26.04.2018 - 10:50 Uhr
Oberpfalz

IHK Amberg-Sulzbach präsentiert exorbitante Zahlen Ambergs Wirtschaftswunder

Beim Wirtschaftswunder denkt man eigentlich an die 1950er-Jahre. Doch es gibt einen weiteren Boom, der diesen Namen verdient: Er spielt sich aktuell in und um Amberg ab.

Sitzfertigung bei Grammer: Das Unternehmen hat erst vor ein paar Tagen einen lukrativen Auftrag mit einem Gabelstapler-Hersteller in den USA abgeschlossen. Bild: Hartl
von Uli Piehler Kontakt Profil

Die Zahlen, die der Leiter der IHK-Geschäftsstelle Amberg-Sulzbach, Johann Schmalzl, präsentiert, sind beeindruckend: Der größte Wirtschaftszweig in Amberg, das verarbeitende Gewerbe, hat im Jahr 2017 rund 12,6 Prozent mehr Umsatz erwirtschaftet. Ein Betrag von mehr als 2,7 Milliarden Euro steht zu Buche - im Vergleich zum Industriesektor der Nachbarstadt Weiden ist das fast sieben Mal so viel. Und der Trend für 2018 sieht sogar noch besser aus. In den ersten Monaten dieses Jahres lag der Umsatzzuwachs bei 17,3 Prozent.

Risiko Weltmarkt

"Das ist ein Beleg für die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen", sagt Schmalzl. Vor allem international. Denn die Exporte der regionalen Unternehmen sind stärker gestiegen, als die Umsätze. Die Amberger Firmen hatten 2017 einen Exportzuwachs von 17,2 Prozent zu verzeichnen. Noch deutlicher wird die internationale Ausrichtung der regionalen Wirtschaft beim Blick auf die Exportquote. Sie liegt für die in der Stadt ansässigen Betriebe bei 78,9 Prozent. Das heißt: Die Amberger Unternehmen verkaufen mehr als zwei Drittel ihrer Produktion direkt ins Ausland. Etwa zwei von drei Arbeitsplätzen hängen vom Weltmarkt und dem freien Zugang zu den Märkten ab. Ein wunder Punkt laut dem Vorsitzenden des IHK-Gremiums Amberg-Sulzbach, Rolf Pfeiffer (Deprag): "Deshalb sind die Tendenzen zu einer Abschottung der eigenen Märkte für unsere Unternehmen und Arbeitsplätze gefährlich." Die Vereinigten Staaten haben einen solchen Weg eingeschlagen. Jetzt räche sich laut Schmalzl, "dass wir das TTIP-Abkommen nicht unter Dach und Fach gebracht haben". Es hätte "klare, faire und gute Spielregeln für den gegenseitigen Marktzutritt" geboten. Gerade die kleineren Unternehmen profitierten von solchen Handelsabkommen. Siemens, Grammer, Baumann, Deprag, Luitpoldhütte, Herding, Lüdecke, Preh-Ima, Kerb-Konus - die Liste der Global-Player in Amberg ist lang. Daher rührt eine der bayernweit höchsten Industriedichten (Zahl der Industriearbeitsplätze je 1000 Beschäftigte). Der Wert für Amberg liegt bei 212 und damit knapp über dem von Regensburg, obwohl dort die großen Werke von BMW, Conti und Siemens stehen. 2005 gab es in Amberg 21 394 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Bis Ende 2017 kamen 5723 hinzu, was einem Plus von 26,8 Prozent entspricht. Schmalzl: "Der Stellenzuwachs wäre deutlich höher ausgefallen, wenn die benötigten Arbeits- und Fachkräfte verfügbar wären."

Handlungsbedarf

Schmalzl, sein Kollege Bernhard Reif von der IHK-Geschäftsstelle und Pfeiffer sehen Handlungsbedarf - nicht nur wegen des Fachkräftemangels. Sie fordern unter anderem eine steuerliche Entlastung für Unternehmen und Mitarbeiter auf internationales Vergleichniveau, bessere digitale Infrastruktur und einen Abbau von Bürokratie. Insgesamt aber ist Pfeiffer optimistisch: "Wir sind bei großen Zukunftsthemen in der Pole Position."

Der Stellenzuwachs wäre deutlich höher ausgefallen, wenn die benötigten Arbeits- und Fachkräfte verfügbar wären.IHK-Geschäftsstellenleiter Johann Schmalzl
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