08.03.2018 - 20:00 Uhr

IHK freut sich gegen Trend über viele, die sich selbständig machen wollen Gründer haben gute Gründe

Sie machen Werbe- und Imagefilme und sind nicht nur deshalb beste Werbung für Existenzgründungen in Amberg und im Landkreis: Oakstone Productions steht exemplarisch für eine Gründerkultur in der Region, die wie das Start-up der vier OTH-Studenten passend zu deren Firmenname stark wie eine Eiche daherkommt.

Aus OTH-Studenten werden Filmemacher und erfolgreiche Existenzgründer: Moritz Hagenmüller, Julian Fröber (von links) und Lukas Buckel (rechts; daneben Max Wichmann) haben die Firma Oakstone Productions gegründet - samt eigenem Domizil in der Kasernstraße. Bild: Hartl
von Thomas Amann Kontakt Profil

Das bestätigt die örtliche IHK-Geschäftsstelle, die diese Entwicklung seit vielen Jahren aktiv fördert. Man kann sagen, sie ist eines der Lieblingskinder ihres umtriebigen Leiters Johann Schmalzl, der dieses fruchtbare Feld im Grunde seit Anfang der 1990er-Jahre beackert. Über all die Zeit mit konstantem Erfolg, wobei Schmalzl auf die vergangenen zehn Jahre mit längst fest installierten Angeboten seiner Geschäftsstelle besonders stolz blickt. Weil sich sowohl Einzelberatungen und eigens zusammengestellte Info- und Unterlagenpakete als auch die Gründerseminare gut etabliert haben. Letztere sind regelmäßig ausgebucht,was nicht selbstredend ist.

Denn die Gründertätigkeit in Deutschland ist seit 2005 mit wenigen Ausnahmen fast kontinuierlich rückläufig. 2017 erreichte sie sowohl bei den Vollerwerbs- als auch den Nebenerwerbsgründern einen neuen Tiefstand (minus 6 bzw. minus 14 Prozent). Damit wurden laut Erhebung der Kreditanstalt für Wiederaufbau insgesamt nur mehr rund 557 000 Gründungen bundesweit verzeichnet, was einem Rückgang von 14 Prozent entspricht.

Seminare voll ausgebucht

Das ist bei der IHK-Geschäftsstelle Amberg-Sulzbach kaum zu spüren. Hier haben vor allem die Gründerseminare großen Zulauf, können oftmals gar nicht alle Interessenten aufnehmen, die dann auf Wartelisten fürs nächste Jahr oder folgende Module landen, bestätigt neben Schmalzl IHK-Referent Bernhard Reif, der - seit Oktober 2016 neu in Amberg - dieses Thema weitgehend übernommen hat. "Die gute konjunkturelle Lage hat auch Auswirkungen auf die Gründerszene", erläutert er den Hintergrund und freut sich besonders über einen "großen Anteil an Nebenerwerbsgründungen".

Dahinter stecken Leute, die oft "aus einer guten Position heraus", weil sie zum Beispiel eh schon angestellt bei einer artverwandten Firma arbeiten, "viele spannende Ideen entwickeln - gerade im IT-Bereich". Nicht selten seien die Arbeitgeber bereit, diese zu übernehmen und damit den Gründer samt Aufträgen zu fördern. Eine gewisse Vorsicht ist dabei laut Schmalzl und Reif geboten, weil keine Scheinselbstständigkeit daraus werden dürfe, die das Gesetz nicht duldet. Um davor zu schützen, bietet die IHK heuer ebenfalls einen Kurs mit Richtlinien und Tipps an.

Frauen auf dem Vormarsch

Viele Nebenerwerbsgründer würden außerdem erst testen wollen, wie ihre Geschäftsidee läuft, bevor sie sich dafür in Vollzeit entscheiden. Darunter seien deutlich mehr Frauen als früher. Bundesweit wuchs ihr Anteil auf 40, hier in der Region sogar auf rund 50 Prozent. "Das hängt vielleicht auch mit der veränderten Rolle der Frauen zusammen", analysieren Schmalzl und Reif. "Sie wollen selbstständiger sein, unabhängig von den Männern - und sie werden mutiger." Lockten die Damen früher oft "Modegeschichten", so sind es heutzutage eher Kosmetikstudios, Cafés oder Handel mit Thermomixern und anderen angesagten Geräten. Frauen planen nach Schmalzls Erfahrung außerdem häufig "überlegter und vorsichtiger", starten mit einem niedrigeren Kapitalbedarf, indem sie beispielsweise auf ein großes bzw. teures Firmenauto verzichten und lieber eine kleinere Variante wählen.

Auch Migranten aktiv dabei

Auch der Anteil an Migranten bei den Gründern steigt, weil sie in der Regel von guten Kontakten in ihre Heimat profitieren und daraus Geschäftsideen hierzulande für Landsleute, aber auch andere Kunden aufbauen. Als klassische Beispiele nennen die beiden IHK-Vertreter den Siemens-Ingenieur aus China, der mit seinen Heimatverbindungen an Smarthome-Angeboten strickt oder auch den Flüchtling, der sich als Gartenbauer oder Gastronom mit fremdländischer Küche versucht.

Last, but not least machen sich immer mehr über 45-Jährige selbstständig, weil sie in ihrem bisherigen Berufsleben fachliche Kompetenz, Erfahrung, gute Markt- und Kundenkontakte entwickelt haben. Außerdem haben sie mehr Eigenkapital zur Verfügung - bei allerdings oft "zu großer Vorsicht", die die IHK in ihren Beratungen und Gründerseminaren ebenfalls zu nehmen versucht.

Erfolgsfaktoren für die Selbstständigkeit

Gründer müssen laut IHK "mit Herzblut am Aufbau ihres Geschäfts arbeiten und für die Idee und den Betrieb brennen". Dazu brauche es vor allem:

Fachliche Kompetenz und ständige Lernbereitschaft

Veränderungsbereitschaft: Geschäftsidee muss immer wieder der Nachfrage und der Marktentwicklung angepasst werden

Kaufmännische Grundkenntnis

Ganz wichtig für Gründer und jeden Selbständigen: Betriebswirtschaftliche Planung und Liquiditätsplanung für mindestens zwei Geschäftsjahre

Voraussetzung dafür ist, ...

die betrieblichen Kosten zu kennen, die auch ohne Umsatz anfallen,

den Unternehmerlohn bei den Ausgaben einzuplanen,

seine variablen Kosten zu kennen,

die Planung regelmäßig fortzuschreiben, weil nur dann Controlling klappt - ohne Planung und Controlling ist keine Unternehmenssteuerung möglich

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