27.02.2018 - 16:14 Uhr

IG Metall und Betriebsrat der Luitpoldhütte blicken auf Krise zurück Monate der Angst vorüber

Heute können sie wieder lachen. Ähnlich wie vor vier Jahren, als die noch aktuelle Belegschaftsvertretung der Luitpoldhütte ihre Arbeit aufnimmt. Damals mit dem Freistaat als Anteilseigner im Boot, mit Aufsichtsrat, stabiler Auftragslage, über 500 Beschäftigten. Eineinhalb Jahre später der Konkurs, verbunden mit der Angst vor der Werksschließung.

Heute haben sie beide gut lachen - LH-Betriebsratsvorsitzender Christian Zwack und der Erste Bevollmächtigte der IG-Metall-Verwaltungsstelle, Horst Ott. Das war in den zurückliegenden vier Jahren beileibe nicht immer so. Über zwei Jahre nach dem Konkurs der damaligen Luitpoldhütte AG sind beide davon überzeugt, dass die Gießerei auf dem richtigen Weg ist: "Wir haben es geschafft." Bild: Hartl
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Horst Ott machte zu Wochenbeginn in einem Gespräch im Vorfeld der anstehenden Betriebsratswahlen gar kein großes Geheimnis daraus, wie wichtig ihm eine starke Personalvertretung erscheint: "Die Luitpoldhütte ist ein Paradebeispiel dafür, was eine Belegschaft und ihre Abgesandten erreichen können", sagte der Erste Bevollmächtigte der IG-Metall-Verwaltungsstelle Amberg.

Ohne den Einsatz des Betriebsrates (BR), an der Spitze Vorsitzender Christian Zwack, würde die Gießerei heute nicht da stehen, wo sie nun angekommen ist: Auf der sicheren Seite. "Hätte ein Politiker all die Investitionen hierhergebracht, wie es der Betriebsrat getan hat, dann würden sie ihn auf der Sänfte durch Amberg tragen", so Horst Ott im Brustton der Überzeugung.

An der Stelle blendete BR-Vorsitzender Zwack auf den März vor vier Jahren zurück. Damals seien auch Betriebsratswahlen - wegen der über 500 Beschäftigten für ein elfköpfiges Gremium - vor der Tür gestanden. Nichts habe auf das sich später ergebende Fiasko hingedeutet: Stabile Auftragslage, der Freistaat Bayern als Minderheitsgesellschafter im damals russischen Eigentümerboot, ein funktionierender Aufsichtsrat, Montanmitbestimmung. "Was soll da schon schiefgehen, haben wir damals gedacht", erinnerte sich Zwack.

Immer mehr Geld weg

Doch nach einem Jahr das unvermittelt aufgetretene, gedankliche Hoppla: "Statt zu investieren, haben die Russen immer mehr Geld abgezogen." Es folgten Auftragseinbrüche, Kurzarbeit, der nahezu unvermeidliche Weg direkt hinein in den Konkurs. Am 27. August 2015 wurde der Antrag beim Amtsgericht in Amberg gestellt. Fortan waren Betriebsrat und IG Metall in bis dahin nicht gekannter Form gefordert. Horst Ott fasste die Ereignisse und die Rolle der Belegschaftsvertretung in einem Satz zusammen: "Entweder du sperrst die LH mit zu oder du schaust, dass es wieder aufwärts geht." Die beiden Betriebsversammlungen, die eine mit den über 500 Beschäftigten, die zweite kurz darauf ohne die über 100 zur Entlassung anstehenden Kollegen, hätten sich eingeprägt. Christian Zwack beispielsweise erzählte von 17 Mitarbeiter-Ehefrauen, die ihn telefonisch und persönlich davon überzeugen wollten, dass ihre Männer ihren Job nicht verlieren dürften. Oder jene Geschichte von einem Mitarbeiter, der in seiner Eigenschaft als Betriebsrat der Entlassung seines eigenen Bruders zustimmen musste.

Der Gläubigerausschuss habe dem Betriebsrat in diesen Tagen der Ungewissheit drei Übernahmekandidaten vorgestellt und der Belegschaft die Entscheidungshoheit über den künftigen Partner auf der Chefseite überlassen. Heute wisse man, dass mit der luxemburgischen Holding, der Firmengruppe Ogepar, die richtige Lösung gefunden wurde. Zugleich hätten sich für die freigesetzten Kräfte neue Stellen bei anderen Firmen aufgetan. Und über 20 Ex-Kollegen seien inzwischen wieder in Diensten der LH. Die Gießerei zähle heute, inklusive Azubis und Leiharbeiter, 460 Beschäftigte. Zu verdanken sei dies der Zuverlässigkeit von Ogepar. Das Familienunternehmen halte nicht nur zugesagte Investitionen ein, sondern nehme darüber hinaus noch weitere Gelder für die Gießerei in Hand. Das gilt für die Produktion ebenso, wie für die Zufriedenheit des Personals in der Freizeit.

Stück Unternehmenskultur

Ogepar setze damit ein Stück Unternehmenskultur fort: Die beiden Urlaubs- und Ferienhütten bei St. Englmar wurden und werden schrittweise weiter saniert und damit wieder attraktiver. Auch dass die Ausbildung weiterläuft wie früher - aktuell mit 30 Azubis - sei nicht selbstverständlich, sondern der Personalvertretung zu verdanken. Diese habe damit bei den neuen Besitzern Überzeugungsarbeit geleistet.

Luitpoldhütte

Bei der Luitpoldhütte handelt es sich um eine 1883 gegründete Gießerei, die nach dem Aus der Maxhütte das letzte größere Unternehmen der Schwerindustrie in der Region ist. Benannt ist das Unternehmen nach dem bayerischen Prinzregenten Luitpold. 2015 war der Betrieb mehrere Monate in Insolvenz. Am 31. Dezember 2015 verlor die Hütte ihren Status als Aktiengesellschaft. Seit dem 1. Januar 2016 ist die Luitpoldhütte eine GmbH, die zu 100 Prozent zur Luxemburger Ogepar-Gruppe gehört, die unter anderem in Frankreich zwei Gießereien betreibt. Mit diesem Schritt zog sich der Freistaat als Teileigentümer zurück, der zuletzt mit 26 Prozent an der Aktiengesellschaft beteiligt war. Aktuell beschäftigt das Unternehmen rund 460 Mitarbeiter. (tk)

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