Wenn der Papa auch der Lehrherr ist
Ein Job für die ganze Familie

Seltener Anblick: Normalerweise arbeiten Armin Kies (links), Tochter Johanna und Sohn Maximilian auf verschiedenen Baustellen. Bild: Nadine Dechant

Ein besonderes Trio bilden Armin Kies, Sohn Maximilian und Tochter Johanna. Der Fliesenleger hat seine Kinder im eigenen Betrieb ausgebildet, im September haben sie nach erfolgreicher Abschlussprüfung ihre Gesellenbriefe erhalten.

Amberg. (pnad) Dass es der Beruf des Fliesenlegers werden soll, war für beide Kies-Kinder nicht von Anfang an klar. Johanna interessierte sich zunächst für eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Nach einem Praktikum stellte sich für die 18-Jährige jedoch heraus, dass sie lieber in den handwerklichen Bereich einsteigen wollte. Bei ihrem Bruder war es ähnlich. Er absolvierte zwei Jahre an der Fachoberschule, um hinterher einen Bürojob anzufangen. "Ich habe immer wieder beim Papa mitgeholfen und mich dann doch für einen praktischen Beruf entschieden", erzählt der 21-Jährige. Da man in Amberg nur in wenigen Betrieben diese Ausbildung machen kann, boten sich die Lehrstellen im eigenen Haus an.

Besser als Bürojob

Natürlich habe er seinen Kindern bei der Berufswahl freie Hand gelassen, versichert Armin Kies. Gefreut hat er sich trotzdem, dass sie dieses Handwerk erlernt und somit eine kleine Familientradition fortgeführt haben. Denn auch der Schwiegervater ist Fliesenleger. Bei ihm hat der gelernte Bauzeichner hin und wieder ausgeholfen und so die Liebe zu seinem jetzigen Job entdeckt. "Mein vorheriger Beruf war ziemlich trocken - jeden Tag von morgens bis abends vor dem Computer", erzählt der Meister. Ob auch die nächste Generation in diese Fußstapfen treten soll, lassen Maximilian und seine Schwester noch offen. "Das ist ihre freie Entscheidung", meint Johanna. "Schön wäre es natürlich schon, dann bleibt der Betrieb in der Familie", fügt ihr Bruder Maximilian hinzu.

Komisch fand Kies es nicht, die eigenen Kinder auszubilden. Vor ihnen hatte er schon zahlreiche Lehrlinge. Um Nachwuchs für sein Handwerk zu begeistern, arbeitet er mit der Mittelschule Kümmersbruck zusammen. "Bei uns ist es sowieso familiär", antwortet der 46-Jährige auf die Frage, ob sich während der vergangenen zwei Jahre das Verhältnis zu den Kindern geändert habe. "Wir waren auch gar nicht so oft auf derselben Baustelle", berichtet sein Sohn. Meist arbeiten die beiden mit anderen Kollegen aus dem siebenköpfigen Team zusammen. Neben seinen Kindern beschäftigt der Meister derzeit eine weitere Meisterin, zwei Gesellen und einen Auszubildenden.

Auf die Leistungen von Sohn und Tochter bei der Gesellenprüfung ist ihr Vater natürlich stolz. Dass Maximilian seine Ausbildung als Jahrgangsbester abschließen konnte, erklärt sich Kies damit, dass er schon etwas mehr Lebenserfahrung hat. "Er ist ja ein bisschen älter als die meisten Prüflinge", meint er. Auch Johanna glänzte bei der Prüfung nach verkürzter Ausbildungszeit auf nur zwei Jahre und legt nun als fertige Fliesenlegerin geballte Frauenpower an den Tag. Darüber können sich die Geschwister freuen, denn von zwölf Teilnehmern haben es nur acht geschafft. "Dieses Jahr war es einfach etwas schwerer als sonst", begründet Maximilian die hohe Durchfallquote. Neben einem Praxisteil mussten die Azubis eine theoretische Prüfung über Sozialkunde, Wand- und Bodenbeläge absolvieren. "Eine Frage war zum Beispiel, auf welche Untergründe man fliesen darf und auf welche nicht", erzählt Johanna.

Die Vielseitigkeit macht's

Was ihr am besten an ihrem Beruf gefällt? "Du siehst am Ende des Tages, was du geschafft hast", antwortet Johanna. "Ganz anders, als wenn man den ganzen Tag vorm Computer sitzt." Maximilian weist auf die Vielseitigkeit seines Jobs hin: "Mal fliest man die Küche einer Kantine, mal ein Autohaus." Ihr Vater fügt hinzu: "Man lernt auch viele neue Leute kennen, weil auf einer Baustelle ja nicht nur Fliesenleger arbeiten."

Über die Zukunft haben sich die Gesellen schon Gedanken gemacht. "In den nächsten zwei Jahren möchte ich gern den Meister machen", erzählt Maximilian. "Erst noch etwas Berufserfahrung sammeln, damit ich den Betrieb einmal übernehmen kann." Seine Schwester weiß es noch nicht ganz so genau. Sie will sich entweder zur Meisterin oder zur Technikerin weiterbilden. "Auf jeden Fall weitermachen", meint sie. "Ich lass' das einfach auf mich zukommen."

Handwerker werden wenigerLeider finden sich immer weniger junge Menschen, die sich für einen handwerklichen Beruf entscheiden. "Viele meinen, dass ein Studium der beste Weg ist", vermutet Maximilian Kies, der gerade seine Ausbildung als Fliesenleger abgeschlossen hat. "Auch Lehrer legen ihren Schülern oft nahe, nach der Schule weiterzumachen." Doch das ist nicht unbedingt für jeden die richtige Entscheidung. "Der Beruf muss dir halt gefallen", meint Armin Kies. Ein weiterer Grund, warum einige vor dem Handwerk zurückschrecken, sei das Gerücht, dass man sich noch vor dem Rentenalter kaputt arbeiten würde. Solchen Aussagen widerspricht der Fliesenleger: "Der Opa packt mit seinen 75 Jahren immer noch ein paar Stunden lang mit an." (pnad)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.