13.05.2018 - 13:16 Uhr
Oberpfalz

Hans-Jürgen Frey über E-Autos und wie sie sich durchsetzen könnten "Preis darf den Käufer nicht abschrecken"

Mit erneuerbaren Energien und Photovoltaik befasst sich Hans-Jürgen Frey seit 1991 und betreibt seither eine eigene Anlage. Die erste überhaupt in Amberg, die nach wie vor störungsfrei mehr Strom liefert, als er selbst verbraucht, wie er sagt.

Die AZ sprach bei der "AMotion" mit Hans-Jürgen Frey. Bild: gf
von Autor GFRProfil

Wärme und weiteren Strom liefert ein Blockheizkraftwerk im Keller. Frey ist einer der Mitbegründer der Info-Stelle Amberg des Solarfördervereins. Er ist seit sieben Jahren im E-Mobil unterwegs, etwa 15 000 Kilometer im Jahr. Herr Frey, wie ist es aktuell um Kosten und Nutzen der E-Autos bestellt?

Hans-Jürgen Frey: E-Mobile werden in den Medien viel zu wenig dargestellt, ihre klaren Vorteile wie leises, emissionsfreies Fahren mit dynamischem Fahrspaß unter den Teppich gekehrt. Gerade diese Ausstellung soll zeigen, dass es E-Mobile wie den Renault Twizy bereits ab unter 10 000 Euro gibt, im Luxus-Bereich bietet Tesla Fahrzeuge an, die durchaus 150 000 Euro und mehr kosten können. Hier stehen keine von Händlern zur Verfügung gestellten Fahrzeuge, alle E-Mobile sind Privat-Fahrzeuge. Ein Teilnehmer kommt mit seinem Hyundai aus Aachen, hatte 600 Kilometer Anfahrtsweg und musste dreimal nachladen. Unsere E-Mobil-Ausstellung mit mehr als 20 Fahrzeugen zeigt, welche Fahrzeuge derzeit auf dem Markt angeboten werden.

Wie sieht es mit der Infrastruktur, sprich mit Ladestationen aus?

E-Mobile werden zwar größtenteils zu Hause aufgeladen, für längere Strecken sollte jedoch dringend die Infrastruktur mit Ladestationen, auch mit Schnellladestationen, zügiger ausgebaut werden. Vor etwa vier Jahren gab es in Deutschland 4000 oder 5000 Ladestationen, heute schon über 10 000, und am Ausbau wird gearbeitet. Während hierzulande die Zulassungszahlen für E-Mobile bei 1,8 Prozent liegen, verzeichnet Norwegen gut 50 Prozent. Aber dort haben E-Mobil-Fahrer klare Vorteile, etwa landesweit kostenlose Ladestationen, kostenlose Nutzung von Fähren. Im allgemeinen Straßenverkehr dürfen sie auch die den Bussen vorbehaltenen Fahrstreifen nutzen und kommen weitaus zügiger voran.

Welche Forderungen haben Sie an Politik und Hersteller?

Neben dem Ausbau der Infrastruktur für Ladestationen sollte die Automobilindustrie neben Kleinfahrzeugen auch mehr E-Autos der Golf-Klasse produzieren, aber der Preis darf den Käufer nicht abschrecken. Großen Wert lege ich darauf, dass E-Autos möglichst direkt über eine PV-Anlage oder mit Öko-Strom aus dem Netz umweltfreundlich geladen werden. Die Bevölkerung muss stärker für erneuerbare Energien sensibilisiert werden, denn Strom, der aus einer PV-Anlage eingespeist wird, muss nicht anderweitig mit Kohle- oder Gaskraftwerken oder Atomkraftwerken erzeugt werden. Ladestrom muss schneller fließen. Hervorzuheben ist, dass auf Drängen der EU-Kommission einheitliche Ladestecker für ganz Europa vorgeschrieben sind. Gerade osteuropäische Länder entwickeln sich mustergültig, bauen das Netz aus und wollen damit ihre Touristikindustrie vorantreiben. Für zahllose Hotels großer Ketten ist es selbstverständlich, dass ihre Gäste ihr E-Mobil an der hoteleigenen Ladestation nachtanken können - und das sollte allgemein Schule machen.

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