19.02.2018 - 20:00 Uhr

Stichwort Solidarische Landwirtschaft Fairtrade vor der Haustür

Fairtrade - hinter diesem Begriff verbergen sich faire Preise für Produzenten aus armen Regionen. Doch wer kümmert sich um die Bauern aus der näheren Umgebung? Für sie gibt es SoLaWi, die Solidarische Landwirtschaft.

Michaela und Andreas Walz haben in Schäflohe einen Lebensraum für Tiere geschaffen. Neben freilaufenden Kühen gibt es auch 300 Hühner. Bild: Huber
von Autor ZOProfil

Amberg . (zo) Gut besucht war der Vortrag über Solidarische Landwirtschaft, zu dem die Ortsgruppe Amberg-Kümmersbruck des Bund Naturschutz mit ihrem Vorsitzenden Hans-Jürgen Bumes eingeladen hatte. Der Referent hatte keinen langen Anfahrtsweg hinter sich. Biolandwirt Andreas Walz kommt aus Schäflohe.

Franziska Wolf, die Tochter des Vereinsgründers, erläuterte, wie das Netzwerk in ihrer Heimat funktioniert. Auf Grundlage der geschätzten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Erzeugung verpflichten sich die Verbraucher, jährlich im Voraus einen festgesetzten (meist monatlichen) Betrag an den Hof zu zahlen. Dafür entscheiden sie mit über Anbau, Finanzen und Entwicklung des Hofes und erhalten einen Teil der Ernte. Wesentlich ist laut Wolf, dass eine Gruppe die Abnahme der Erzeugnisse garantiert und die Ernte beziehungsweise alles, was notwendig ist, um diese zu erzeugen, vorfinanziert. Alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und folglich auch die später erzielte Ernte. Wolf: "Der Landwirt erhält im Gegenzug Planungssicherheit und ein gesichertes Einkommen. Damit wird es ihm ermöglicht, unabhängig von Marktzwängen vielfältige und hochwertige Nahrungsmittel herzustellen, was unter marktwirtschaftlichen Sachzwängen nicht immer möglich ist."

Initiiert wurde der Vortrag von Andreas Walz, der zusammen mit seiner Frau in Schäflohe einen Demeterhof betreibt. Für Walz, der seinen Biobetrieb samt Hofladen mit "Leidenschaft und Herzblut" betreibt, ist die SoLaWi das Bindeglied zwischen Landwirt und Verbraucher. "Die Landwirtschaft muss sich öffnen für Wünsche der Verbraucher und umgekehrt", sagte Walz. Auf seinem Hof gibt es Urgetreide, 20 Hektar Weideland mit Mutterkuhhaltung und "glückliche Hühner". Sein Paradeprojekt "more Huhn" rechnet sich für die Mitglieder von SoLaWi folgendermaßen: Für elf Euro im Monat (bei einer Laufzeit von 18 Monaten) erhält der Verbraucher eine Henne als Suppenhuhn, alle Eier (etwa 16 pro Monat) und den Brudergockel. Für Andreas Walz ist das "eine durch und durch runde Sache". Natürlich müsse das alles auch organisiert und koordiniert werden. Darum kümmern sich Stefan Boßler und Sandra Kleimann ehrenamtlich. Auch bei den freiwilligen Arbeitseinsätzen (Weidezaun aufstellen, Hühnerhaus bauen) seien sie voller Elan mit dabei.

Bei diesem eigenen, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf werden die Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben, die Mitglieder sind laut Andreas Walz quasi Selbstversorger. Hier werde die ganze Landwirtschaft - nicht das einzelne Lebensmittel - finanziert, das sei gelebte Solidarität mit dem Landwirt.

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