Vier-Augen-Gespräch von Vorstandschef Müller und Aufsichtsrats-Vize Ott
Spekulationen über geplatzten Großauftrag

"An der Qualität liegt es jedenfalls nicht." Zitat: Horst Ott, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Grammer AG, zum geplatzten Großauftrag.

Amberg/Frankfurt. Der Achterbahn-Kurs der Grammer-Aktie in den vergangenen Tagen bildet offenbar die nach wie vor angespannte Lage ab: Nach der Gewinnwarnung am vergangenen Freitag brach das Grammer-Papier zeitweise um minus 17 Prozent ein, am Montag kletterte die Aktie um bis zu 8 Prozent. Wie aus gut informierten Kreisen verlautet, hat Daimler-Benz bei den Ambergern den fest eingeplanten Großauftrag für die Ausstattung der neuen Mercedes-C-Klasse mit Armlehnen und Kopfstützen storniert. Die Grammer AG selbst nannte den Namen des Kunden in einer Ad-hoc-Mitteilung nicht (wir berichteten).

Grammer kommen die Entwicklungskosten für den überraschend geplatzten Großauftrag teuer zu stehen: Wegen dieser Extra-Aufwendungen von rund 10 Millionen Euro dürfte Grammer die angepeilte Rendite von rund 5 Prozent in diesem Jahr verfehlen, aber etwas über dem Vorjahreswert von 4 Prozent liegen. Am Montagnachmittag traf sich Grammer-Vorstandschef Hartmut Müller in Frankfurt mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Horst Ott, um die Arbeitnehmerseite zu informieren. Auch nach dem Vier-Augen-Gespräch kann der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Amberg über die Gründe für den Entzug des Großauftrags nur spekulieren: "An der Qualität liegt es jedenfalls nicht ..." Ott nimmt aus der Unterredung zumindest die Gewissheit mit, dass kurzfristig keine Gefahr für die Sicherheit der Arbeitsplätze besteht. Wenn überhaupt, zeigten sich erst in etwa zwei Jahren mögliche Auswirkungen. Und es ergebe sich zumindest perspektivisch ja die Hoffnung auf neue Aufträge.

Horst Ott sieht sich als Arbeitnehmervertreter weiter in einer aufmerksamen "Hab-Acht-Stellung": "Wir werden die Entwicklung kritisch begleiten." Aus dem Treffen mit Grammer-CEO Müller geht Ott "besser informiert, aber nicht entspannt". Wie berichtet, üben sich einige Premium-Autohersteller wegen des "feindlichen" Einstiegs des undurchsichtigen Großaktionärs Hastor mit neuen Aufträgen in Zurückhaltung. Die bosnischen Geschäftsleute halten mehr als 20 Prozent über die Prevent-Gruppe bzw. Cascade/Halog an Grammer. Mit einem (ersten) Übernahme-Versuch waren sie bei der turbulenten Hauptversammlung im Mai im ACC Amberg abgeblitzt. Die Aktionäre hatten die Anträge für einen Austausch des Vorstandes und der meisten Aufsichtsratsmitglieder mit klarer Mehrheit abgelehnt.

Der als "weißer Ritter" auftretende Investor Ningbo Jifeng aus China müsste eigentlich bei dem Oberpfälzer Autozulieferer und den Hauptkunden für Entspannung sorgen: Denn er besitzt seit Juli mit ebenfalls mehr als 20 Prozent die meisten Anteile an der Grammer AG. "Eine negative Einflussnahme oder ein Kontrollwechsel durch die Prevent-Gruppe ist daher künftig nahezu ausgeschlossen", heißt es.

Das Analysehaus Warburg Research hat am Anfang der Woche zwar das Kursziel für die Grammer AG von 59 auf 57 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Buy" belassen.

An der Qualität liegt es jedenfalls nicht.Horst Ott, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Grammer AG, zum geplatzten Großauftrag.
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