Ogepar-Gruppe investiert in Luitpoldhütte
Öfen als neues Herz

Das neue Herz der LH: Am Freitag floss erstmals offiziell flüssiges Eisen aus einem der zwei modernen Elektroöfen. (Foto: Steinbacher)
 
Freigabe der beiden neuen Elektroöfen per Knopfdruck durch die Eigentümerfamilie (von links): Claude, Marthe und Emmanuel Froidbise. (Foto: Steinbacher)

Dezember 2015, die Luitpoldhütte AG ist insolvent. Der Retter naht in Gestalt der Ogepar-Gruppe. Die Holding mit Sitz in Luxemburg übernimmt die Gießerei und verspricht, kräftig zu investieren. Am Freitag gibt es nun die erste Zäsur: Mit der Inbetriebnahme zweier moderner Elektroöfen.

Das Unternehmen erhält - jetzt als GmbH - quasi ein neues, rund fünf Millionen Euro kostendes Herz. Die Vorbereitungen für das Fest erstreckten sich über mehrere Wochen, ehe es so weit war, dass die in einem Neubau untergebrachte Produktionsanlage präsentiert werden konnte. Die bisher von Ogepar getätigten Investitionen beziffern sich laut Vorstandsvorsitzendem Tim Berckmoes (Anglo Belgian Corporation) auf sieben Millionen Euro. Der Löwenanteil davon floss in die neuen Öfen samt Halle. Vorher bereits in Betrieb gegangen war eine Lasteisenanlage zur Fertigungsoptimierung von schweren Gussteilen.

Die Wermutstropfen: Trotz beträchtlicher Aufwendungen hätten die Betriebsergebnisse 2016 und 2017 die Erwartungen nicht erfüllt, verdeutlichte der Sprecher. Als Gründe für negative Zahlen machte er diverse Qualitätsprobleme bei zahlreichen Neuteilen, die von der Bundesrepublik nicht gewährte - aber durchaus einkalkulierte - Befreiung von der EEG-Umlage sowie den hohen Krankenstand aus.

"Glücklicherweise stand 2018 unter besseren Vorzeichen, denn die Tonnage ist um über 35 Prozent gestiegen. Unsere Herausforderung besteht nun darin, sich füllende Auftragsbücher in Gewinn für die Luitpoldhütte umzuwandeln." Berckmoes versprach, in Amberg generierte Überschüsse zu reinvestieren - zur Stärkung und Sicherung des Standortes. Ogepar stehe der LH weiter zur Seite und wolle "so dem Unternehmen eine glänzende Zukunft gewährleisten". Die neuen Mittelfrequenz- lösen schon bald die alten Netzfrequenzöfen ab. In der Übergangsphase wird parallel produziert; anfangs mit der neuen Anlage zwei bis drei Tage, kündigte die Projektleiterin, LH-Umweltingenieurin Nicole Rückerl, an. Dies steigere sich nach und nach. Die Vorteile der neuen Öfen lägen in einem deutlich geringerem Energieverbrauch sowie in einem höheren Ausstoß. Die neuwertige Anlage stammt aus der Konkursmasse einer französischen Gießerei. Die neue Halle mit ihrem Innenleben sei so konzipiert, dass alle Lärmauflagen eingehalten werden: "Zur Anlieferung fahren die Lkw hinein und hinter ihnen schließt sich das Tor", so Rückerl.

Gegenüber Gästen und Belegschaft bezeichnete OB Michael Cerny im Festzelt die Investition als wichtig für die Zukunft der Gießerei.

Die Ogepar-Gruppe und Blick in die GästelisteZu Beginn seiner Festrede ging Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor Tim Berckmoes auf die Entwicklung der 1980 gegründeten Ogepar ein. Heute zähle die Gruppe knapp 2000 Mitarbeiter, der überwiegende Teil davon in Europa. Für heuer werde ein Umsatz von 320 Millionen Euro erwartet, 2017 sei das Konzernergebnis bei 35 Millionen Euro vor Steuern gelegen.

Ihren Ursprung habe die Gruppe in der Gesellschaft Anglo Belgian Corporation (ABC), die seit über 100 Jahren mittelschnell laufende Verbrennungsmotoren mit einer Leistung zwischen 500 und 10 000 Megawatt herstelle. Bei der zweiten Stütze handle es sich um die Firma Kompressorenbau Bannewitz (KBB) mit Sitz in Dresden. Dort werden seit über 80 Jahren Turbokompressoren entwickelt und gefertigt. Die beiden genannten Einzelunternehmen bezeichnete Berckmoes als die rentabelsten im gesamten Zusammenschluss.

Investitionen im Gießereisektor seien relativ neu. Sie hätten erst 2010 begonnen mit dem Erwerb der französischen Focast-Firmen in Châteaubriant und in Saint Dizier - beide produzieren Gussteile für ABC-Motoren und KBB-Turbolader. Der Expansionskurs habe sich 2016 mit dem Kauf der Luitpoldhütte (LH) fortgesetzt. Seit dieser Woche gibt es weiteren Zuwachs: mit der Akquise der Gießerei Lüneburger Eisenwerk.

Inzwischen sei das Segment Gießereien mit einem für 2018 erwarteten Umsatz von 140 Millionen Euro das größte innerhalb von Ogepar. Die Luitpoldhütte wiederum sei, so Berckmoes im Hinblick auf Mitarbeiter- und Umsatzzahlen, die größte Ogepar-Gießerei. An der Spitze all dieser Produktionsstätten stehe Geschäftsführer Olivier Babilon. Dieser begrüßte am Freitag an der Sulzbacher Straße unter den zahlreichen Gästen den in Belgisch-Kongo lebenden Ogepar-Eigentümer Claude Froidbise und dessen ebenfalls im Management tätigen Sohn Emmanuel Froidbis. Daneben waren nahezu alle Leiter der einzelnen Gießbetriebe vertreten, ebenso wie Akquisitions-Direktor Ewout Vandamme, der auch die LH an Land gezogen hatte. (ben)
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