09.10.2017 - 14:48 Uhr
Oberpfalz

Windmüller ziehen erste Bilanz Stürmische Ernte

Das Getreide liegt längst in den Scheunen, der Mais landet gerade in den Silos und auch die Windmüller bringen in diesen Tagen ihre Ernte ein. "Bis jetzt haben wir ein sehr gutes Windjahr", sagt einer, der die Bilanz im Blick hat.

Die Gondel einer Windkraftanlage, wie sie seit Herbst 2011 in der Nähe von Witzlricht (Gemeinde Freudenberg) stehen.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Sturmtief Xavier hat im Norden Deutschlands erheblichen Schaden angerichtet. In der Oberpfalz entwurzelten die Böen nur ein paar Bäume, sorgten aber dafür, dass die Rotorblätter an den Windrädern ordentlich in Schwung gerieten. "Die vergangenen Tage waren für die Windkraft-Bilanz in der Region ausgesprochen gut", erklärt Andreas Wilczek, einer der Geschäftsführer der Bürgerwind Freudenberg GmbH.

Rund um Amberg stehen immerhin 25 Windkraftanlagen, darunter die leistungsstärksten, die für das Binnenland angeboten werden. Im Frühjahr 2016 montierte ein Bautrupp in der Nähe von Hainstetten (Gemeinde Freudenberg) eine der kräftigsten Anlagen, die auf dem Markt zu haben sind, ein Windrad mit 3,5 Megawatt Nennleistung. Seitdem ist im Landkreis kein neues mehr errichtet worden.

"Der Zubau in ganz Bayern ist massiv eingebrochen", erläutert Wilczek. Ursache sei zum einen die sogenannte 10-H-Regelung, zum anderen die Fortschreibung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Mit der verschärften Abstandsregelung sei bayernweit kaum noch ein geeigneter Standort zu finden. Die stark gesunkene Einspeisevergütung gebe den übriggebliebenen Projekten wirtschaftlich den Rest. "Ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendwo noch eine neue Windkraftanlage entsteht."

Prognosen mehr als erfüllt

Der Landkreis zählt 27 Kommunen. Zehn davon sind mit Windkraftanlagen bestückt. Ursensollen zählt die meisten: Hier stehen fünf Windräder nebeneinander. Es folgen Illschwang (4), Freudenberg und Birgland (je 3), Auerbach, Edelsfeld, Königstein und Schnaittenbach (je 2) sowie Gebenbach und Kastl (je 1). An den 2011 aufgestellten Freudenberger Bürgerwindrädern sind auch die Stadtwerke Amberg beteiligt. Die Teilhaber können mit der bisherigen Entwicklung zufrieden sein, sagt Wilczek. Die Prognosen seien bisher mehr als erfüllt worden und auch technische Schwierigkeiten - wie in der Planungsphase oft prophezeit - seien nicht eingetreten. Zum Beispiel habe es keine einzige Zwangsabschaltung gegeben. Von Gegnern des Projekts war ins Feld geführt worden, die Anlagen könnten den von ihnen erzeugten Strom zu gewissen Zeiten nicht einspeisen, um das Netz nicht zu überlasten. Wilczek: "Seit Inbetriebnahme wurden unsere Windräder zweimal kurzzeitig heruntergeregelt, aber nur, um zu testen, ob die Fernsteuerung funktioniert."

Auch gutes Sonnenjahr

Für heuer liegt der Ertrag leicht über dem Soll. "Entscheidend für die Gesamtbilanz wird der Spätherbst und das weihnachtliche Sauwetter." Die Hauptphase steht also noch bevor. Beim Solarstrom ist die Ernte schon eingefahren. Sonnentage im Oktober oder November machen das Kraut nicht mehr fett. "Auch da war heuer ein leicht überdurchschnittliches Jahr", bilanziert der Bürgerwind-Geschäftsführer, der hauptberuflich als Solarfachberater bei Grammer-Solar arbeitet.

"Bei Solarstrom gibt es noch Zubauten, aber eher im kleinen Bereich. Die großen Freiflächenanlagen werden weniger." Der Eigenverbrauch werde immer interessanter, weil das Thema Elektromobilität an Fahrt gewinne und es immer bessere Speichermöglichkeiten gebe.

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