberg zu fahren.

Wir wollen zeigen, dass es hier nicht um Aktienpakete geht, sondern um Arbeitsplätze und Menschen.Horst Ott, IG Metall Amberg

Die Gewerkschaft will am 24. Mai vor dem Kongresszentrum noch einmal die Mitarbeiter auf die Straße holen. "Wir wollen zeigen, dass es hier nicht um Aktienpakete geht, sondern um Arbeitsplätze und Menschen", sagte Ott.

Ningbo Jifeng

Der chinesische Autozulieferer Ningbo Jifeng (NBJF) tritt im Übernahmekampf bei der Grammer AG als weißer Ritter auf. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Ningbo - einer Hafenstadt mit fünfeinhalb Millionen Einwohnern, etwa drei Autostunden südlich von Shanghai am ostchinesischen Meer gelegen. Gegründet 1996, beschäftigt NBJF nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 2600 Mitarbeiter an acht Standorten in China mit Produktionsflächen von rund 150 000 Quadratmetern. Der Umsatz lag im Jahr 2015 bei rund 155 Millionen Euro. NBJF ist demnach deutlich kleiner als die Grammer AG mit 12 250 Mitarbeitern weltweit und einem Umsatz von 1,696 Milliarden Euro.

NBJF hat sich - ähnlich wie Grammer - spezialisiert auf die Entwicklung und die Produktion von Kopfstützen, Mittelarmlehnen und Türarmauflagen. Zu den größten Kunden gehören neben Volkswagen und BMW auch andere Autozulieferer wie Faurecia. Das Unternehmen unterhält noch ein Auslieferungslager in Toronto (Kanada). In Deutschland hat das Unternehmen eine Vertretung in Kitzingen, die Jürgen Hürtgen leitet. Hürtgen war vor zehn Jahren Geschäftsführer bei Grammer. (upl)

Weitere Informationen unter www.onetz.de/themen/grammer

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