IHK fordert mehr Zusammenarbeit
Die Zukunft ist interkommunal

Im Hintergrund das Kirchlein Maria Schnee, davor die B 299. Westlich davon soll das interkommunale Gewerbegebiet beginnen. Erschlossen werden soll es laut OB Michael Cerny über die Kreisstraße AS 4. Bild: Steinbacher

Die Gemeinden rund um Amberg haben sie zum Teil im Überfluss, die Stadt selbst verfügt aber kaum mehr über sie: freie Gewerbeflächen. Daher fordert der IHK-Geschäftsstellenleiter mehr interkommunale Zusammenarbeit. Anderswo gibt es die schon längst.

Amberg. (ass) Das Problem ist mit Sicherheit kein neues, eine für alle befriedigende Lösung aber noch immer nicht in Sicht: Viele Gemeinden haben mit der Ausweisung und Erschließung von Gewerbeflächen die Voraussetzungen für eine weitere positive Entwicklung geschaffen. In Amberg selbst fehlen aber schlicht die Grundstücke, die für Gewerbeansiedlungen verwendet werden könnten. Die Folge ist eine Abwanderung von Betrieben, die neu bauen oder sich erweitern wollen.

Aus diesem Grund erfolgt erneut der dringende Appell der örtlichen Industrie- und Handelskammer, endlich von der tradierten Kirchturmpolitik Abschied zu nehmen und nach Lösungen auf interkommunaler Ebene zu suchen. "Weil in Amberg kaum noch freie Gewerbeflächen verfügbar sind und weil die Flächen für neue Ausweisungen fehlen, muss die Stadt in Zusammenarbeit mit den Umlandgemeinden in einem konstruktiven Dialog zukunftsfähige Lösungen entwickeln", fordert Amberg-Sulzbachs IHK-Geschäftsstellenleiter Johann Schmalzl.

Keine neue Erfindung

Interkommunale Gewerbegebiete sind keine Neuerfindung unserer Region. Bundesweit wird das Modell teilweise schon seit 20 und mehr Jahren praktiziert. So existiert in unmittelbarer Nähe seit 1998 der Gewerbepark Nürnberg-Feucht-Wendelstein, in dem über 50 Betriebe ansässig sind. Gerade die Metropolregion Nürnberg zeigt sich durchaus erfinderisch auf diesem Gebiet. So haben gleich acht Kommunen den Industriepark "InterFranken" entwickelt, der mit rund 81 Hektar im Bereich des Autobahnkreuzes A6/A7 (Feuchtwangen/Crailsheim) liegt. Dabei gehen die Beteiligten bei der Ausweisung von interkommunalen Gewerbegebieten mit zum Teil ganz unterschiedlicher Motivation an die Umsetzung. Dem einen Partner - beispielhaft könnte hier Amberg stehen - fehlen Grund und Boden, um neue Betriebe ansiedeln oder alte auf längere Sicht halten zu können.

Andere haben reichlich davon, scheuen aber die enormen Vorleistungen für den Kauf des Geländes, seine Erschließung und Vermarktung. An diesem Punkt können sich die sonst oft sehr unterschiedlichen Interessen schnell überschneiden. Ganz praktische Überlegungen haben beispielsweise im nördlichen Schwarzwald zur Gründung einer Reihe von "Interkoms" geführt. Hier ducken sich die Städte und Dörfer meist in den engen Tälern der Flüsse Enz und Nagold, Flächen für Betriebsansiedlungen sind entsprechend rar und begehrt.

Beispiel Ebermannsdorf

Glücklich die Gemeinde, die zufällig ein großes, ebenes Grundstück sein Eigen nennt und es - gemeinsam mit den Nachbarn - entwickeln kann. Die erforderlichen ökologischen Ausgleichsflächen weisen die in Folge gegründeten Zweckverbände dann oft an den steilen Hängen des Schwarzwalds in einer anderen beteiligten Gemeinde aus. Dass es aber auch ganz anders geht, hat die Gemeinde Ebermannsdorf mit Schafhof III gezeigt. Die Ebermannsdorfer haben auf eine interkommunale Lösung verzichtet und mit den Münchener Investoren Hansjörg Grünauer und Richard Heckner zwei private Entwickler ins Boot genommen, die das finanzielle Risiko tragen und erst von den längerfristig erwarteten Erfolgen des neuen Gewerbegebiets profitieren. Schließlich, so wird der Ebermannsdorfer Bürgermeister Josef Gilch (CSU) zitiert, stemme eine Gemeinde wie Ebermannsdorf solch hohe Investitionen nicht gerade aus der Portokasse.

Aufwand und Ertrag fair teilenAuf dem Wunschzettel der örtlichen Politik existiert das interkommunale Gewerbegebiet von Ursensollen und Amberg schon seit über zehn Jahren. Umgesetzt worden ist es bisher aber nicht. "Das war nicht ganz glücklich", bringt Oberbürgermeister Michael Cerny die Startschwierigkeiten der Vergangenheit diplomatisch auf den Punkt.

Nun soll aber alles besser werden. Mit der renommierten Wirtschafts- und Rechtsberatungskanzlei Rödl & Partner als neutrale Instanz gehen die Verhandlungen laut Cerny inzwischen ganz gut voran: "Wir haben das Gebiet auch ein Stück weiter in Richtung Ursensollen geschoben." Derzeit werde am Vertragsentwurf gearbeitet, die finale Entscheidung treffen aber die politischen Gremien der Partnergemeinden.

Ziel ist es, zunächst einmal die vertragstechnischen Dinge fertig zu machen, die Regelungen hinsichtlich Finanzierung und Ertrag beispielsweise. Erst dann geht es an den erforderlichen Grunderwerb. "Aber wir sind schon relativ weit gekommen", verbreitet der Oberbürgermeister vorsichtigen Optimismus. Ursensollen ist aber nicht die einzige Nachbargemeinde, mit der die Stadt derzeit im Gespräch ist. "Uns schwebt nach wie vor eine Art gemeinsamer Wirtschaftsraum vor, den wir auch besser vermarkten können, als wenn jede Gemeinde für sich einzeln handelt", sagt Cerny und betont, dass es um Gespräche unter gleichwertigen Partnern geht.

"Aber das ist ja auch kein Geheimnis, der entsprechende Auftrag ist im Rahmen des Haushalt ergangen." Wichtig sei es ihm, mit den anderen im Gespräch zu bleiben. "So könnten wir uns Aufwand und Ertrag fair teilen." (ass)
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