12.01.2018 - 16:06 Uhr
Oberpfalz

Warnstreiks der IG Metall ausgeweitet Metaller machen ernst

Noch sind es kurze Warnstreiks - kleine Nadelstiche. Doch die IG Metall und ihre Mitglieder in Amberg und Umgebung machen unmissverständlich deutlich: Sie wollen mehr Geld und eine flexiblere Arbeitszeit - diesmal auch für Arbeitnehmer.

Der eigentliche Warnstreik lief am Freitag hinter den Werkstoren der Grammer AG in Haselmühl. Ein kleine Delegation der Beschäftigten zeigte aber auch vor dem Firmengelände Flagge. Bild: Hartl
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Beispiel Grammer AG. Am Freitag von 11 bis 12 Uhr sollten nach dem Willen der IGM die Beschäftigten in Amberg und Haselmühl für eine Stunde die Arbeit ruhen lassen. In Haselmühl folgten 415 von 700 möglichen Arbeitnehmern diesem Aufruf und machten in einem kurzen Warnstreik deutlich, dass sie hinter der Forderung ihrer Gewerkschaft stehen und das Angebot der Arbeitnehmerseite rundherum ablehnen.

Die Fronten sind geklärt. Die Arbeitnehmer fordern sechs Prozent mehr Lohn und für bestimmte Beschäftigte die Möglichkeit, bis zu zwei Jahre lang die Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden zu reduzieren. "Dabei geht es uns nicht um vollen Lohnausgleich, wie oft irrtümlich behauptet wird", stellt Udo Fechtner, Ambergs IG Metall-Vize richtig. "Wir wollen nur erreichen, dass die Arbeitszeit endlich auch von den Arbeitnehmern flexibler gestaltet werden kann."

Letztendlich fordere die Gewerkschaft nur die Möglichkeit, die es für die Arbeitgeber seit langem gebe. "Das soll aber anscheinend nur für sie gelten", so Fechtner, der darauf hinweist, dass diese Forderung der IGM ja nicht aus dem Nichts komme. Sie sei unter anderem ein Ergebnis der von der Gewerkschaft vorgeschalteten Mitgliederbefragung gewesen.

Und die Arbeitgeberseite? "Deren Angebot ist einfach lächerlich", sagt Lars Roder, der Betriebsratsvorsitzende der Grammer AG. Denn die zwei Prozent mehr Lohn sowie die Einmalzahlung von 200 Euro, die der Arbeitgeberverband VBM (Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie) verbreite, seien nur die halbe Wahrheit. Zusätzlich forderten die Arbeitgeber eine zuschlagsfreie Mehrarbeit von bis zu fünf Stunden pro Woche, die ohne Zustimmung des Betriebsrat angeordnet werden könne, sowie den Wegfall der Schutzklauseln für ältere Arbeitnehmer, die denen einen gewissen Ausgleich bei Akkordarbeit zusicherten.

"Unter dem Strich ist das ein Minus von ein bis zwei Prozent, das uns die Arbeitgeber anbieten", so Roder. "Aber wenn es der VBM unbedingt darauf anlegt, kann er den Kampf haben", macht er deutlich. "Gerade bei Grammer haben wir im vergangenen Jahr ja gezeigt, dass wir kämpfen können." Bevor es aber ans Eingemachte geht, wird erst einmal wieder verhandelt. Am Montag steht in Nürnberg die nächste Runde an. Bei Grammer sind sie gespannt, was die Arbeitgeber dann zu bieten haben.

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