29.06.2017 - 11:04 Uhr
Oberpfalz

Technische Hochschule beschäftigt sich mit Ressourceneffizienz Sparen geht oft ganz einfach

Das Wort selbst besitzt einen gewissen Abschreckungscharakter: Ressourceneffizienz. Dabei ist es für unsere Zukunft so wichtig, mit den beschränkten Rohstoffen auch verantwortungsvoll umzugehen.

Die Wanderausstellung Ressourceneffizienz macht derzeit in der OTH Station. Bei der Eröffnung stellte unter anderem Urs Herding das Konzept vor, wie Energie mehrfach genutzt werden kann. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

"Weniger ist mehr", ist die Wanderausstellung umschrieben, die seit einigen Tagen vor dem Eingang des Audimax der Technischen Hochschule auf Besucher wartet. Darin geht es um den etwas sperrigen Begriff "Ressourceneffizienz" und seine praktische Umsetzung. Dabei ist die Thematik sehr schnell umrissen. "Wir müssen mit endlichen Materialien nachhaltig wirtschaften", wie es IHK-Vize Rolf Pfeiffer bei der Eröffnung sagte.

Professor Mario Mocker ist an der TH federführend dafür zuständig, aus Abfall wieder wertvolle Rohstoffe zu machen. Aber auch der sparsame Einsatz der beschränkt vorhandenen Ressourcen liegt im sehr am Herzen. Er führte am Dienstag durch das Programm der Eröffnung im Audimax. Dort stellte unter anderem Daniela Ratzinger den Umweltcluster Bayern vor, schilderte Barbara Dennerlein vom Ressourceneffizienzzentrum des Landesamts für Umwelt dessen Aufgaben. Und auch der VDI, der Verein deutscher Ingenieure, befasst sich mittlerweile sehr intensiv mit diesem Spektrum, wie dessen Vertreter Werner Maaß schilderte. Grundsätzlich ist es eben so, dass wir mehr Ressourcen - Rohstoffe, Wasser, Luft - verbrauchen, als die Erde reproduzieren kann. Festgemacht wird das an einem sogenannten Welterschöpfungstag. Der war im Jahr 2016 schon am 8. August. Nach diesem Tag haben wir von Ressourcen gelebt, die die Erde nicht zurückholen kann.

43 Prozent der Kosten

Aber nicht nur aus diesem Grund ist es für Wirtschaftsunternehmen wichtig, verantwortungsvoll mit den Stoffen umzugehen, die sie verarbeiten. Wer Rohstoffe schont, spart schlicht Geld, das machten alle Referenten deutlich. Und da der Aufwand für Material im Schnitt 43 Prozent der Kosten ausmacht, so sagt es Barbara Dennerlein, geht es hier um richtig viel Geld - und damit auch um einen Wettbewerbsvorteil gegenüber einem Konkurrenten, der hier nicht genau hinschaut.

Wie es nahezu vorbildlich geht, schilderte am praktischen Beispiel Urs Herding, der Geschäftsführer des gleichnamigen Amberger Filterherstellers. Das Unternehmen baut Fildermedien und dazu ganze Anlagen, deren Aufgabe es ist, Feststoffe aus Gasströmen zu holen. Damit können schon einmal bei anderen Unternehmen wertvolle Rohstoffe zurückgewonnen werden, die sonst unrettbar verloren wären.

Aber Herding achtet auch in der eigenen Firma darauf, umweltschonend zu produzieren. Das fange schon damit an, so schilderte es Urs Herding, dass die Filter, die hauptsächlich im Industriegebiet Nord hergestellt werden, nach ihrem Einsatz recycled werden können. Das verschafft ihnen eine Lebensdauer zwischen zehn und 25 Jahren. Daneben greift das Unternehmen auf "klassische" Methoden zurück: Beispielsweise die Installation von Photovoltaik auf den Werksgebäuden.

Hoher Energieaufwand

In einem nächsten Schritt geht man bei Herding aber viel weiter. Denn für die Herstellung der Filter wird sehr viel Wärme gebraucht - um aus Kunststoffgranulat Filter zu formen. Dazu kommt ein enormer Wassereinsatz zur Kühlung und Reinigung. Bei Herding sind sie nun dazu übergegangen, die überschüssige Abwärme zum Heizen zu nutzen oder das Wasser immer wieder zu verwenden. So wird der neue Verwaltungsbau, der derzeit am Firmensitz entsteht, fast vollständig mit bereits im Produktionsprozess verbrauchter Energie geheizt und im Sommer gekühlt - durch Nutzung der Abwärme.

Dazu hatte Urs Herding auch ein paar Zahlen mitgebracht: Um den neuen Bau zu heizen braucht die Firma ungefähr 162 000 Kilowattstunden Energie pro Jahr. Davon kommen aus Abwärme 133 000. Damit liegt der Aufwand am Ende bei unter 30 000 Kilowattstunden im Jahr. Bei der Kühlung schaut es sogar noch besser aus: Die in der Sinteranlage erzeugte und nicht mehr benötigte Wärme wird in Kälte umgewandelt. Damit können 100 Prozent des Bedarfs gedeckt werden. "Es sind oftmals nicht so große Investitionen, die zu schönen Energieeinsparungen führen", sagte Herding.

Es sind oftmals nicht so große Investitionen, die zu schönen Energieeinsparungen führen.Urs Herding, Geschäftsführer der Herding Filtertechnik

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