05.05.2017 - 21:42 Uhr
Oberpfalz

Staatssekretär Matthias Machnig macht Druck Grammer: Krisengipfel geplant

Matthias Machnig (SPD) hatte am Mittwoch Vertreter der Prevent-Gruppe im Bundeswirtschaftsministerium zu Gast. Schlauer ist der Staatssekretär danach aber auch nicht: "Antworten sind sie mir schuldig geblieben." Deshalb hofft er jetzt auf den für Dienstag angesetzten Krisengipfel.

Wirtschafts-Staatssekretär Matthias Machnig (Mitte) besuchte am Freitag das Grammer-Werk in Haselmühl und schlug sich dabei im Übernahmekampf mit der Investorenfamilie Hastor klar auf die Seite des Unternehmens und seiner Beschäftigten. Rechts von Machnig Grammer-Vorstandsvorsitzender Hartmut Müller, links Horst Ott, der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende. Bild: Hartl
von Markus Müller Kontakt Profil

(ll/dpa) Machnig besuchte am Freitagnachmittag den Automobilzulieferer Grammer. Eingefädelt hatte das Horst Ott, der Amberger IG-Metall-Chef und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Grammer AG. "Das war ein Hilferuf", sagte Machnig in der Pressekonferenz nach dem Betriebsrundgang. Er zeige hier Gesicht, weil der Großaktionär Hastor über die Prevent-Firmengruppe offensichtlich bereit sei, einen Übernahmekampf auf dem Rücken der Beschäftigten auszutragen.

Kein Vertrauen da

Machnig verlangte von Hastor, dass der Investor, der die Kontrolle im Aufsichtsrat übernehmen wolle, vorher in Gesprächen Vertrauen aufbaue und seine Pläne für Grammer deutlich mache. Bisher sei aber keine Strategie der Prevent-Gruppe erkennbar. Als ein Ergebnis seines Besuches in Amberg wertete Machnig, dass die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner für kommenden Dienstag die Beteiligten zu einem Krisengipfel in München eingeladen habe. Dass sich Grammer-Vorstandschef Hartmut Müller und Vertreter der Investorenfamilie Hastor nach monatelangen Grabenkämpfen zum ersten Mal an einen Tisch setzen wollen, war im Laufe des Tages bekannt geworden. Investor Kenan Hastor oder ein Manager seiner Prevent-Firmengruppe werde kommen, sagte Hastor-Anwalt Franz Enderle am Freitag.

Die Erfolgsaussicht dieses Vermittlungsversuchs zwei Wochen vor der entscheidenden Grammer-Hauptversammlung ist allerdings fraglich. Der Hastor-Anwalt warf Müller Lügen und Untreue vor. Müller arbeite mit VW zusammen gegen den Großaktionär Hastor und habe die Grammer-Kunden "rebellisch gemacht". Das Tischtuch sei zerschnitten.

Müller konterte in der Pressekonferenz: Die Investoren setzten das gesamte Unternehmen aufs Spiel. Die Zahlen zeigten, dass Grammer "absolut auf dem richtigen Weg" sei. Allerdings habe sich zuletzt erwiesen, dass "unsere Kunden ein Beziehungsproblem mit unserem Hauptinvestor haben". Deshalb sei im ersten Quartal der Auftragseingang auf etwa die Hälfte zurückgegangen - "es war der schlechteste Wert seit 2010". Bisher sei "kein konstruktiver Dialog" mit Hastor möglich gewesen.

Machnig erhofft sich von dem Gespräch am Dienstag "vernünftige Lösungen im Sinne des Unternehmens und der Beschäftigten" sowie einen Konsens vor der Grammer-Hauptversammlung am 24. Mai. Er werde am Montag noch einmal mit Prevent-Vertretern Kontakt aufnehmen. Müller wünschte sich für Dienstag endlich klare Aussagen des Investors, ist aber erkennbar wenig optimistisch: "Es wird schnell zu erkennen sein, ob das eine Alibi-Veranstaltung ist."

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