09.01.2018 - 16:16 Uhr
Oberpfalz

IG Metall Amberg kampfbereit Erste Warnstreiks in der Region

"Wir haben eine bombastische wirtschaftliche Lage. Aus welchen Gründen sollten die Menschen in den Betrieben davon nichts abkriegen?", diese Frage warf am Dienstag Horst Ott vor Medienvertretern im Gewerkschaftshaus angesichts der laufenden Tarifrunde auf.

Für Horst Ott, Erster Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Amberg, wird sich sein Traum (zitiert in unserer Silvesterausgabe) von einer Tarifauseinandersetzung ohne Warnstreiks auch heuer nicht erfüllen. Bild: Hartl
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Der Erste Bevollmächtigte der IG-Metall-Verwaltungsstelle Amberg weiß in den Verhandlungen nicht nur sein sechsköpfiges Streikteam vor Ort hinter sich, sondern auch über 12 000 Beschäftigte aus der Metall- und Elektroindustrie in der Region sowie in den Holz und Kunststoff verarbeitenden Betrieben. Unmissverständlich betonten er und sein Vertreter Udo Fechtner, dass die IGM sehr wohl gewillt sei, für ihre Kernforderung von sechs Prozent mehr bei Löhnen und Gehältern sowie für eine individuelle Reduzierung der Arbeitszeit nachhaltig einzutreten.

Obwohl die Gewerkschaft und die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie in Bayern (VBM) bei der Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage "nicht weit auseinander gewesen sind", sei die in der zweiten Runde vorgelegte VBM-Offerte, nicht mehr nachvollziehbar.

Otts Kommentar: "Wenn wir das alles zusammenrechnen, kommt für uns eine satte Minusrunde heraus", kritisierte er. Und er meinte damit nicht nur das Lohn- und Gehaltsangebot von zwei Prozent mehr ab April, sondern insbesondere die beabsichtigte Streichung von Mehrarbeitszuschlägen. "Da bist du kurzzeitig fassungslos, wenn du sowas hörst", fasste er seine Haltung zusammen.

Die Stimmung in den Fabriken und Werksanlagen der Region sei durchaus auf Streik ausgerichtet. Schließlich seien überall volle Auftragsbücher vorhanden, in keinen Betrieben gebe es Kurzarbeit, nahezu alle leisteten Überstunden - davon profitiere bis dato nur die Arbeitgeberseite: "Das ist keine Wertschätzung gegenüber der Arbeit der eigenen Leute", monierte Ott.

Deshalb stünden die Zeichen in einer ersten Stufe der Auseinandersetzung ab sofort auf Warnstreiks - beginnend am Mittwoch mit den Schichten bei Siemens in Amberg und Kemnath. Weitere würden im Laufe der Woche folgen.

Sollte es zu keiner Einigung der Parteien bis zur Einleitung von Phase II kommen, stünden ab 19. Januar erstmals 24-Stunden-Warnstreiks in ausgesuchten Betrieben auf dem Programm. Dies habe dann schon den Charakter von Erzwingungsstreiks, verdeutlichte der Bevollmächtigte und kündigte sehr spürbare Wirkungen auf die betroffenen Unternehmen an. In der weiteren Folge seien Urabstimmung und auch flächendeckende Arbeitsniederlegungen ins Auge gefasst.

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