22.05.2017 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

Klare Worte vor Grammer-Versammlung Zockern die Stirn bieten

Es waren deutliche Worte, die Horst Ott bei der Delegiertenkonferenz fand: "Die IG Metall wird um jeden Arbeitsplatz bei Siemens und Grammer kämpfen und den Zockern die Stirn bieten."

von Wolfgang BerndtProfil

Das versprach der Erste Bevollmächtigte bei der Delegiertenkonferenz im ACC und kündigte für heute vor Beginn der morgigen Aktionärsversammlung eine Protestaktion an, um die Ablehnung der Übernahme von Grammer durch den Investor Hastor deutlich zu machen.

Am 11. Mai dieses Jahres hatte Siemens dem Wirtschaftsausschuss ein Maßnahmenpaket vorgelegt, um angebliche gezielte Effizienz-Verbesserungen zu erreichen, schilderte der Betriebsratsvorsitzende Volker Jung. Danach sollen 1700 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen und zusätzlich 1000 Stellen an externe Dienstleister vergeben beziehungsweise an Siemens-Standorte im Ausland verlagert werden. In Amberg wären über 300 Arbeitsplätze betroffen, die nach diesen Plänen wegrationalisiert werden sollen. Geplant sei, im Raum Amberg ein neues Logistikzentrum Digital Factory zu errichten, in dem die bisherigen Lager Nürnberg, Fürth, Erlangen und Amberg zusammengefasst werden. Bei einem Aktionstag haben IG Metall und Betriebsrat deutlich gemacht, dass sie sich damit nicht abfinden, sondern um jeden Arbeitsplatz kämpfen werden.

So lehne der Betriebsrat alle beantragten Überstunden ab. Der Versuch von Siemens, Mitarbeiter dazu zu bewegen, freiwillig Überstunden zu leisten, sei gescheitert. "Dies zeigt, dass sich die Belegschaft von Siemens nicht spalten lässt", betonte Volker Jung. Der Standort Amberg sei kein Sanierungsfall. Im Gegenteil. Die Beschäftigten erwirtschaften gute bis sehr gute Zahlen. Am Mittwoch, 31. Mai, werde der Betriebsrat die Mitarbeiter über den Stand informieren. Am Sonntag, 4. Juni, folge eine Betriebsversammlung. Auch werde man sich morgen an der Protestveranstaltung der IG Metall vor Beginn der Aktionärsversammlung der Firma Grammer im ACC beteiligen.

Niemand könne heute wissen, ob die Investoren-Familie Hastor ein guter Arbeitgeber sei, sagte Lars Roder, der Betriebsratsvorsitzender der Firma Grammer. Sorgen bereite, dass nach der Ankündigung der Übernahme große Automobilfirmen mitgeteilt hätten, nichts mehr von Grammer kaufen zu wollen. Damit wären Tausende von Arbeitsplätzen gefährdet. Darum müsse verhindert werden, dass Hastor die Kontrolle über Grammer übernimmt.

Metaller-Umfrage

An der Befragung der IG Metall beteiligten sich bundesweit rund 680 000 und in der Verwaltungsstelle Amberg 8300 Beschäftigte. Mehr als 93 Prozent hätten sich dafür ausgesprochen, dass die IG Metall den Weg in die Industrie 4.0 mitgestaltet, um Jobs zu sichern beziehungsweise bei neuen Arbeitsplätzen mitzuentscheiden, sagte Barbara Resch von der Bezirksleitung. Zudem sollte die Arbeitszeit an das Leben außerhalb des Betriebes angepasst werden. Ebenfalls sollte die Rückkehr in eine Vollzeitbeschäftigung garantiert werden können. Über 90 Prozent lehnen zudem eine Aufweichung von Arbeitsstandards durch Tarifflucht ab und fordern, dass auch bei Auslagerungen Tarifverträge weiter gelten müssen. Rund 80 Prozent wollen ein höheres gesetzliches Rentenniveau, arbeitgeberfinanzierte Betriebsrenten und gleiche Krankenkassenbeiträge für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. (bt)

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