01.02.2016 - 02:00 Uhr
Oberpfalz

Studie der OTH Amberg-Weiden Jeder zweite Student bricht ab

Amberg/Weiden. Auf bis zu 60 Prozent werden überregional in Medienberichten die Abbrecherquoten bei ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen geschätzt. Für die OTH Amberg-Weiden untersuchen Wissenschaftler systematisch dieses Thema: Nur jeder zweite Studienanfänger der Jahre 2003 bis 2010 schloss an der OTH Amberg-Weiden das Studium in den Fächern Maschinenbau und Medienproduktion und -Technik erfolgreich ab. Exakt liegen die Erfolgsquoten bei 54 beziehungsweise 56 Prozent. Im Fach Umwelttechnik sogar nur bei 45 Prozent.

Erster Tag des neuen Wintersemesters an der Hochschule Amberg-Weiden: Orientierung ist angesagt bei den Erstsemestern. Leider werden viele junge Menschen ihr Studium wieder abbrechen. Bild: Bühner
von Siegfried BühnerProfil

Zu diesen Feststellungen kamen die Wissenschaftler Bernd Rager und Professor Dr. Horst Rottmann in ihren Untersuchungen. Die Ursachen, warum das Studium abgebrochen wurde, gliedern die Wissenschaftler in zwei Obergruppen: "Objektive Gründe durch nicht bestandene Prüfungsleistung" sowie "sonstiger Schwund". Zum "sonstigen Schwund" gehören Studienfachwechsel, persönliche Lebensumstände wie zum Beispiel finanzielle Probleme oder Schwangerschaften.

Abiturnote mitentscheidend

In allen drei untersuchten Studienrichtungen überwiegt die Gruppe "sonstiger Schwund" deutlich gegenüber der Gruppe nicht bestandener Prüfungen. Anteilig sind es in den einzelnen Studienrichtungen 25 bis 35 Prozent, die aus überwiegend persönlichen Gründen das Studium aufgeben. Nur bei 13 bis 21 Prozent musste das Studium wegen nicht bestandener Prüfungen aufgegeben werden. Das heißt, Eignungsgründe oder hohe Anforderungen sind seltener als andere Umstände für einen Studienabbruch oder Wechsel des Studienfaches ursächlich.

Ein weiteres zentrales Ergebnis ist bei allen untersuchten Studienrichtungen der eindeutige Zusammenhang zwischen Abiturnote und Studienerfolg. Schon in der ersten Untersuchung war zum Beispiel festgestellt worden, dass im Fach Maschinenbau die Erfolgsquote bei einer Abiturnote von 4,0 nur noch bei 27 Prozent liegt, dagegen bei der Note 2,0 bei 80 Prozent. Die Fortsetzung der Untersuchung bestätigt diesen Zusammenhang erneut.

Frauenquote höher

Auch eine andere damalige Feststellung fand erneut ihre Bestätigung: Je höher das Alter bei Studienbeginn, desto größer wird auch das Abbruchrisiko. Mit steigendem Alter bei Studienbeginn sinken die Erfolgsquoten um 5 Prozent pro Jahr, errechneten die Wissenschaftler. "Sowohl Abiturnote als auch das Alter bei Studienbeginn erweisen sich in allen drei Studiengängen als signifikante Einflussfaktoren." Für FOS-Absolventen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung gleiche "sich die Erfolgswahrscheinlichkeit wieder der Gruppe der Gymnasiasten an". "Bemerkenswert" finden die Untersuchungsführer, dass es "Hochschulwechslern" von anderen Studienorten "etwas besser gelingt, den Abschluss an der OTH zu erreichen". Und schließlich stellen sie fest, dass Frauen im Vergleich zu den Männern, eine, zum Beispiel im Studienfach Medienproduktion- und Technik um 8 Prozentpunkte," signifikant niedrigere Erfolgswahrscheinlichkeit aufweisen". Einbezogen waren insgesamt in die Untersuchung 696 Studienanfänger im Fach Maschinenbau, 651 bei Medientechnik und 530 bei Umwelttechnik.

Dr. Wolfgang Weber, Leiter des OTH-Bereichs Hochschulentwicklung, bestätigte, dass auch eine bisher nicht veröffentlichte Untersuchung für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen ähnliche Ergebnisse brachte. "Wir tun alles, um den Studienerfolg zu sichern", betont Weber und verweist auf den Qualitätspakt Lehre, Tutorenkurse, Schreibwerkstatt und andere Hilfestellungen. In einer "Kohortenanalyse" soll jetzt genau festgestellt werden, "aus welchen Gründen Handlungsbedarf besteht" und wie viele ganz aus dem Studium ausscheiden.

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