05.09.2017 - 18:46 Uhr
Oberpfalz

OB Cerny betrachtet Grammer-Umzug nicht als "glückliche Fügung" Für die Stadt ein Rückschlag

OB Michael Cerny sieht die Ankündigung von Grammer, seine Verwaltung nach Ursensollen zu verlegen, keineswegs "fast schon als glückliche Fügung". Das sei so weder als Zitat noch inhaltlich gefallen "und ich möchte mich auch explizit dagegen verwehren", schrieb er am Dienstag an die AZ.

OB Michael Cerny. Bild: Hartl
von Markus Müller Kontakt Profil

Die Formulierung war in einem AZ-Artikel in der Montagsausgabe aufgetaucht ("Grund und Boden sind rar"/www.onetz.de/1777726), der Teile eines Sommergesprächs der Redaktion mit dem OB wiedergab - in diesem Fall "unkorrekt und sinnentstellend", wie Cerny findet. "Richtig ist, dass ich nach meinem Amtsbeginn massiv daran gearbeitet habe, Grammer bei uns zu halten, nachdem es bereits 2013/2014 mehrere Anzeichen gab, dass Grammer sich mit der Konzernzentrale und Entwicklung komplett aus Amberg zurückziehen wollte."

Dies sei zwar für den Verbleib in der Region gelungen, "umso mehr bin ich enttäuscht, dass Grammer sich aus Amberg zurückzieht und nach Ursensollen umzieht". Grammer sehe dort größere Entwicklungsmöglichkeiten und sehe gleichzeitig die Standortvorteile für die Mitarbeiter aufgrund der geringen Entfernung zu Amberg weiterhin als gegeben an. "Für die Stadt ist dies ein Rückschlag in der wirtschaftlichen Entwicklung und für die in Amberg wohnenden Mitarbeiter bedeutet dies künftig weitere Wege", so Cerny.

Froh über Interesse

Richtig sei zudem, dass man seit der Grammer-Entscheidung daran arbeite, den Verlust zu kompensieren. "Ich habe daher auf die Frage, wo überhaupt noch Entwicklungsflächen in Amberg vorhanden sind, darauf hingewiesen, dass sowohl das Grammer-Gebäude als auch die dahinter ... brachliegende Optionsfläche (die für die Erweiterung von Grammer vorgehalten wurde) für die Hochschule bzw. hochschulnahe Dienstleister Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Hier sprechen wir ... mit der Hochschule und es gibt auch externe Anfragen von Dienstleistern aus dem IT-Bereich. Über diese Anfragen und das Interesse an diesem Standort können wir tatsächlich froh sein."

Zum Thema Gewerbegebiete hatte Cerny in dem Gespräch das interkommunale Gewerbegebiet mit Ursensollen erwähnt, zu dem im Herbst eine Entscheidung fallen müsse, aber auch ein noch größeres Konstrukt in Kooperation mit allen anderen umliegenden Kommunen. Birgit Fruth, die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Stadtrat, hatte das in einem Schreiben an die Medien kritisiert und gefordert, erst einmal die Verhandlungen mit Ursensollen abzuschließen. Zudem plädierte sie für "Nachverdichtung". Denn: "Gewerbegebiete mit prominenten Leerstand gibt es zu Hauf in Amberg! Es darf dabei die Fuggerstraße erwähnt werden."

Weiter Bedarf an Flächen

Cerny sieht das anders: "Die Vielzahl der Baumaßnahmen (Fischer, Herding, Gewerbegebiet Kastnerstraße) der letzten Jahre im gewerblichen Bereich zeigt, dass wir insgesamt durchaus sehr erfolgreich waren, gleichzeitig aber auch weiterhin Bedarf an Flächen in der Stadt haben. Die von der SPD entdeckte Vielzahl an Gewerbegebieten mit prominentem Leerstand gibt es nicht."

Unabhängig davon sei er der Meinung, "dass wir uns auch als gemeinsamer Wirtschaftsraum mit unseren Nachbargemeinden positionieren und entwickeln müssen". Zum einen wegen der relativ kleinen Fläche der Stadt (Amberg 50 km², Kümmersbruck 46, Ursensollen 72, Freudenberg 82), zum anderen weil man überregional nur als größere Einheit mit entsprechenden Flächenangeboten wahrgenommen werde. "Diese Überlegung steht nicht in Konkurrenz zu den Gesprächen mit Ursensollen über die Möglichkeiten eines gemeinsamen interkommunalen Gewerbegebiets.", findet Cerny.

Es gebe zum gemeinsamen Wirtschaftsraum bereits sehr weitreichende Gespräche mit den Bürgermeistern und zustimmende Beschlüsse aus den Landkreisgemeinden. Eine gemeinsame Zweckvereinbarung solle im Herbst unterschrieben werden. Das sei kein "Ablenkungsmanöver", wie Fruth vermutet hatte, sondern die Umsetzung eines CSU-Antrages, der auch von der SPD mitgetragen worden sei.

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