02.02.2018 - 11:38 Uhr

Nachtschicht legt die Arbeit nieder "Grammer ordentlich rocken"

Die zweite Schicht verlässt um 23 Uhr das Werk. Dann ist Schicht im Schacht. "Raus kommen sie, rein aber nimmer", sagt ein Streikposten. Ein Bauzaun versperrt den Weg zum Werksgelände der Grammer AG in Haselmühl. Für 24 Stunden lässt die IG Metall den Automobilzulieferer bestreiken - mit Erfolg.

von Kristina Sandig Kontakt Profil

"Die Stimmung ist der Belegschaft ist gut", sagt Udo Fechtner, 2. Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Amberg um kurz nach 22.30 Uhr. Im Zelt, das extra aufgestellt wurde, trudeln die ersten Grammer-Mitarbeiter ein, die eigentlich zur Nachtschicht angetreten wären. Statt ins Werk gehen sie zur Registrierungsstelle der IG Metall. Dort herrscht Partystimmung, die jedem Faschingsball zur Ehre gereicht. Vor dem Zelt brennen Schwedenfeuer, auf einem Anhänger stapeln sich die Holzscheite - es kann also nachgeschürt werden. Nachlegen kann auch die IG Metall, wie Fechtner und Lars Roder, Betriebsratsvorsitzender der Grammer AG, betonen.

Sie geben sich kämpferisch, wie auch die Belegschaft. Robert Kraus aus Schnaittenbach hätte um 23 Uhr seine Nachtschicht im Haselmühler Grammer-Werk angetreten. Jetzt sitzt er im Zelt und isst Gulaschsuppe. "Wir haben das Unternehmen vorangebracht, jetzt wollen wir auch ein Stück vom Kuchen", erklärt er. Sich am 24-Stunden-Streik zu beteiligen, sei für ihn eine Selbstverständlichkeit. So sehen es auch seine Kollegen. Die Belegschaft ist solidarisch. Udo Fechtner freut sich darüber genauso wie über die Abordnungen anderer Betriebe, die an der Seite der Grammer-Beschäftigten stehen, zum Beispiel Siemensianer aus Amberg. Constantia Hueck Folien aus Pirk hat eine prall mit Süßigkeiten gefüllte "Fresstonne" geschickt.

"Ich kann die Arbeitgeber nur warnen, die Situation weiter eskalieren zu lassen", sagt er und skizziert den nächsten Schritt der Arbeitnehmervertreter, sollte sich die Gegenseite bei den Verhandlungen nicht bewegen: Urabstimmung und Arbeitskampf. "Das kriegen wir auch hin", ist der Gewerkschafter zuversichtlich. "Wir werden Grammer ordentlich rocken", kündigt er an. "Wir zeigen ihnen, wo der Hammer hängt", sagt Lars Roder in Richtung Arbeitgeber und bläst kräftig die Trillerpfeife.

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