30.06.2017 - 17:23 Uhr
Oberpfalz

Wegen Defizits Zukunftssicherungs-Tarifvertrag Thema in St. Marien Kopfweh im Klinikum

Die finanzielle Lage des Klinikums St. Marien bereitet auch vielen Beschäftigten Kopfschmerzen. Sie fürchten, zum Ausgleich des auf Jahre prognostizierten Defizits einen Beitrag leisten zu müssen. Konkret geht die Angst vor Lohn- und Gehaltskürzungen auf längere Sicht um.

Nein, in der Notaufnahme liegt das Klinikum St. Marien trotz seines Defizits nach Ansicht der Gewerkschaft Verdi nicht. Das operative Geschäft laufe gut, weshalb die Beschäftigten mit einem Zukunftssicherungs-Tarifvertrag mit Einkommenseinbußen nicht "bluten" dürften. Bild: Hartl
von Thomas Amann Kontakt Profil

Doch so eine einschneidende Maßnahme ist nicht ohne Weiteres möglich. Sie würde einen sogenannten Zukunftssicherungs-Tarifvertrag erfordern, der mit den im Haus vertretenen Gewerkschaften ausgehandelt werden müsste. Das sind für die Ärzte der Marburger Bund und für das übrige organisierte Personal die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Erst mal Stadt an der Reihe

Zumindest Letztere, die die Mehrheit der Mitarbeiter vertritt, ist schon nach dem ersten Gespräch mit der Klinikumsleitung "skeptisch", ob es zu diesem Schritt kommt. So formulierte das Landesfachbereichsleiter Robert Hinke aus München, der zusammen mit dem Regensburger Bezirkssekretär Klaus Heyert zu dieser "Sondierung" nach Amberg gekommen war. Der bayerische Ressortchef sieht klar erst mal "den Träger des Hauses in der Verantwortung". Also die Stadt, die zunächst selbst den Defizitausgleich vornehmen müsse.

Nach Einschätzung Hinkes "läuft das operative Geschäft ja gut" und die Schwierigkeiten, die zu roten Zahlen führten, lägen wohl in einem anderen Bereich. Der Landesbezirks-Vertreter machte "zahlreiche Investitionen in Gebäude", die erhebliche Abschreibungen nach sich zögen, als eine Ursache aus. Das aber sei "kein dauerhaftes Problem", für das die Beschäftigten bluten müssten. Außerdem sei das Klinikum wirtschaftlich bis vor wenigen Jahren "immer gut dagestanden" und das Personal könne nicht "die Verantwortung tragen, wenn's mal nicht so gut läuft".

Bücher öffnen und prüfen

Grundvoraussetzung für weitere Gespräche über einen Zukunftssicherungs-Tarifvertrag ist laut Hinke ferner, dass St. Marien seine Bücher über die komplette finanzielle Situation offenlegen müsste, die obendrein durch eine unabhängige Unternehmensberatung zu prüfen sei. Daneben gibt es nach seiner Auskunft noch eine Reihe anderer Bedingungen und Voraussetzungen. Zum Beispiel ein ausgearbeitetes Sanierungsprogramm und eine Beschäftigungsgarantie ohne betriebsbedingte Kündigungen und Firmenauslagerungen. Selbst weitere Investitionen in zukunftsträchtige Felder und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in bestimmten Bereichen seien gegebenenfalls Verhandlungsgegenstand.

"Ein Geben und Nehmen"

"Das ist ein Geben und Nehmen", skizzierte Hinke - diese "Grundhaltung" und den Verfahrensverlauf habe man der Klinikumsleitung klargemacht. Auch die Beschäftigten sind über das Thema im Bilde. Sie wurden nach 2016 heuer erneut in einer Personalversammlung darüber informiert. Vor allem seitdem hat die geschilderte Sorge zugenommen.

Mitglieder befragen

Apropos Personal: Hinke sagte deutlich, dass Verdi in jedem Fall auch seine Mitglieder einbinden werde, wenn es zu weiteren Schritten komme. Heißt konkret, sie würden befragt, ob sie bereit wären, Abweichungen vom Tarifvertrag mit zeitlich befristeten Einkommenseinbußen hinzunehmen. Derzeit aber sieht der Verdi-Vertreter "keine Situation, die das erforderlich machen würde".Personalrat lehnt "falsches Signal" ab

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