09.05.2017 - 20:54 Uhr
Oberpfalz

Grammer-Krisengipfel im Wirtschaftsministerium Fehde folgen diskrete Gespräche

Der Anfang ist gemacht: Die Verantwortlichen der Grammer AG und der bosnischen Investoren-Familie Hastor reden miteinander. Bei dem zweistündigen Krisengipfel im bayerischen Wirtschaftsministerium verständigten sich die Beteiligten in der Sache allerdings auf striktes Stillschweigen.

Ungewisse Zukunft: Auch nach der zweistündigen Gesprächsrunde sah sich ein Teilnehmer zu einer seriösen Einschätzung, wie es bei der Grammer AG (weltweit 12 000 Beschäftigte) weitergeht, nicht im Stande. Bild: Petra Hartl
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

München/Amberg. Das Gespräch unter Moderation der gastgebenden Wirtschaftsministerin Ilse Aigner dauerte mehr als zwei Stunden. Am Dienstag um 16 Uhr versammelten sich - neben Aigner - in München: für die Grammer AG Vorstandschef Hartmut Müller, Aufsichtsratsvorsitzender Dr.-Ing. Klaus Probst und Vize-Aufsichtsratsvorsitzender Horst Ott (IG Metall); für die Hastor-Investoren der Geschäftsführer der Preventgroup, Dr. Christian Becker und Rechtsanwalt Professor Dr. Wolf-Rüdiger Bub von der Münchener Promi-Kanzlei Bub, Gauweiler und Partner. Als sozusagen neutrale Persönlichkeit hatte Wirtschaftsministerin Aigner die verfeindeten Lager an einen Tisch geholt: eine sowohl beherzte, als auch sensible Aufgabe ...

Nachdem sich die Grammer-Leute und das Hastor-Lager in den vergangenen Monaten in der Öffentlichkeit erbittert beharkt und befehdet hatten, war die Atmosphäre - dem Vernehmen nach - "der Lage angemessen" und "nicht einfach". Ein Teilnehmer wertete das Gesprächsklima als "professionell". Nach dieser "ersten und zarten, vertrauensbildenden Maßnahme" verständigten sich die Beteiligten auf weitere "diverse Gespräche auf verschiedenen Ebenen". Die heftigen Konfrontationen scheinen nun - zumindest vorerst - beigelegt worden zu sein.

Hohe Abfindung

Die tatsächlichen Entscheidungen fallen am 24. Mai auf der Hauptversammlung, wenn die Hastor-Seite (Eigentümerin der Preventgroup) mit geschätzten 20 bis 30 Prozent der Grammer-Aktien CEO Müller ablösen und die Kontrolle im Aufsichtsrat übernehmen will, um mehr Gewinn zu machen. Betriebsrat und IG Metall lehnen die Machtübernahme ebenso deutlich ab wie die Industrieverbände. Bedenken gibt es in den Wirtschaftsministerien München und Berlin mit Blick auf die Sicherheit der Standorte und Arbeitsplätze. Unterstützung bekommt Grammer von den Kunden, allen voran VW, Daimler und BWM. Quasi die "Hintergrundmusik" zu der Fehde lieferte ein noch nicht ausgestandenes juristisches Hickhack zwischen Grammer und Hastor. Der chinesische Zulieferer Ningbo Jifeng soll als "weißer Ritter" Grammer-Stimmrechte über eine Wandel-Anleihe erhalten. Nach Medienberichten sicherte der Grammer-Aufsichtsrat inzwischen jedem Vorstandsmitglied drei volle Jahresgehälter zu, sollten die Hastors nachweislich ein Viertel der Aktien kontrollieren. Dann könnte das Management von sich aus kündigen.

Nach Informationen unserer Zeitung kam es zwischen November 2016 und Januar 2017 zu mehreren - schriftlichen - Gesprächsangeboten der Hastor-eigenen Preventgroup an die Grammer AG.

"Vertrauensvoll und verlässlich"

Die Erklärung des Wirtschaftsministeriums durch Sprecherin Katrin von Randenborgh im Wortlaut:

"Nach einem Gespräch über zukünftige Entwicklungen des Automobilzulieferers Grammer unter Leitung von Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner sind die Beteiligten übereingekommen, dass eine gute Zukunft des Unternehmens und die Sicherung der Arbeitsplätze bei Grammer oberste Priorität haben. Aigner wertete es als Fortschritt, dass es gelungen sei, erstmals alle Beteiligten zu einem gemeinsamen Gespräch zu bewegen. Vertrauensvolle und verlässliche Beziehungen zu Kunden und Mitarbeitern seien die Voraussetzung für eine positive Entwicklung von Grammer, sagte Aigner. Darüber, wie das zu erreichen sei, seien weitere Gespräche nötig. Für diesen Prozess sei Stillschweigen vereinbart worden."

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