28.02.2018 - 14:42 Uhr

Grammer: Unbekannter versendet "geheimes" Schreiben Anonym und nahezu bedeutungslos

Das Schreiben war anonym und erreichte wohl gezielt ausgewählte Adressaten - unter anderem auch die IG Metall in Amberg und unsere Wirtschaftsredaktion. Unter Berufung auf "Gesprächsfetzen, aufgeschnappt in Nürnberg" aus dem Mund des Grammer-Vorstandsvorsitzenden Hartmut Müller teilte ein Unbekannter mit, dass das Grammer-"Bahnwerk in Haselmühl" vor der Schließung stehe.

Auch ganze edle Teile - wie dieser Premiumsitz für den ICE - stammen aus der Produktion der Bahnsparte von Grammer.
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Vorgesehen sei "unter hoher Geheimhaltung - Verschwiegenheitserklärungen!!" - die Produktionsverlagerung in die tschechische Grammer-Niederlassung in Chatez. Die Produktion solle bereits im März starten, Lieferbeginn sei im April. Deshalb werde in Chatez nach Lagerflächen gesucht.

Von einer Verlagerung mit großen Auswirkungen wollte Horst Ott, Erster Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle in Amberg und stellvertretender Vorsitzender des Grammer-Aufsichtsrats, in diesem Zusammenhang nicht reden. Auch bei ihm lagen die Zeilen des unbekannten Verfassers auf dem Schreibtisch. Was deren Inhalt anlangt, legte Ott dar, werde hier ein Vorgang aufgegriffen, der auch schon in Betriebsversammlungen behandelt worden sei. Die Herstellung von Sitzen für Bahnpassagiere, darunter auch für jene des ICE, sei, bezogen auf Gesamt-Grammer ein Nischenbereich. Konkret gehe es um zehn bis zwölf Arbeitsplätze, die tatsächlich künftig im nicht ausgelasteten Werk in Chatez eingerichtet werden. Das bedeute jedoch nicht, dass die genannte Anzahl an Stellen in Haselmühl verloren gehen würde: "Die Kollegen schweißen halt künftig nicht an Sitzen für Züge, sondern beispielsweise solchen für Lastwägen."

Diese Aussage teilte auch Lars Roder, der Vorsitzende des Grammer-Betriebsrats und Mitglied des Aufsichtsrats des Unternehmens. Und er betonte: "Da ist nichts geheim." Derzeit gehe es bei den Verhandlungen mit der Geschäftsführung um den Interessensausgleich für die etwa zehn direkt Betroffenen. Die personalintensiven Bereiche dieser Kleinsparte, der Vertrieb und Verkauf, verblieben auf jeden Fall in Haselmühl. Apropos Haselmühl: Roder machte keinen Hehl daraus, dass dieser Standort regelrecht boome. "Hier wurden vergangenes Jahr rund 100 Leute neu eingestellt. Und was ihn als Personalvertreter besonders freue: "Nicht über Leiharbeiterfirmen, sondern direkt bei Grammer."

Eine Anfrage bei der Unternehmensleitung zum eingangs erwähnten Brief wollte Grammer-Sprecher Ralf Hoppe nicht weiter kommentieren: "Aufgrund eines anonymen Schreibens geben wir keine Stellungnahme ab."

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