08.03.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Machtkampf beim Automobilzulieferer Etappensieg für Grammer

Im Machtkampf bei der Grammer AG punktet das Unternehmen gegen Investor Hastor. Rückendeckung erhofft sich die Firma zudem von Ilse Aigner. Die bayerische Wirtschaftsministerin besucht am Freitag das Werk des Automobilzulieferers in Haselmühl. Doch die Übernahmegefahr ist noch nicht abgewendet.

Es brodelt in der Konzernzentrale der Grammer AG. Die Entscheidung des Amtsgerichtes Amberg erschwert der Investorengruppe Hastor aber zunächst ihre Übernahmepläne. Bild: Hartl
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Amberg/Haselmühl. (dpa/tos) Die Ministerin nimmt sich laut Mitteilung des Konzerns Zeit für ein ausführliches Gespräch mit Vorstandschef Hartmut Müller und dem Ersten Bevollmächtigten der IG-Metall Amberg, Horst Ott. Ein Thema der Agenda lautet vielsagend: die aktuelle Entwicklung in der Aktionärsstruktur.

Der Hintergrund: Die umstrittene bosnische Investorenfamilie Hastor hält zwischen 20 und 30 Prozent an Grammer und will möglichst rasch die Kontrolle übernehmen. Sie kritisiert die Rendite als zu niedrig, will Müller ablösen und fünf der sechs Aufsichtsratsposten neu besetzen.

Mitte April kann der chinesische Autozulieferer Ningbo Jifeng, den Grammer kürzlich als Partner an Bord geholt hat, jedoch eine Wandelanleihe in Aktien tauschen und so die Grammer-Führung im Abwehrkampf stützen.

Erfolg vor Gericht

Auch der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler hatte versichert: "Einem möglichen feindlichen Übernahmeversuch durch die Hastor-Familie werden wir uns als Arbeitnehmer vehement widersetzen."

Währenddessen versetzte das Amtsgericht Amberg Hastor einen Dämpfer: Es lehnte die Forderung nach einer außerordentlichen Hauptversammlung ab. Dem Investor sei zuzumuten, die ordentliche Hauptversammlung am 24. Mai abzuwarten, sagte Amtsgerichtsdirektor Ludwig Stich am Mittwoch.

Gegen das Urteil können die Hastors jedoch beim Oberlandesgericht Nürnberg Rechtsmittel einlegen. Dies werde derzeit geprüft, sagte ein Sprecher der Hastor-Investmentgesellschaft Cascade am Mittwoch. Die Entscheidung sei bedauerlich, weil sie weder die Dringlichkeit des Anliegens noch die Unverbindlichkeit des Termin-Vorschlags der Grammer AG für die angekündigte ordentliche Hauptversammlung hinreichend berücksichtige.

Der Autozulieferer, der rund 12 000 Mitarbeiter beschäftigt, befürchtet, dass Kunden abspringen, wenn die Hastors die Kontrolle übernehmen. Im August hatte der umstrittene Investor mit einem Lieferstopp ihrer Prevent-Gruppe die Bänder bei VW in Wolfsburg und Emden lahmgelegt.

Einem möglichen feindlichen Übernahmeversuch durch die Hastor-Familie werden wir uns als Arbeitnehmer vehement widersetzen.Jürgen Wechsler, IG-Metall-Chef Bayern
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.